Der europäische Luftfahrthersteller Airbus hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 insgesamt 507 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert und hält damit trotz eines von CEO Guillaume Faury als „komplex und dynamisch“ beschriebenen operativen Umfelds an seinem ehrgeizigen Ziel von rund 820 Auslieferungen für das Gesamtjahr fest. Die Bilanz des Konzerns für die ersten neun Monate bis zum 30. September 2025 zeigte eine solide finanzielle Leistung, gestützt durch wachsende Umsätze in allen drei Hauptdivisionen, obwohl das Auftragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging.
Airbus erwirtschaftete in diesem Zeitraum einen Umsatz von 47,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich auf 4,1 Milliarden Euro, während das berichtete Ebit bei 3,4 Milliarden Euro lag. Die Erträge pro Aktie erreichten 3,34 Euro. Der freie Cashflow vor Kundenfinanzierung war jedoch mit -0,9 Milliarden Euro noch negativ, was die hohe Belastung durch die Vorfinanzierung des Produktionshochlaufs widerspiegelt. Faury bestätigte, dass die Auslieferungen weiterhin am Ende des Jahres stark gebündelt (backloaded) seien.
Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Umsatz im Kerngeschäft Verkehrsflugzeuge um drei Prozent auf 33,9 Milliarden Euro stieg, primär durch die höhere Zahl von Auslieferungen und ein Zuwachs im Dienstleistungsgeschäft. Auch die Sparten helicopters und defense and space trugen signifikant zum Konzernergebnis bei und verzeichneten Umsatzsteigerungen von 16 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro beziehungsweise 17 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro.
Der Flaschenhals Lieferkette: Modifizierte Hochlaufpläne
Die primäre Herausforderung für Airbus bleibt die Instabilität und Kapazitätsgrenze in der globalen Lieferkette. Um das Produktionsziel von 820 Flugzeugen zu erreichen, müsste das Unternehmen im vierten Quartal noch über 300 Flugzeuge ausliefern, was einen intensiven Kraftakt in den letzten drei Monaten des Jahres erfordert.
Angesichts dieser operativen Komplexität hat Airbus seine Produktionshochlauffahrpläne für die Schmalrumpfflugzeuge angepasst:
- A320-Familie: Trotz anhaltender Engpässe hält Airbus an seinem Ziel fest, die monatliche Produktion auf 75 Flugzeuge bis 2027 zu steigern. Dies unterstreicht das enorme globale Auftragsbuch für die A320neo-Familie und die Notwendigkeit, der Kundennachfrage nachzukommen. Die A320-Familie, zu der die A319neo, A320neo und A321neo gehören, bildet das Rückgrat der Kurz- und Mittelstreckenflotten weltweit.
- A220-Programm: Hier musste Airbus realistisch auf die Balance zwischen Angebot und Nachfrage in der Lieferkette reagieren und den Hochlauf der Produktion dämpfen. Das neue Ziel sieht vor, eine monatliche Rate von 12 Flugzeugen erst im Jahr 2026 zu erreichen. Zuvor war eine frühere Steigerung geplant. Diese Anpassung ist ein direktes Resultat der globalen Probleme in der gtf-Triebwerkslieferkette sowie der begrenzten Verfügbarkeit von Komponenten.
- Großraumflugzeuge (Widebodies): Im A330-Programm wird die Produktion bei vier Flugzeugen pro Monat stabilisiert, mit einer geplanten Steigerung auf fünf bis 2029. Wesentlich aggressiver sind die Pläne für die A350-Familie: Hier strebt Airbus eine Verdopplung der Produktionsrate auf 12 Flugzeuge pro Monat bis 2028 an, um die signifikante Kundennachfrage nach diesem Langstreckenmodell zu bedienen.
Faury betonte, dass man die industrielle Kapazität kontinuierlich erweitere, um den Hochlauf des Verkehrsflugzeuggeschäfts zu unterstützen. Diese Investitionen in die Fertigungslinien und die Digitalisierung sollen langfristig die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern verringern und die Produktionsstabilität erhöhen.
Divergierende Entwicklungen im Auftragseingang
Während die Auslieferungen den Konzern auf Kurs halten, zeigte sich der Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2025 verhaltener als im Vorjahr. Die Bruttoaufträge für Verkehrsflugzeuge beliefen sich auf 610 Einheiten (gegenüber 667 in 2024), während die Nettoaufträge nach Stornierungen auf 514 Flugzeuge sanken (gegenüber 648 in 2024).
Trotz dieses Rückgangs bleibt das Auftragsbuch für Verkehrsflugzeuge mit 8.665 Einheiten am Ende des dritten Quartals extrem hoch. Dieses gigantische Auftragsbuch sichert die Produktionsauslastung des Unternehmens für die kommenden Jahre und bietet eine starke finanzielle Stabilität, auch wenn die kurzfristige Dynamik der Neubestellungen nachgelassen hat. Die hohe Zahl an ausstehenden Aufträgen stellt sicher, dass Airbus seine Hochlaufpläne mit hoher Sicherheit umsetzen kann.
Auch im Geschäftsbereich Airbus Helicopters waren die Nettoaufträge mit 306 Einheiten leicht rückläufig (gegenüber 308 in 2024), aber gut über die gesamte Produktpalette verteilt. Die Sparte Defense and Space verzeichnete ebenfalls einen Rückgang des Auftragseingangswertes von 11 Milliarden Euro im Vorjahr auf 6,8 Milliarden Euro im Berichtszeitraum. Experten sehen den Rückgang im Verteidigungsbereich jedoch als normale Schwankung in der Großprojektvergabe, die durch vereinzelte Mega-Deals im Vorjahr verzerrt war.
Starke Bilanz der Nicht-Flugzeugsparten
Die Helicopters- und Defense and Space-Sparten untermauerten die solide Gesamtleistung des Konzerns.
- Airbus Helicopters steigerte die Auslieferungen von 190 auf 218 Einheiten, was maßgeblich zum Umsatzwachstum von 16 Prozent beitrug. Das vielfältige Portfolio an Hubschraubern für den zivilen und militärischen Einsatzbereich bewährt sich weiterhin als stabiler Ertragsbringer.
- Airbus Defense and Space konnte den Umsatz sogar um 17 Prozent steigern. Dieser Anstieg ist ein Indikator für die verbesserte Abwicklung laufender Großprojekte und die gestiegene Nachfrage nach militärischen und Raumfahrttechnologien in Europa und weltweit. Die Fokussierung auf die termingerechte Fertigstellung komplexer Programme trägt maßgeblich zur Ergebnisverbesserung bei.
Ausblick und finanzielle Ziele
Der Ausblick von Airbus für das Gesamtjahr 2025 bleibt trotz der operativen Herausforderungen optimistisch. Die Unternehmensleitung stützt ihre Prognose auf die Annahme, dass es zu keinen weiteren größeren Störungen im globalen Handel, der Weltwirtschaft, dem Luftverkehr, der Lieferkette oder den internen Abläufen kommen wird.
Mit dieser Annahme beabsichtigt Airbus, die folgenden Schlüsselziele für 2025 zu erreichen:
- Rund 820 Auslieferungen von Verkehrsflugzeugen.
- Ein bereinigtes Ebit von etwa 7 Milliarden Euro.
- Ein freier Cashflow vor Kundenfinanzierung von etwa 4,5 Milliarden Euro.
Diese ehrgeizigen finanziellen Ziele betonen das Vertrauen des Managements in die Fähigkeit des Konzerns, die Produktionsengpässe zu bewältigen und die hohe Nachfrage auf dem globalen Luftverkehrsmarkt zu monetarisieren. Die starke Nachfragesituation nach neuen Flugzeugen bildet das Fundament für die gesamte Industrie und ermöglicht es Airbus, trotz der komplexen Produktionsbedingungen weiterhin mit Nachdruck zu planen.