Der Luftfahrtkonzern Air France-KLM hat im ertragsstarken dritten Quartal des Jahres 2025 zwar ein Umsatzwachstum verzeichnet, jedoch die Erwartungen der Analysten beim operativen Gewinn verfehlt. Streiks der Fluglotsen in Frankreich sowie des Bodenpersonals in den Niederlanden und die gestiegene Belastung durch höhere Ticketsteuern im niederländischen Markt bremsten den Gewinnsprung.
Der Konzern verzeichnete im Sommer zwar einen Umsatzanstieg um knapp drei Prozent auf 9,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal, der Nettogewinn sank jedoch um sechs Prozent auf 730 Millionen Euro. Das operative Tagesgeschäft litt ebenfalls unter den Widrigkeiten und wuchs nur moderat um zwei Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Ergebnisse unterstreichen die anhaltende Volatilität des Luftfahrtsektors, in dem externe Faktoren wie Arbeitskämpfe und staatliche Abgaben die finanzielle Performance direkt beeinflussen.
Externe Belastungen schmälern Gewinnaussichten
Konzernchef Ben Smith hob hervor, dass sich das Geschäft mit Premium-Tickets – insbesondere die Business und First Class sowohl bei der französischen Air France als auch bei der niederländischen KLM – weiterhin robust entwickelt habe. Die hohe Nachfrage in diesen margenstarken Segmenten konnte jedoch die negativen Auswirkungen externer Schocks nicht vollständig kompensieren.
Air France-KLM bezifferte die finanzielle Belastung, die unmittelbar aus den Arbeitskämpfen resultierte, auf rund 50 Millionen Euro. Dazu zählten in Frankreich ein Streik der Fluglotsen und in den Niederlanden zwei separate Ausstände des Bodenpersonals bei KLM. Streiks in der Luftfahrt führen typischerweise zu massiven Flugausfällen, Verspätungen und erhöhten Kosten für Umbuchungen sowie Passagierentschädigungen. Berichten zufolge kostet ein Streiktag einen Luftfahrtriesen wie Air France-KLM schnell einen zweistelligen Millionenbetrag, was die kalkulierte Belastung von 50 Millionen Euro als einen signifikanten Dämpfer der Quartalsbilanz bestätigt.
Steuerpolitik und Gebührenerhöhungen treffen Billigflugsparte
Besondere Herausforderungen stellten sich für die konzerneigene Billigfluggesellschaft Transavia, die durch eine Kombination aus gestiegenen Entgelten am Flughafen Amsterdam und einer erhöhten nationalen Ticketsteuer in den Niederlanden unter Druck geriet. Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren die Luftverkehrsabgabe drastisch erhöht. Bereits 2023 stieg die Fluggaststeuer von einem einstelligen auf einen zweistelligen Eurobetrag pro Ticket, um höhere Einnahmen zu erzielen und Reisende zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel zu bewegen.
Diese erhöhte Abgabenlast, kombiniert mit den erhöhten Flughafengebühren am Drehkreuz Amsterdam Schiphol, welche die Betreibergesellschaft in den kommenden Jahren schrittweise um über 30 Prozent anheben will, um pandemiebedingte Verluste und notwendige Infrastrukturinvestitionen zu decken, macht den Standort Amsterdam für preissensible Kunden unattraktiver.
Die Konsequenz für Transavia ist spürbar: Ein Teil der Kunden weicht Berichten zufolge auf Flughäfen in Deutschland aus, die aufgrund unterschiedlicher nationaler Steuerstrukturen und Flughafengebühren möglicherweise günstigere Startpunkte für Günstigflüge nach Südeuropa bieten. Diese Abwanderung von Passagieren schwächt Transavias Wettbewerbsposition im Heimatmarkt und untergräbt die beabsichtigte Kapazitätsausweitung des Konzerns in diesem Segment.
Dämpfung der Nachfrage durch Wetterextreme
Zu den von Menschen verursachten Störungen gesellte sich im Sommer 2025 eine ungewöhnliche Wettersituation. Ein außergewöhnlich heißer Sommer in wichtigen Quellmärkten wie Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden dämpfte die Nachfrage nach Reisen in die typischen südeuropäischen Urlaubsregionen. Hitzewellen, die in vielen Regionen Südeuropas zu extremen Temperaturen führten, veranlassten Konsumenten möglicherweise, ihre Reisepläne zu überdenken oder auf weniger heiße Ziele auszuweichen, was die Buchungszahlen für die lukrativen Sommerrouten beeinträchtigte. Obwohl dieser Faktor nicht quantifiziert wurde, trug er zur allgemeinen Belastung des Sommergeschäfts bei.
Strategische Ausrichtung und Zukunftsausblick
Trotz der im dritten Quartal erlittenen Rückschläge hält Konzernchef Smith an den Expansionsplänen fest. Für das laufende Geschäftsjahr plant der Konzern weiterhin eine Steigerung des Sitzplatzangebots um vier bis fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieses geplante Wachstum signalisiert das Vertrauen des Managements in die mittel- und langfristige Erholung der Reisetätigkeit und die fortlaufende Stärke der Premiumsegmente.
Analysten wiesen darauf hin, dass die Konsensschätzungen für das operative Ergebnis von Air France-KLM möglicherweise zu optimistisch gewesen seien. Obwohl der Konzern ein solides Wachstum in einem herausfordernden Umfeld demonstrierte, wirkte sich die Kumulation von Streikfolgen, staatlicher Besteuerung und steigenden Betriebskosten am Hauptdrehkreuz Amsterdam negativ auf die Margen aus. Die Aktien des Unternehmens reagierten auf die veröffentlichten Zahlen mit deutlichen Kursverlusten, was die Enttäuschung der Finanzmärkte über das verfehlte operative Ziel widerspiegelte.
Die Luftfahrtbranche insgesamt steht vor der Herausforderung, steigende Kosten, insbesondere durch externe Faktoren wie Lohnforderungen und staatliche Abgaben, effektiv zu managen. Für Air France-KLM wird die zukünftige Profitabilität stark davon abhängen, wie erfolgreich es dem Management gelingt, die Margen im Premiumsegment weiter zu sichern und gleichzeitig die Kostennachteile der Tochtergesellschaft Transavia, die durch die regulatorischen und fiskalischen Entscheidungen der niederländischen Regierung entstehen, abzumildern oder durch Kapazitätsverlagerungen zu umgehen. Die Balance zwischen Wachstum, Kostenkontrolle und dem Umgang mit Arbeitskonflikten bleibt die zentrale Aufgabe des französisch-niederländischen Luftfahrtriesen.