Wizz Air, Ryanair und Iberia am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Kostenlawine in der britischen Luftfahrt: Ryanair und Wizz Air drohen mit Abzug von Flugzeugen

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Die großen europäischen Billigfluggesellschaften Ryanair und Wizz Air haben übereinstimmend vor den steigenden Betriebskosten in Großbritannien gewarnt und signalisieren die Bereitschaft, ihren Flugbetrieb auf dem Inselstaat massiv zu reduzieren. Auslöser der Besorgnis sind die im Haushaltsplan angekündigten Erhöhungen der Flugsteuern und Flughafenentgelte. Beide Fluggesellschaften befürchten, dass diese Kostensteigerungen die Rentabilität des britischen Marktes untergraben und sie dazu zwingen könnten, Flugzeuge in kostengünstigere Länder zu verlagern.

Im Zentrum der Kritik steht die Air Passenger Duty (APD), eine Abflugsteuer, deren Sätze die britische Regierung im Rahmen des Herbstbudgets 2024 angekündigt hatte, ab April 2026 erneut anzuheben. Obwohl die Regierung die Erhöhung mit der notwendigen Anpassung an die Inflation begründete, sehen Airlines und Flughafenbetreiber darin eine direkte Bedrohung für das Wachstum der britischen Luftfahrt und ihre globale Wettbewerbsfähigkeit. Die bereits jetzt zu den höchsten der Welt zählende APD, die von Fluggesellschaften für jeden Passagier beim Abflug von einem britischen oder der Isle of Man Flughafen entrichtet werden muss, wird die Tarife weiter nach oben treiben und die Nachfrage dämpfen.

Die Belastung durch die Air Passenger Duty

Die APD wird in Abhängigkeit von der Flugdistanz und der Reiseklasse erhoben. Die geplante Anhebung ab April 2026 sieht vor, dass Passagiere für die günstigsten Tickets im Vergleich zu den aktuellen Sätzen rund 2 britische Pfund mehr zahlen müssen. Die Gebühren für private Jets steigen sogar um bis zu 50 Prozent.

Trotz der bereits am 1. April 2025 in Kraft getretenen ersten Erhöhung der APD, durch die Passagiere der niedrigsten Klasse auf Kurzstreckenflügen etwa 13 Pfund und auf Langstreckenflügen bis zu 94 Pfund zahlen, setzen die weiteren Erhöhungen ab 2026 die Fluggesellschaften zusätzlich unter Druck. Die Tarife für höhere Reiseklassen sind bereits deutlich höher und reichen bis zu 673 Pfund pro Passagier für Premium-Flüge über 5.500 Meilen.

Die Fluggesellschaften betonen, dass sie diese Kosten nur begrenzt absorbieren können, insbesondere im hart umkämpften Billigflugsegment. Ryanair gehörte zu den ersten, die nach der Budgetankündigung warnten, dass höhere Flugsteuern das Land zu einem weniger attraktiven Markt für Tourismus und Airline-Investitionen machen würden. Ryanair-Chef Michael O’Leary stellte unmissverständlich klar: „Wenn [das Vereinigte Königreich] die APD für Inlandsflüge erneut erhöht, wird es unweigerlich zu einer Kürzung der Kapazitäten kommen. Diese Strecken sind nicht besonders profitabel; sie decken kaum die Kosten.“ Die Folge seien höhere Flugpreise, weniger Flüge und potenzieller Stellenabbau, der besonders die regionalen und nationalen Verbindungen treffe.

Der Dominoeffekt von Abgaben und Entgelten

Die Sorgen der Fluggesellschaften werden durch zusätzliche Belastungen verstärkt. Neben der APD stellen auch steigende Flughafenentgelte und die allgemeinen Betriebskosten eine wachsende Herausforderung dar.

Wizz Air Chief Operations Officer Michael Delehant warnte im Gespräch mit der Financial Times, dass der britische Markt „sehr wachstumsgehemmt“ werden könnte, da die Fluggesellschaften die höheren Kosten nicht einfach hinnehmen könnten. Er nannte London Gatwick, von wo Wizz Air operiert, als den teuersten Flughafen im gesamten Netzwerk der Airline. Delehant verwies auf den Rückzug von Wizz Air aus Wien, bei dem Flugzeuge zum kostengünstigeren Flughafen Bratislava in der Slowakei verlagert wurden, als Beweis dafür, dass die Fluggesellschaften schnell handeln, wenn die Kosten untragbar werden. „Wenn man sich am preissensiblen Ende der Kette befindet, muss man handeln und kann höhere Preise nicht einfach akzeptieren.“

Diese Drohung ist nicht unbegründet, da Ryanair in jüngster Zeit ähnliche Kapazitätskürzungen in anderen europäischen Märkten vorgenommen hat, die ebenfalls auf überhöhte Zugangsgebühren und Steuern zurückzuführen sind:

  • In Deutschland hat Ryanair als Reaktion auf eine Erhöhung der nationalen Luftverkehrsabgabe um 24 Prozent über 800.000 Sitze gestrichen und 24 Routen an neun Flughäfen eingestellt.
  • In Frankreich wurde die Kapazität für den Winter 2025/26 um etwa 13 Prozent bzw. 750.000 Sitze und 25 Routen reduziert, nachdem die französische Luftfahrtsteuer TSBA erhöht wurde.
  • In Spanien wurden zwei Millionen Sitze reduziert und der Betrieb an den Flughäfen Jerez und Valladolid wegen angeblich überhöhter Gebühren des Flughafenbetreibers Aena eingestellt.
  • In Lettland kürzt Ryanair seine Kapazität in Riga um 160.000 Sitze und streicht sieben Routen aufgrund von „unwettbewerbsfähigen Flughafenkosten“.

Die Verlagerung von Wachstumskapazitäten

Die Warnungen der Billigfluggesellschaften sind besonders relevant, da sie über große Flugzeugbestellungen verfügen, deren Einsatzort flexibel ist. Ryanair hat rund 300 neue Flugzeuge bestellt und plant, diese dort einzusetzen, wo die profitabelsten Routen erwartet werden. Wenn die britischen Abgaben und Gebühren weiter steigen, könnten Wachstumskapazitäten, die ursprünglich für Großbritannien vorgesehen waren, in günstigere Märkte umgeleitet werden.

Als Beispiel für eine solche Verlagerung nannte Ryanair die bereits erfolgte Kürzung von Diensten im englischen Newquay zugunsten von Schweden, wo die Luftverkehrsabgabe abgeschafft wurde. Die Logik des Billigfluggeschäfts sieht vor, dass Flugzeuge als mobile Wirtschaftsgüter dorthin verschoben werden, wo die Betriebskosten am niedrigsten sind und somit die höchsten Renditen erzielt werden können.

Darüber hinaus warnte London Gatwick Airport, dass die steigenden Gewerbesteuern künftige Investitionen, einschließlich der Pläne für eine zweite Start- und Landebahn, gefährden könnten. Dies verdeutlicht, dass die Kostenproblematik nicht nur die Fluggesellschaften, sondern die gesamte Luftverkehrsinfrastruktur des Vereinigten Königreichs betrifft. Branchenschätzungen zufolge unterstützt jedes im Land stationierte Flugzeug etwa 400 Arbeitsplätze und generiert jährlich etwa 27 Millionen Pfund für die Wirtschaft. Die Reduzierung des Flugbetriebs aufgrund höherer Kosten hätte somit umfassende negative Auswirkungen auf die nationale Wirtschaftsleistung. Die Konvergenz steigender Steuern und steigender Zugangsgebühren signalisiert eine erhebliche Belastung der Wettbewerbsfähigkeit des britischen Luftverkehrs. Die strategische Drohung der großen Billigfluggesellschaften, Kapazitäten abzuziehen, setzt die britische Regierung unter Druck, ihre Politik der Abgabenerhöhung im Lichte der drohenden negativen Folgen für die Erreichbarkeit und die Wirtschaft zu überdenken.

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