Boeing 737-800, betrieben von Buzz (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Ryanair erhöht Passagierprognose dank verbesserter Boeing-Lieferungen

Werbung

Der europäische Billigflugriese Ryanair blickt trotz der andauernden Herausforderungen im globalen Luftverkehrsmarkt und der angespannten Beziehung zu seinem Hauptflugzeughersteller Boeing wieder optimistischer in die Zukunft. Konzernchef Michael O’Leary hat in Dublin bekannt gegeben, dass das Unternehmen seine Passagierprognose für das Geschäftsjahr bis Ende März 2026 auf 207 Millionen Fluggäste anhebt.

Dies entspricht einer Steigerung von über drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt eine Million über den bisherigen Erwartungen. Die Korrektur nach oben ist eng verknüpft mit der Aussicht auf die verbesserte Auslieferung neuer Jets durch den US-amerikanischen Flugzeughersteller Boeing, dessen Produktionsprobleme Ryanairs Wachstumspläne in den vergangenen Jahren wiederholt ausgebremst hatten.

Die optimistischere Passagierprognose stützt sich auf eine robuste Geschäftsentwicklung, insbesondere im wichtigen zweiten Geschäftsquartal (Juli bis September), der stärksten Reisezeit des Jahres. Ryanair verzeichnete in dieser Periode deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Dennoch sieht sich die Fluggesellschaft weiterhin mit Unsicherheiten konfrontiert, die eine definitive Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr aus Sicht des Managements derzeit nicht zulassen.

Kerngeschäft floriert: Quartalszahlen zeigen deutliche Zuwächse

Die kürzlich vorgelegten Quartalszahlen des irischen Unternehmens untermauern die starke Marktposition von Ryanair im europäischen Luftverkehrsraum. Im zweiten Geschäftsquartal, das die Hauptreisezeit des Sommers umfasst, stieg die Zahl der beförderten Fluggäste im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 61,2 Millionen. Noch eindrucksvoller entwickelte sich der Umsatz: Er legte um acht Prozent auf knapp 5,5 Milliarden Euro zu.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rentabilität. Der Überschuss, also der Nettogewinn des Konzerns, erlebte in diesem Zeitraum einen deutlichen Sprung und stieg um ein Fünftel auf gut 1,7 Milliarden Euro. Dieser Gewinnsprung wurde unter anderem durch eine Erholung der Ticketpreise ermöglicht, die laut Aussage von Michael O’Leary wieder das Niveau des Sommers 2023 erreichten. Dies steht im Kontrast zum vorangegangenen Sommerquartal, in dem die Durchschnittspreise noch um sieben Prozent gesunken waren. Die Fähigkeit, in einem preissensiblen Markt höhere Tarife durchzusetzen, unterstreicht die starke Nachfrage im Segment des Niedrigpreisanbieters und die anhaltende Konsolidierung des europäischen Luftverkehrsmarktes.

Die Boeing-Achillesferse: Kampf um neue Flugzeuge

Die strategische Ausrichtung von Ryanair ist untrennbar mit dem Flugzeughersteller Boeing verbunden. Die Flotte des Konzerns besteht nahezu ausschließlich aus Modellen des US-Herstellers, darunter die neuen, größeren Boeing 737-8200 „Gamechanger“-Jets. Diese Flugzeuge sind ein zentraler Pfeiler der Expansionspläne, da sie höhere Sitzplatzkapazitäten bei geringerem Treibstoffverbrauch bieten sollen. Entsprechend schwerwiegend waren die wiederholten Lieferverzögerungen, die Ryanair in den letzten Jahren hinnehmen musste.

Konzernchef O’Leary hatte in der Vergangenheit aufgrund der anhaltenden Produktions- und Qualitätsprobleme bei Boeing, insbesondere im Zusammenhang mit der 737 Max-Familie, seine Wachstumspläne mehrmals revidieren müssen. Medienberichten zufolge äußerte sich O’Leary im Angesicht der anhaltenden Schwierigkeiten, die unter anderem auf Fertigungsfehler und damit verbundene behördliche Inspektionen zurückzuführen waren, äußerst kritisch gegenüber dem Management in Seattle und sprach von einer „Shitshow“. Die Verzögerungen betrafen nicht nur die aktuellen Modelle, sondern auch die für das weitere Wachstum essenzielle längere Version 737 Max 10, deren Zulassung ebenfalls auf sich warten lässt.

Jede Verzögerung bei der Auslieferung neuer Maschinen bedeutet für Ryanair entgangenes Wachstum, da die Flotte nicht wie geplant erweitert werden kann, um neue Strecken zu bedienen oder Frequenzen zu erhöhen. Dies führte bereits zu Kürzungen im Sommerflugplan und, nach Einschätzung von Marktbeobachtern, zu einer potenziellen Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften europäischen Markt. Die nun angehobene Passagierprognose deutet darauf hin, dass Ryanair eine gewisse Entspannung bei den Flugzeuglieferungen erwartet, was dem Unternehmen den Spielraum für die ursprünglich angestrebte Expansion zurückgibt.

Wettbewerb und Marktumfeld: Der Vorteil des Kostendiktats

Ryanair agiert in einem Markt, der durch starke Konkurrenz geprägt ist. Europaweit ist der Anteil der Low-Cost-Flüge am Gesamtpassagieraufkommen signifikant. Neben Ryanair zählen Unternehmen wie Easyjet und Wizz Air zu den führenden Billigfluggesellschaften auf dem Kontinent, wobei Ryanair in Bezug auf die operativen Kosten pro Sitzkilometer in der Branche eine Spitzenstellung einnimmt.

Marktanalysen zeigen, dass der europäische Markt nach den tiefen Einschnitten der vergangenen Jahre insgesamt wieder gewachsen ist, wenn auch die Zahl der Flüge weltweit noch unter dem Vorkrisenniveau liegt. Die Billigfluggesellschaften, darunter Ryanair, haben sich dabei als feste und dominante Größe im globalen Luftverkehr etabliert. Im Vergleich der Margen europäischer Fluggesellschaften, einem Schlüsselindikator für die Rentabilität, konnte Ryanair eine solide Leistung zeigen, wenngleich die Marge branchenweit unter Druck stand. Die operative Kostenstruktur ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil von Ryanair. Trotz gestiegener Betriebskosten, die beispielsweise auf höhere Personalkosten und Flughafengebühren zurückzuführen sind, gelingt es dem Unternehmen, durch konsequentes Kostenmanagement und die Nutzung von Skaleneffekten, seinen Kostenvorsprung gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Auch die geschickte Absicherung gegen steigende Treibstoffpreise (Fuel Hedging) hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass das Unternehmen höhere Gewinne erzielen konnte. Die angehobene Passagierprognose festigt die Marktführerschaft von Ryanair und signalisiert, dass das Unternehmen bereit ist, die aus den Boeing-Lieferungen resultierenden Kapazitäten umgehend in Marktwachstum umzusetzen. Die ausbleibende Gewinnprognose, trotz der positiven Quartalsergebnisse, spiegelt allerdings die anhaltenden Unsicherheiten bei den Betriebskosten und der Flugzeugverfügbarkeit wider.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung