Heckflossen (Foto: American Airlines).
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Beinahe-Zwischenfall in Dallas: Unkontrollierte Kerosinspritzer bei Betankung legen Flugbetrieb lahm

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Ein routinemäßiger Betankungsvorgang am Dallas/Fort Worth International Airport (DFW) nahm am 11. Oktober 2025 eine unerwartet gefährliche Wendung, als ein Flughafenmitarbeiter die Kontrolle über den Zapfschlauch verlor. Das Ereignis führte dazu, dass große Mengen an Flugzeugtreibstoff über das parkende Flugzeug und die umliegende Abstellfläche versprüht wurden.

Der Vorfall, der sich am Terminal E ereignete, während eine American Eagle CRJ-900 für den Abflug vorbereitet wurde, zog einen Großeinsatz der Sicherheits- und Rettungskräfte nach sich, um die drohende Brandgefahr zu bannen. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand, und das Fluggerät konnte nach einer gründlichen Reinigung noch am selben Tag wieder in den regulären Flugbetrieb aufgenommen werden. Das Chaos rund um die Betankungsaktion beleuchtet jedoch erneut die potenziellen Risiken und die Notwendigkeit strikter Sicherheitsprotokolle bei den alltäglichen Bodenoperationen im Luftverkehr.

Ablauf des Betankungsvorfalls und die unmittelbare Reaktion

Der Vorfall betraf das Flugzeug N593NN, eine CRJ-900, die für American Eagle von der regionalen Fluggesellschaft PSA Airlines betrieben wird. Demnach ereignete sich der Kontrollverlust am frühen Morgen des Samstags, den 11. Oktober. Der beteiligte Bodenmitarbeiter, der für das Vertragsunternehmen Menzies tätig ist, war Berichten zufolge gerade dabei, den Schlauch von dem Flugzeug zu trennen, als das Gerät plötzlich und unkontrolliert unter dem Rumpf der Maschine umherschleuderte.

Da der Tankvorgang unter Druck abläuft, sprühte der ausgerissene Schlauch den Jet-Treibstoff unaufhörlich über die Abstellfläche und die Flugzeughülle. Augenzeugen hielten in Videoaufnahmen fest, wie die Treibstofffontäne über das Vorfeld schoss und sich gefährliche Lachen auf dem Boden bildeten. Diese Treibstofflachen stellten eine akute Brand- und Explosionsgefahr dar, da Kerosin hoch entzündlich ist und eine einzige Funkenbildung weitreichende Konsequenzen hätte haben können.

Die Notfallmaßnahmen des Flughafens erfolgten zügig. Die Einsatzkräfte wurden umgehend alarmiert, um die Verbreitung des Kraftstoffs zu stoppen und die Gefahrenzone zu sichern. Absorbierende Matten und Auffangbarrieren wurden ausgelegt, und die betroffenen Betankungskreisläufe wurden abgeschaltet. Der Flugbetrieb in unmittelbarer Nähe musste temporär unterbrochen werden. Durch das schnelle Eingreifen konnte die Ausbreitung des Treibstoffs begrenzt und ein folgenschwerer Zwischenfall verhindert werden.

Untersuchung der Sicherheitsmechanismen und möglicher Fehlerquellen

Der Zwischenfall hat eine umfassende Untersuchung durch die Flughafenbehörden und die beteiligten Unternehmen zur Folge. Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Sicherheitsprotokolle und die Funktionstüchtigkeit der technischen Ausrüstung. Der Betankungsvorgang in der Luftfahrt ist durch eine Reihe von Sicherungssystemen reglementiert, darunter Druckleitungen, Abschaltventile, Überdrucksensoren und Erdungsvorrichtungen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die sogenannten Totmannschalter (Deadman Switch).

Der Totmannschalter ist ein obligatorisches Sicherheitsmerkmal in der Luftfahrtbetankung. Er verlangt vom Bediener eine kontinuierliche, bewusste Betätigung (wie das Halten eines Schalters), um den Kraftstofffluss aufrechtzuerhalten. Lässt der Mitarbeiter den Schalter los, muss der Treibstofffluss sofort stoppen. Dies soll sicherstellen, dass bei einem Kontrollverlust oder einer plötzlichen Notlage die Kraftstoffzufuhr automatisch unterbrochen wird. Die Ermittler prüfen nun, ob dieser Mechanismus ordnungsgemäß funktioniert hat, ob er möglicherweise manipuliert oder umgangen wurde.

Zusätzlich zur möglichen menschlichen Fehlfunktion oder Abweichung von der korrekten Standardarbeitsanweisung konzentriert sich die Untersuchung auf mögliche Materialfehler. Die Prüfungen umfassen:

  • Integrität des Zapfschlauches: Eine genaue Inspektion auf Risse, Abnutzung oder Ermüdungserscheinungen des Materials.
  • Kupplungsmechanismen: Die Überprüfung des Verschlusses und des Schnellkupplungssystems, das den Schlauch mit dem Flugzeug verbindet. Gerade die Trennung der Kupplung gilt als einer der anfälligsten Momente im gesamten Betankungsprozess.
  • Druckregelung: Die Analyse, ob die Druckverhältnisse in der Versorgungsleitung zum Zeitpunkt des Verlustes der Kontrolle angemessen waren.

Die detaillierte Untersuchung soll aufzeigen, ob es sich um eine singuläre Verkettung unglücklicher Umstände oder um einen systematischen Mangel in der Ausbildung, Wartung oder dem Prozedere des Bodenabfertigungsunternehmens handelt. Die Ergebnisse werden in Empfehlungen münden, um zukünftige Wiederholungen dieses gefährlichen Szenarios auszuschließen.

Risikomanagement und Auswirkungen auf den Luftverkehrsbetrieb

Unfälle wie dieser, obwohl sie glücklicherweise glimpflich enden, unterstreichen das inhärente Risiko im täglichen Flugbetrieb. Obwohl die Wahrscheinlichkeit eines Betankungsunfalls gering ist, kann der Eintritt des Ereignisses katastrophale Folgen haben. Die Anwesenheit großer Mengen leicht entzündlichen Kerosins erfordert höchste Disziplin und technische Zuverlässigkeit in den Prozessen. Die schnelle Reinigung und die Wiederaufnahme des Flugzeugs in den Betrieb am selben Tag zeugen von einem robusten Krisenmanagement des Flughafens, dennoch entstehen durch derartige Zwischenfälle erhebliche zusätzliche Kosten.

Die Kosten umfassen nicht nur die Reinigung, die Inspektion des Flugzeugs und die vorübergehende Betriebsstörung, sondern auch potenzielle rechtliche Folgen und die Notwendigkeit von Nachschulungen des Personals. Besonders kritisch ist die Gesundheitsgefährdung des beteiligten Bodenmitarbeiters. Die Exposition der Haut und Kleidung gegenüber Jet-Treibstoff, der flüchtige organische Verbindungen enthält, birgt Risiken von Hautreizungen bis hin zu systemischer Absorption, was langfristige gesundheitliche Auswirkungen nach sich ziehen kann. Für Fluggesellschaften und deren Vertragspartner ist ein solches Ereignis ein klarer Anlass, die Aufsicht über Zulieferer und die präventiven Wartungspläne für kritische Bodenausrüstung intensiv zu prüfen. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Flugsicherheit hängt maßgeblich von der Sicherheit und Zuverlässigkeit des gesamten Betriebs ab, auch und gerade der komplexen Vorgänge am Boden. Die Flugverkehrsakteure sind daher daran interessiert, nicht nur die materiellen Risiken zu minimieren, sondern auch die Wahrnehmung von Sicherheit zu gewährleisten.

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