Terminal 3 in Frankfurt (Foto: Fraport AG).
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Deutschlands neues Tor zur Welt: Terminal 3 in Frankfurt vor der Eröffnung

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Der Flughafen Frankfurt am Main, das größte Luftverkehrsdrehkreuz in Deutschland, steht vor einer historischen Erweiterung. Mit der offiziellen behördlichen Abnahme des neuen Terminal 3 hat die Fraport AG, Betreiberin des Flughafens, einen entscheidenden Meilenstein erreicht.

Das rund vier Milliarden Euro teure Bauprojekt, das größte privat finanzierte Infrastrukturvorhaben Europas, soll am 22. April 2026 feierlich eröffnet werden. Mit einer anfänglichen Kapazität von 19 Millionen zusätzlichen Passagieren jährlich soll der Neubau die künftigen Wachstumsanforderungen des Luftverkehrsstandortes Deutschland sichern und die Wettbewerbsfähigkeit des Frankfurter Flughafens im internationalen Vergleich stärken. Nach zehn Jahren Bauzeit beginnt nun die finale Phase der Inbetriebnahme, die von umfangreichen technischen Installationen und einem großangelegten Testbetrieb geprägt sein wird.

Technischer Abschluss und Start der finalen Vorbereitungen

Mit der Erteilung der behördlichen Genehmigungen, die unter anderem den strengen Brandschutz umfassen, hat das neue Terminal offiziell den Status einer Baustelle verlassen. Für die Fraport AG und ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft, die Fraport Ausbau Süd GmbH (FAS), markiert dies den Übergang zur Betriebsvorbereitung. Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte würdigte den Abschluss des Großprojekts als „ganz besonderen Moment“ und betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit allen Projektbeteiligten und Behörden.

Die verbleibenden Monate bis zur geplanten Eröffnung sind ausgefüllt mit der Endinstallation modernster Technologie. Dazu gehört die Ausstattung der insgesamt 21 Sicherheitskontrollspuren mit Computertomographen. Diese Geräte gelten als technologischer Fortschritt und sollen die Abfertigungszeiten deutlich verkürzen. Parallel dazu werden die Geschäfte, Bars und Restaurants fertiggestellt, um den Passagieren ein modernes Serviceangebot zu bieten.

Das Herzstück der Abläufe, die Gepäckförderanlage, wird ebenfalls fortlaufend erprobt, um die reibungslose Logistik vom Check-in bis zum Flugzeug sicherzustellen. In einem umfassenden Testbetrieb sollen zwischen Ende Januar und Mitte April 2026 an 21 Tagen rund 8.000 Testpassagiere die Abläufe simulieren. Dieser realitätsnahe Testlauf, der von der Anreise über den Check-in bis zum Boarding reicht, dient dazu, alle Prozesse unter realen Bedingungen zu validieren und gegebenenfalls letzte Optimierungen vorzunehmen.

Dimensionen und Kapazitätsgewinn für den Luftverkehr

Das neue Terminal 3, das im Süden des Frankfurter Flughafens auf dem Gelände der ehemaligen US-Militärbasis entsteht, umfasst in seiner ersten Ausbaustufe die Flugsteige G, H und J. Die anfängliche Kapazität von 19 Millionen Passagieren pro Jahr stellt eine signifikante Entlastung und Erweiterung für den Flughafen dar, dessen Gesamtkapazität damit weit über die derzeitige Auslastung hinauswächst. Eine spätere Erweiterung auf bis zu 25 Millionen jährliche Fluggäste ist durch das modulare Baukonzept bereits vorgesehen.

Die Dimension des Bauvorhabens ist beispiellos: Fraport investiert rund vier Milliarden Euro in den Neubau inklusive der notwendigen Verkehrsanbindungen. Die Bauarbeiten, verantwortet durch die FAS, wurden nach Aussage der Geschäftsführung trotz globaler Krisen wie der Coronapandemie, des Krieges in der Ukraine und massiver Störungen der globalen Lieferketten termingerecht und im Rahmen des Budgets realisiert – ein bemerkenswerter Erfolg in der Infrastrukturentwicklung.

Logistisches Großereignis: Der Umzug der Fluggesellschaften

Die Inbetriebnahme des neuen Terminals ist untrennbar mit einem komplexen Umzugsplan verbunden. Insgesamt 57 Fluggesellschaften, die derzeit im Terminal 2 ansässig sind, werden in vier Phasen zwischen Mitte April und Anfang Juni 2026 in das Terminal 3 verlegt. Dieser koordinierte Wechsel ist notwendig, um einen parallelen Betrieb zu gewährleisten und die Passagierströme neu zu ordnen.

Der Umzug hat strategische Bedeutung für die künftige Verteilung der Airlines am Drehkreuz Frankfurt. Während Terminal 1 historisch durch die Lufthansa und ihre Star Alliance-Partner dominiert wird, soll das Terminal 3 ein moderner Standort für eine breitere Palette von Fluggesellschaften werden. Ein prominenter Umzugskandidat ist Turkish Airlines. Obwohl Star Alliance-Mitglied, hat der Carrier die klare Absicht signalisiert, in den neuen, infrastrukturell vorteilhaften Bau zu wechseln, was als Zeichen strategischer Eigenständigkeit und des Bedarfs an größeren Abfertigungsflächen gewertet wird. Auch die deutsche Fluggesellschaft Condor wird als potenzieller Nutzer des neuen Terminals gehandelt.

Nach dem vollständigen Umzug der Airlines wird Terminal 2 vorübergehend außer Betrieb genommen, um eine umfangreiche Sanierung zu ermöglichen, die voraussichtlich etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen wird.

Moderne Infrastruktur und Reiseerlebnis

Der Neubau im Süden des Flughafens soll neue Maßstäbe in Bezug auf Passagierkomfort und technische Innovation setzen. Die Architektur ist durch ein modernes Design mit einer imposanten, 18 Meter hohen Abflughalle und großen Glasfronten gekennzeichnet. Die Flugsteige G, H und J bieten sowohl Kapazitäten für Schengen- als auch für Non-Schengen-Reisende.

Ein zentrales Element zur Verbesserung des Reiseerlebnisses ist die neue, vollautomatische Sky Line-Bahn. Sie verbindet Terminal 3 über eine 5,6 Kilometer lange Strecke mit den Terminals 1 und 2 sowie dem Fern- und Regionalbahnhof. Mit einer Fahrzeit von knapp acht Minuten und einer Kapazität von bis zu 4.000 Passagieren pro Stunde und Richtung schafft die Bahn eine schnelle und effiziente Anbindung.

Auch die Anbindung für den Individualverkehr wurde massiv ausgebaut. Neben der Erweiterung der Anschlussstelle Zeppelinheim an der Autobahn A5 wurde ein 550 Meter langer Vorfahrtstisch direkt vor der Check-in-Halle errichtet. Zudem entsteht eines der größten Parkhäuser Europas mit 8.500 Stellplätzen auf acht Geschossen.

Der Gastronomie- und Einzelhandelsbereich wird vielfältig gestaltet. Im Marktplatz, dem Herzstück des Terminals, sind zwei Food Courts, eine zentrale Bar sowie ein breites kulinarisches Spektrum von traditionellen Bäckereien über Sushi- und Tapas-Bars bis hin zu gehobenen Restaurants geplant. Ergänzt wird das Angebot durch Einzelhandels- und Finanzdienstleister. Technologisch setzt das Terminal 3 auf Smart Terminal-Technologien, um die Prozesse für die Reisenden weiter zu optimieren.

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