Flughafen Linz (Foto: Michael David).
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Österreichische Flughäfen im Aufwind: Regionalflugverkehr boomt und Frachtgeschäft wächst überproportional

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Der österreichische Luftverkehrsmarkt hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 ein robustes Wachstum verzeichnet. Insgesamt wurden an den sechs österreichischen Verkehrsflughäfen (Wien, Salzburg, Graz, Linz, Innsbruck und Klagenfurt) rund 27,7 Millionen Passagiere gezählt, was einer Steigerung von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Noch dynamischer entwickelte sich das Frachtgeschäft, das um 4,9 Prozent auf rund 280.000 Tonnen zulegte.

Trotz des „Gegenwinds“, wie Norbert Draskovits, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) und Geschäftsführer des Linz Airport, festhielt, war der Sommer 2025 ein Rekord. Draskovits unterstrich die zentrale Bedeutung des Luftverkehrs als Standortfaktor und betonte, dass gerade die Regionalflughäfen die wirtschaftliche Erreichbarkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen sichern.

Die Zunahme der Passagierzahlen ging einher mit einem Anstieg der Flugbewegungen im Linien- und Charterverkehr, die um 3,1 Prozent auf insgesamt 212.781 Starts und Landungen zunahmen. Die Detailanalyse der Passagierentwicklung zeigt jedoch eine starke regionale Spreizung der Wachstumsraten, wobei insbesondere die kleineren Regionalflughäfen signifikante Zuwächse verzeichneten.

Regionale Wachstumszentren: Linz und Klagenfurt an der Spitze

Die Passagierentwicklung an den einzelnen Standorten verlief in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 äußerst unterschiedlich. Während der Flughafen Wien als größtes Drehkreuz ein solides Wachstum verzeichnete, zeigten die Regionalflughäfen Linz und Klagenfurt eine explosionsartige Zunahme des Passagieraufkommens:

  • Linz Airport (LNZ): Verzeichnete mit einem Anstieg von 53,2 Prozent auf 227.532 Passagiere das mit Abstand stärkste Wachstum. Dieser Zuwachs ist auf eine erweiterte Streckenpalette und die Ansiedlung neuer Fluggesellschaften zurückzuführen, die die Nachfrage im oberösterreichischen Zentralraum bedienen. Die Zahl der Flugbewegungen stieg hier um 51,4 Prozent auf 3.832.
  • Klagenfurt Airport (KLU): Steigerte sein Passagieraufkommen um beeindruckende 32,3 Prozent auf 144.388 Flugreisende. Auch hier stützen neue Verbindungen und eine höhere Frequenz auf bestehenden Routen die positive Entwicklung. Die Flugbewegungen nahmen um 25,2 Prozent auf 1.674 zu.

Diese Zuwächse bei den kleineren Flughäfen werden in Branchenkreisen als klares Indiz für die steigende Bedeutung der Direktverbindungen und die gezielte touristische Erschließung der jeweiligen Regionen gewertet. Die Regionalflughäfen agieren oft als wichtige Einfallstore für den regionalen Tourismus und als Anbindungspunkte für Geschäftsreisende in wirtschaftsstarke Regionen außerhalb des Hauptdrehkreuzes Wien.

Wien als Stabilitätsanker und der gemischte Trend im Westen

Der Flughafen Wien (VIE), der weitaus größte Verkehrsflughafen Österreichs und wichtiges europäisches Drehkreuz, verbuchte mit 24.572.482 Passagieren ein Plus von 1,9 Prozent. Wien, das etwa 88 Prozent des gesamten Passagieraufkommens in Österreich abwickelt, bildet den Stabilitätsanker des österreichischen Luftverkehrs. Die solide Wachstumsrate spiegelt die anhaltend hohe Reisetätigkeit auf Langstrecken und die starke Verflechtung der österreichischen Wirtschaft mit globalen Märkten wider.

Im Gegensatz zu den deutlichen Zuwächsen im Osten und Süden Österreichs verzeichneten die Flughäfen in den westlichen Bundesländern einen leichten Rückgang oder stagnierten:

  • Flughafen Salzburg (SZG): Verzeichnete einen leichten Rückgang von 1,4 Prozent auf 1.401.371 Passagiere. Salzburg ist traditionell stark vom saisonalen Wintertourismus abhängig. Die geringeren Zahlen in den ersten neun Monaten könnten auf eine schwächere Frühjahrs- und Sommersaison oder eine Verschiebung der Reisezeitpunkte hindeuten.
  • Flughafen Graz (GRZ): Musste einen leichten Rückgang von 0,7 Prozent auf 638.514 Flugreisende hinnehmen. Obwohl die Zahl der Flugbewegungen leicht um 0,4 Prozent zunahm, spiegelt der Passagierrückgang einen intensiveren Wettbewerb mit umliegenden Flughäfen oder eine verminderte Nachfrage im Einzugsgebiet der Steiermark wider.
  • Flughafen Innsbruck (INN): Hielt das Passagieraufkommen mit einem Plus von 2,9 Prozent auf 739.135 Passagiere stabil, wobei dieser Flughafen stark vom Winter-Charterverkehr und von der alpinen Tourismusbranche profitiert.

Frachtgeschäft als Indikator für Standortstärke

Die überproportionale Steigerung des Frachtaufkommens um 4,9 Prozent auf 279.470 Tonnen ist ein wichtiger Indikator für die Erholung und Stärke des österreichischen Außenhandels. Die Luftfracht, die oft hochwertige und zeitsensible Güter transportiert, ist ein direktes Barometer für die globale Verflechtung von Industrie und Handel. Die Zuwächse zeigen, dass die österreichischen Flughäfen in der Lage sind, ihre logistische Rolle in den internationalen Lieferketten zu festigen und auszubauen.

Das Frachtwachstum wird maßgeblich durch den Flughafen Wien getragen, der als zentrales Fracht-Drehkreuz dient. Der Anstieg des Frachtvolumens in den ersten drei Quartalen 2025 signalisiert eine positive Dynamik, die über den reinen Passagierverkehr hinausgeht und die umfassende Bedeutung der Flughäfen für die gesamte nationale Logistikinfrastruktur unterstreicht.

Die Rolle der AÖV und der länderübergreifende Austausch

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV), die seit 1956 die Interessen der Bundesländer-Flughäfen vertritt, spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung der gemeinsamen Anliegen. Die Mitglieder – die Flughäfen Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien – nutzen die AÖV als Plattform für den Know-how-Austausch zu betrieblichen Abläufen und zur Vertretung ihrer Interessen bei nationalen und internationalen Entscheidungen.

Die intensive Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf den länderübergreifenden Austausch mit den Schwesterverbänden in Deutschland (ADV – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) und der Schweiz (SIAA – Swiss International Airports Association). Dieser Austausch ist entscheidend, um Best Practices im operativen Management zu übernehmen und die Position der Flughäfen im europäischen Luftverkehrsnetzwerk zu stärken. Die aktuellen Zahlen bestätigen die Aussage von AÖV-Präsident Draskovits: Der Luftverkehr ist ein zentraler Standortfaktor für Österreich. Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage und der signifikanten Wachstumsraten bei den Regionalflughäfen ist die gezielte Weiterentwicklung und Sicherung der Erreichbarkeit aller Regionen ein Schlüssel für die zukünftige wirtschaftliche Prosperität.

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