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Kapazitätsausweitung: Austrian Airlines im Spannungsfeld von Nachfrage und Planungsrisiko

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Die Reaktion von Austrian Airlines (AUA) auf die prognostizierte Reiselust während der diesjährigen, verkürzten österreichischen Herbstferien ist primär von ökonomischen Überlegungen geleitet. Die deutliche Kapazitätsausweitung, die zusätzliche Flüge zu touristischen Hotspots in Spanien, Italien und im östlichen Mittelmeer umfasst, ist ein Versuch, die Flugzeuge in einer Übergangsperiode maximal auszulasten und gleichzeitig auf die traditionelle Sehnsucht der österreichischen Bevölkerung nach einer „Sommerverlängerung“ zu reagieren. Die Entscheidung des Managements, die Flotte, teils mit Großraumflugzeugen wie der Boeing 777, in Märkte wie Mallorca, Zypern und Rom zu entsenden, zeugt von einem aggressiven Kapazitätsmanagement in der sogenannten „Shoulder Season“.

Die Fluggesellschaft setzt damit auf die Verlockung des stabilen Klimas in Südeuropa und die relative Ruhe der touristischen Nebensaison. Gleichzeitig steht dieses Vorgehen im Zusammenhang mit den Herausforderungen, denen sich die Branche gegenübersieht: der Notwendigkeit, Flugzeuge und Personal effizient einzusetzen, und dem inhärenten Risiko, das mit einer kurzfristigen Frequenzerhöhung in einer volatilen Reisezeit verbunden ist. Die Fokussierung auf die Gewährleistung einer hohen Auslastung in einer außerhalb der Hauptreisezeit liegenden Periode stellt den zentralen wirtschaftlichen Treiber für die Maßnahme dar.

Gezielter Ausbau: Ökonomische Logik hinter den Destinationen

Die Auswahl der Destinationen für die zusätzlichen Flüge folgt einer klaren ökonomischen Logik und spiegelt die erwarteten kurzfristigen Reisemuster wider.

Der Spanien-Fokus und die Marktsättigung

Die massivste Aufstockung betrifft Spanien, allen voran Mallorca mit zwölf zusätzlichen Flügen. Mallorca ist zwar ein traditionell stark nachgefragtes Ziel, die hohe Zahl an Zusatzflügen könnte jedoch auf eine potenzielle Marktsättigung hindeuten. Die Fluggesellschaft kalkuliert offensichtlich, dass die Attraktivität der Insel im Spätherbst – gekennzeichnet durch mildes Klima und weniger überlaufene Strände – eine ausreichende Nachfrage generiert, um die zusätzlichen Sitzplätze zu füllen. Kritisch zu hinterfragen ist hierbei, inwieweit diese kurzfristigen Kapazitäten zu einem Preiskampf in der Nebensaison führen oder ob die AUA in der Lage ist, höhere Durchschnittserlöse zu erzielen, indem sie primär die flexiblen und kaufkräftigen Kurzentschlossenen bedient. Die zusätzlichen Flüge nach Málaga, Barcelona und Valencia dienen der Absicherung des spanischen Marktes und sollen die Dominanz der AUA auf diesen Routen festigen.

Zypern und die Strategie der Großraumflugzeuge

Der Einsatz einer Boeing 777 auf drei der zehn zusätzlichen Larnaca-Flüge nach Zypern ist ein Indikator für die Erwartung einer außergewöhnlich hohen Passagierzahl oder eine strategische Ausweichlösung. Die Boeing 777 wird primär auf Langstrecken eingesetzt. Ihre Nutzung auf einer Mittelstrecke ist ungewöhnlich und kann auf zwei Aspekte hindeuten: Entweder wird eine besonders hohe Nachfrage im Segment des Spätsommerurlaubs erwartet, oder es handelt sich um eine taktische Maßnahme zur Leerlaufvermeidung von Langstreckenflugzeugen in einer Zeit, in der diese andernfalls am Boden stünden. Letzteres würde die Maßnahme als primär flugplanoptimierend und nicht ausschließlich nachfragegetrieben kennzeichnen. Die stabile Wassertemperatur und das milde Klima Zyperns im Oktober bieten hierfür eine verlässliche Kalkulationsgrundlage.

Städtetrips als stabiles Segment

Die Erhöhung der Frequenzen nach Rom und Florenz, aber auch die Betonung der gut bedienten Routen nach Amsterdam, London, Berlin und Paris, zielt auf das weniger witterungsabhängige Segment der Städtereisen ab. Diese Reisen sind aufgrund ihrer kulturellen und städtischen Attraktionen stabil in der Nachfrage. Die Strategie ist hierbei, die Frequenzen so zu verdichten, dass das Angebot für Kurzurlaube unter der Woche attraktiver wird, was wiederum die Auslastung außerhalb der klassischen Wochenendspitzen erhöht. Diese Flexibilisierung des Reiseangebots dient der Maximierung des Ertrags pro Flugstunde.

Risiken und Herausforderungen der Kapazitätsaufstockung

Die kurzfristige und deutliche Kapazitätserhöhung in der „Shoulder Season“ birgt inhärente Risiken, die über die reine Auslastung hinausgehen.

Operative Belastung und Flexibilität

Die Einführung zahlreicher Sonderflüge und die Nutzung von Großraumflugzeugen auf unüblichen Routen stellen eine erhöhte operative Belastung für die Fluggesellschaft dar. Sie erfordert eine präzise Koordination des Bodenpersonals, der Besatzungen und der Slots an den Flughäfen. Obwohl das Unternehmen darauf verweist, dass die Flexibilität der Reisenden durch Unter-der-Woche-Flüge genutzt werden soll, ist der Betrieb in den Ferienzeiten traditionell anfällig für Verzögerungen und Engpässe. Jede unerwartete Störung im Flugbetrieb könnte angesichts des eng getakteten Sonderflugplans schnell zu Kettenreaktionen und Unzufriedenheit bei den Reisenden führen.

Der Wandel der Nebensaison

Die vom Management betonte Attraktivität der Nebensaison durch geringeren Touristenansturm wird durch die eigenen Maßnahmen des Kapazitätsausbaus teilweise untergraben. Wenn zahlreiche Fluggesellschaften in der gleichen Periode zusätzliche Flüge anbieten, nähert sich die Passagierdichte in der Nebensaison zwangsläufig wieder den Verhältnissen der Hauptsaison an. Dies könnte die erwarteten Vorteile der „entspannten Atmosphäre“ und der kürzeren Warteschlangen mindern. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen der beworbenen Ruhe der Nachsaison und der erhöhten Frequenz ankommender Passagiere. Die touristischen Infrastrukturen der Destinationen, insbesondere auf Inseln wie Mallorca, sind auf die Hochsaison ausgelegt; eine Verlängerung der Hochfrequenzperiode stellt eine zusätzliche Belastung für lokale Ressourcen und Services dar, auch wenn die absoluten Zahlen unter denen des Hochsommers bleiben.

Wetterabhängigkeit und spontane Buchungen

Trotz der im Spätherbst als stabil geltenden Klimabedingungen im Mittelmeerraum bleibt die Wetterabhängigkeit ein Faktor. Das Kalkül der AUA stützt sich auf die erwartete Spontaneität der österreichischen Reisenden, die dem unbeständigen Wetter im Inland entfliehen wollen. Sollte das Wetter in Österreich in den fraglichen Wochen überraschend gut sein oder die südlichen Destinationen von unvorhergesehenen Schlechtwetterperioden betroffen sein, könnte die geplante hohe Auslastung der Zusatzflüge gefährdet sein. Die Abhängigkeit von kurzfristigen Buchungen macht die Rentabilität der zusätzlichen Kapazitäten vulnerabler als bei langfristig geplanten Routen.

Die Kapazitätsausweitung der Austrian Airlines in den Herbstferien ist somit ein kalkulierter wirtschaftlicher Balanceakt. Er spiegelt das Bestreben wider, die Unternehmensleistung durch eine optimierte Flottenauslastung in einer stabil wachsenden Nebensaison zu steigern, muss aber das operative Risiko und die mögliche Verwässerung des „Nebensaison-Vorteils“ durch die eigene Strategie sorgfältig abwägen.

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