Der anhaltende Shutdown der US-Regierung aufgrund eines Haushaltsstreits zwischen Demokraten und Republikanern legt den Flugverkehr in den Vereinigten Staaten zunehmend lahm. Wegen massiver Personalengpässe bei der Flugsicherungsbehörde FAA kommt es seit Beginn der Haushaltssperre am 1. Oktober 2025 zu landesweiten Flugverspätungen und -ausfällen.
Am 7. Oktober 2025 waren laut FlightAware bereits über 4.000 Flüge verspätet. In der gesamten ersten Shutdown-Woche waren mehr als 23.000 Flüge verspätet und 470 Flüge fielen komplett aus. Betroffen sind nicht nur die vom Flugverfolgungsdienst gemeldeten Flughäfen Newark, Phoenix, Denver und Las Vegas, sondern auch grosse Luftverkehrsdrehkreuze wie Chicago, Boston und Houston, die bereits Personalprobleme melden. Die FAA sah sich gezwungen, den Verkehr zu drosseln und an einigen Standorten die Starts von Flugzeugen vorübergehend zu verlangsamen, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Fluglotsen-Krise verschärft sich
Obwohl Fluglotsen als systemrelevant eingestuft sind und zur Arbeit verpflichtet sind, erhalten sie während des Shutdowns kein Gehalt. Diese Situation führt zu einem Anstieg von Krankmeldungen in den Kontrollzentren, wodurch sich ein bereits bestehender Mangel an Fachkräften weiter verschärft. Schätzungen zufolge fehlen der FAA landesweit rund 3000 Fluglotsen. Gewerkschaftsführer warnen davor, dass der anhaltende Regierungsstillstand die Reisepläne von Millionen Amerikanern, insbesondere vor den Thanksgiving-Feiertagen im November, empfindlich stören könnte. Die Sicherheit im US-Luftraum wird durch die Überlastung des verbliebenen Personals und die fehlende Bezahlung zunehmend zum Thema.
Eingeschränkte Fluggastrechte
Für betroffene Passagiere stellt sich die Frage nach ihren Rechten. Experten wie Julian Navas, Fluggastrechtsexperte bei AirHelp, erklären, dass Personalengpässe aufgrund des Shutdowns als „aussergewöhnlicher Umstand“ gelten, der ausserhalb des Einflussbereichs der Airlines liegt. Daher besteht in diesem Fall kein Anspruch auf finanzielle Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG 261), die ansonsten Ausgleichszahlungen von 250 bis 600 Euro bei Verspätungen über drei Stunden vorsieht, wenn der Flug in der EU startet oder bei einer EU-Airline in der EU landet. Innerhalb der USA gelten die Vorschriften des US-Verkehrsministeriums (DOT). Dieses sieht jedoch im Gegensatz zum EU-Recht keine generelle Entschädigung vor.
Unabhängig von einer Entschädigungszahlung haben Passagiere jedoch sowohl nach US-Vorschriften als auch nach der EU-Verordnung Anspruch auf Unterstützungsleistungen durch die Fluggesellschaft. Dies umfasst die Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug. Bei längeren Wartezeiten, insbesondere wenn sich die Verspätung über Nacht hinzieht, können auch Essensgutscheine und eine Unterkunft dazugehören. Während in der EU diese Betreuungsleistungen ab zwei Stunden Verspätung verpflichtend sind, hängen sie in den USA von den jeweiligen internen Richtlinien der Airline ab. Reisende sollten sich auf längere Wartezeiten an den Flughäfen einstellen und Belege für entstandene Ausgaben aufbewahren.