Ile aux Nattes Madagaskar (Foto: Unsplash/iAko Randrianarivelo).
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Eskalation der politischen Krise in Madagaskar legt internationalen Flugverkehr lahm

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Die politische Instabilität in Madagaskar hat eine akute Krise ausgelöst, die weitreichende Konsequenzen für die internationale Anbindung des Inselstaates hat. Nachdem wochenlange Anti-Regierungs-Proteste, die ursprünglich durch Engpässe bei der Grundversorgung ausgelöst wurden, in einen von Präsident Andry Rajoelina als Putschversuch bezeichneten militärischen Aufstand mündeten, haben mehrere große Fluggesellschaften ihre Verbindungen in die Hauptstadt Antananarivo eingestellt.

Air France, Emirates und Air Mauritius gehören zu den Airlines, die den regulären Flugbetrieb vorübergehend annulliert haben, um die Sicherheit angesichts der unübersichtlichen Lage zu gewährleisten. Die Entwicklungen zwingen die internationale Gemeinschaft und die verbleibenden Airlines zu einer täglichen Neubewertung des Sicherheitsrisikos.

Chronologie des Aufstands und militärische Machtansprüche

Die aktuelle Krise in Madagaskar nahm ihren Anfang am 25. September mit Protesten, die sich gegen die herrschenden Versorgungsmängel bei Wasser und Elektrizität richteten. Diese Unruhen spiegeln den tief sitzenden Unmut einer Bevölkerung wider, von der ein Großteil in extremer Armut lebt und die unter mangelnder staatlicher Grundversorgung leidet. Die Situation eskalierte am Wochenende des 11. und 12. Oktober, als sich eine Elite-Einheit des Militärs, das CAPSAT (corps d’armée des personnels et des services administratifs et techniques), den Demonstranten anschloss und die Kontrolle über Teile der Streitkräfte beanspruchte.

Präsident Andry Rajoelina wertete diesen Schritt umgehend als illegalen Versuch der Machtübernahme. Die Krise spitzte sich am 13. Oktober weiter zu, als der Präsident Madagaskar Berichten zufolge verließ. Mehrere Medien, darunter französische Sender, berichteten, Rajoelina sei mit einem Helikopter vom Präsidentenpalast zum Flughafen gebracht und von dort aus mit einem Flugzeug in das französische Überseedepartement La Réunion und anschließend an einen unbekannten Ort ausgeflogen worden. Rajoelina, der seit 2014 auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, meldete sich später mit einer Videoansprache und erklärte, er habe sich an einen sicheren Ort begeben müssen, da eine Gruppe von Politikern und Militärs seine Ermordung geplant habe. Er zeigte sich jedoch „offen für einen Dialog“.

Parallel dazu stimmte die Nationalversammlung für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Rajoelina, der seinerseits versucht hatte, das Parlament per Dekret aufzulösen. Kommandeure der meuternden CAPSAT-Einheiten erklärten schließlich, die Macht übernommen zu haben, kündigten die Einrichtung eines Obersten Gerichtshofs für Reformen sowie die Ernennung eines neuen Premierministers an. Binnen zwei Jahren soll ein Referendum stattfinden. Die Ereignisse mündeten in eine Dringlichkeitssitzung des Friedens- und Sicherheitsrates der Afrikanischen Union (AU) am 13. Oktober, der die Gewährleistung der verfassungsmäßigen Ordnung in Madagaskar forderte. Die Inselnation hat seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 eine Geschichte von politischer Instabilität und Staatsstreichen erlebt, wobei Rajoelina selbst im Jahr 2009 durch einen Putsch an die Macht gelangte.

Temporärer Kollaps des Interkontinentalverkehrs

Als direkte Folge der zunehmenden Unsicherheit reagierten die internationalen Fluggesellschaften rasch mit der Aussetzung des Linienverkehrs. Die Maßnahmen dienen primär dem Schutz von Personal und Passagieren sowie der Vermeidung operationeller Risiken an einem unkontrollierten Flughafen.

Die französische Fluggesellschaft Air France verlängerte die Annullierung ihrer Flüge zwischen Paris Charles de Gaulle (CDG) und Antananarivo vom 14. bis mindestens 17. Oktober. Das Unternehmen betonte, in ständiger Abstimmung mit den Behörden die Lage zu überwachen und eine Wiederaufnahme des Betriebs von einer täglichen Sicherheitsüberprüfung abhängig zu machen. Auch Flüge mit Zwischenstopp in St. Denis de la Réunion waren von den Streichungen betroffen.

Emirates, die über Mahé auf den Seychellen nach Antananarivo fliegt, setzte ihre Verbindung ab Dubai International bis auf Weiteres aus. Diese unbefristete Annullierung signalisiert eine tiefgreifendere Besorgnis hinsichtlich der mittelfristigen Stabilität der Destination.

Die regionale Fluggesellschaft Air Mauritius annullierte Flüge am 13. Oktober und machte die „volatile sozio-politische Situation“ für die Entscheidung verantwortlich. Die Wiederaufnahme des Betriebs wurde explizit an die Freigabe durch die eigenen Sicherheitsteams geknüpft, um die Sicherheit für die Passagiere zu gewährleisten.

Unterschiedliche Risikobewertungen der Fluglinien

Trotz der umfassenden Streichungen durch die größten Airlines der Route zeigten andere Fluggesellschaften eine flexiblere Reaktion. Die in Addis Abeba ansässige Ethiopian Airlines und Air Austral verschoben geplante Flüge am 11. Oktober, nahmen ihre Dienste nach Antananarivo jedoch am 13. bzw. 12. Oktober wieder auf. Air Austral erklärte, die Situation mit „größter Sorgfalt“ zu beobachten.

International Airlines, die den Flugbetrieb fortsetzten, waren Kenya Airways und die südafrikanische Airlink. Airlink gab bekannt, dass sie ihre Flüge nach Antananarivo bis auf Weiteres aufrechterhalte, warte jedoch auf Anweisungen des südafrikanischen Außenministeriums (DIRCO) und der lokalen Bodenabfertiger in Madagaskar. Die unterschiedlichen Entscheidungen der Airlines verdeutlichen die Komplexität der Risikobewertung im Luftverkehr, die stark von den jeweiligen Heimatregierungen, den lokalen Kontakten und den verschiedenen Geschäftsmodellen der Unternehmen beeinflusst wird.

Auch der Inlandsflugverkehr von Madagascar Airlines blieb in Betrieb, wenn auch unter erhöhter Vorsicht. Die Fluggesellschaft musste am 13. Oktober einen Flug aus Tolanaro umleiten und hatte die Passagiere zuvor über mögliche Flugplanänderungen, Verspätungen oder Annullierungen aufgrund der verhängten Ausgangssperren in einigen Regionen informiert. Die anhaltenden Turbulenzen im Flugverkehr wirken sich direkt auf die Versorgungsketten und die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung aus, was die wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen in dem ohnehin fragilen Land weiter verschärft.

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