American Airlines am Flughafen Chicago O'Hare (Foto: Unsplashed/Miguel Ángel Sanz).
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Flugchaos durch Haushaltsstreit: FAA begrenzt Flugverkehr an 40 US-Flughäfen

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Der anhaltende Haushaltsstreit im US-Kongress hat direkte und tiefgreifende Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr der Vereinigten Staaten. Aufgrund massiver Personalengpässe in der Flugsicherung hat die US-Luftfahrtaufsicht (FAA) am Donnerstag eine kurzfristig anberaumte Begrenzung des Flugverkehrs angekündigt, die ab Freitag in Kraft tritt. An 40 der verkehrsreichsten Flughäfen des Landes müssen Fluggesellschaften ihre Flugkapazitäten zunächst um vier Prozent reduzieren.

Ab dem 14. November 2025 soll die Entlastung des Flugsicherungssystems sogar auf zehn Prozent steigen. Die drastischen Maßnahmen sind eine direkte Konsequenz des sogenannten „Government Shutdowns“, der seit nunmehr 38 Tagen anhält und dazu führt, dass Bundesbedienstete, einschließlich der Fluglotsen, kein Gehalt mehr erhalten. Die FAA reagiert damit auf eine alarmierende Situation in einigen Flugsicherungszentren entlang der US-Ostküste, wo Krankenstände von bis zu 80 Prozent gemeldet werden. Während internationale Flüge und der Interkontverkehr vorerst von den Kürzungen ausgenommen sind, müssen sich Millionen von Passagieren im Inland auf erhebliche Verspätungen und Flugausfälle einstellen.

Der Shutdown als Ursache des Flugchaos

Die Wurzel des aktuellen Chaos im US-Luftverkehr liegt in der politischen Blockade im US-Kongress. Da sich Republikaner und Demokraten nicht auf einen Bundeshaushalt einigen konnten, trat am 1. Oktober 2025 ein „Government Shutdown“ in Kraft – der längste in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Dies bedeutet, dass zahlreiche Bundesbehörden ihre nicht essenziellen Tätigkeiten einstellen müssen und Hunderttausende von Bundesbediensteten, darunter die Fluglotsen der FAA und die Sicherheitsmitarbeiter der Transport Security Administration (TSA), in den Zwangsurlaub geschickt werden oder ohne Bezahlung arbeiten müssen.

Obwohl Fluglotsen als unverzichtbare Arbeitskräfte gelten und zur Arbeit verpflichtet sind, erhalten sie während des Shutdowns kein Gehalt. Für die Fluglotsen bedeutet der aktuelle Stillstand bereits den zweiten Gehaltsausfall in Folge. Der finanzielle Druck auf diese Fachkräfte ist enorm. US-Medien und Verkehrsminister Sean Duffy berichten, dass viele Fluglotsen gezwungen sind, Nebenjobs anzunehmen, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken, was ihre Verfügbarkeit und Konzentration im Dienst beeinträchtigt.

Der anhaltende finanzielle Engpass führt zu einer hohen Zahl von Krankmeldungen. Die FAA meldete, dass insbesondere Flugsicherungszentren entlang der US-Ostküste, die für die Koordination des dichtesten Luftverkehrs in den USA zuständig sind, von drastischen Fehlzeiten betroffen sind – in einigen Fällen von bis zu 80 Prozent. Die US-Flugsicherung leidet ohnehin seit Längerem unter einem chronischen Personalmangel; Schätzungen zufolge fehlen landesweit rund 3.000 Fluglotsen. Die massiven Ausfälle führen dazu, dass die FAA die Arbeitsabläufe verlangsamen muss, um die Einhaltung der Sicherheitsstandards zu gewährleisten, was wiederum zu erhöhten Verspätungen im gesamten Streckennetz führt.

Die drastischen Einschnitte im Inlandflugverkehr

Angesichts der kritischen Personalsituation sah sich die FAA gezwungen, drastische Kapazitätskürzungen anzuordnen, um die Sicherheit des US-Luftraums zu gewährleisten. Verkehrsminister Duffy betonte, dass die alleinige Aufgabe der Behörde darin bestehe, den Luftraum so sicher wie möglich zu halten, und dass die Kürzungen auf Basis von Daten über die größten Engpässe beschlossen wurden.

Die Begrenzungen betreffen zunächst 40 der verkehrsreichsten Flughäfen quer über die Vereinigten Staaten und sind ab Freitag gültig. Zu den betroffenen Flughäfen, die die FAA und das US-Verkehrsministerium namentlich nannten, gehören wichtige Drehkreuze aller großen US-Fluggesellschaften:

  • Nordosten: New York-JFK, New York LaGuardia, Newark Liberty International (New Jersey), Boston-Logan.
  • Mittlerer Westen: Chicago O’Hare, Chicago Midway, Detroit, Minneapolis/St. Paul.
  • Süden: Hartsfield-Jackson Atlanta, Dallas-Fort Worth, Houston Intercontinental, Miami International.
  • Westküste: Los Angeles International, San Francisco International, Denver.

Die Kürzungen erfolgen in zwei Stufen: Zunächst müssen die Fluggesellschaften an den 40 Flughäfen vier Prozent ihrer geplanten Flüge streichen. Ab dem 14. November wird die Reduktion auf zehn Prozent der Kapazität erhöht. Angesichts von durchschnittlich über 44.000 Flügen pro Tag im US-Luftraum wird die Maßnahme Tausende von Inlandsflügen betreffen. Die Kapazitätskürzungen zielen darauf ab, Puffer zu schaffen und die Fluglotsen an den überlasteten Zentren zu entlasten, um das Sicherheitsniveau aufrechtzuerhalten.

Die Reaktion der Fluggesellschaften

Die Fluggesellschaften in den USA sind von der kurzfristigen Anordnung hart getroffen, da die Kürzungen mitten in die Hochphase der Reisesaison um den Thanksgiving-Feiertag am 27. November fallen, der traditionell eine der größten Reisewellen des Jahres auslöst. Die Airlines müssen nun unter Hochdruck ihre Flugpläne überarbeiten und Passagiere umbuchen, wobei die Streichungen zunächst vor allem den Inlandsverkehr betreffen.

Die US-Fluggesellschaft United Airlines kündigte in einem internen Memo von Chef Scott Kirby an, dass sie ihre internationalen Flüge und die wichtigen Verbindungen zwischen ihren Hauptdrehkreuzen (Hub-zu-Hub-Verkehr) nicht streichen werde. Kirby erklärte, dass man betroffene Passagiere dank der im Winterflugplan ohnehin geringeren Auslastung der Flugzeuge auf alternative Flüge umbuchen könne.

Die großen internationalen Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa, erwarten vorerst keine direkten Beeinträchtigungen im Transatlantikverkehr. Lufthansa teilte mit, dass sie die Situation sehr genau beobachte und in engem Kontakt mit den US-Behörden stehe, da die Einschränkungen zunächst nur den Inlandsflugverkehr beträfen. Die Auswirkung auf Umsteigepassagiere, die aus Europa kommen und an einem der betroffenen US-Drehkreuze auf einen Inlandsflug umsteigen müssen, könnte jedoch erheblich sein. Verzögerungen im Inlandsnetz können sich aufgrund der Komplexität der Flugpläne, bei denen Flugzeuge und Crews in komplexen Rotationen eingesetzt werden, auf das gesamte Netzwerk auswirken.

Historische Parallelen und wirtschaftliche Folgen

Die aktuelle Situation erinnert an den Shutdown von 2018/2019, dem damals längsten in der US-Geschichte, der ebenfalls zu massiven Flugausfällen und langen Wartezeiten an der Ostküste führte. Auch damals waren vermehrte Krankmeldungen von Fluglotsen und TSA-Mitarbeitern ein entscheidender Faktor, der letztlich zum Ende der Haushaltssperre beitrug.

Der anhaltende Shutdown hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf den Luftverkehr, sondern belastet die gesamte US-Wirtschaft. Die Vereinigung der US-Fluggesellschaften (A4A) hatte bereits vor den drastischen Kürzungen vor einem deutlichen Einbruch der Buchungen gewarnt, da Reisende verunsichert seien. Die fehlenden Gehaltszahlungen führen zu einer gedrosselten Kaufkraft der Bundesbediensteten, was sich negativ auf die Konsumlaune im ganzen Land auswirkt. Medienberichten zufolge sind neben den Fluglotsen und TSA-Mitarbeitern auch Tausende von Beschäftigten der Atomwaffensicherheitsbehörde oder der Nationalparks vom Zwangsurlaub betroffen, während die Bearbeitung von Visa- und anderen behördlichen Anträgen nur verzögert erfolgt.

Die nun angeordnete Flugbegrenzung ist ein drastisches, aber notwendiges Manöver der FAA, um die Sicherheitsstandards im US-Luftraum zu sichern. Es erhöht jedoch den politischen Druck auf den Kongress, endlich eine Einigung im Haushaltsstreit zu erzielen. Sollte der Stillstand bis in die Weihnachtsfeiertage hineinreichen, wären die Auswirkungen auf den Reiseverkehr und die Wirtschaft noch verheerender.

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