Die Tui Group, einer der weltweit größten Reisekonzerne, hat ihre eigene Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich übertroffen. Das vorläufige bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um bemerkenswerte 12,6 Prozent und erreichte mehr als 1.459 Millionen Euro, berechnet zu konstanten Wechselkursen. Dieses Ergebnis liegt über der im August angehobenen Wachstumserwartung, die einen Anstieg von neun bis elf Prozent vorsah. Gleichzeitig verzeichnete der Konzernumsatz einen Zuwachs von 4,4 Prozent auf 24.185 Millionen Euro zu konstanten Wechselkursen.
Die überzeugenden Geschäftszahlen signalisieren die Robustheit des integrierten Geschäftsmodells der Tui Group und unterstreichen die erfolgreiche Fokussierung auf die Bereiche Hotels & Resorts sowie Kreuzfahrten. CEO Sebastian Ebel betonte in einer ersten Stellungnahme, dass die strategische Neuausrichtung des Konzerns sich bezahlt mache und das Unternehmen auf einem soliden Wachstumspfad sei. Die endgültigen, testierten Zahlenwerke werden am 10. Dezember 2025 veröffentlicht.
Wachstumstreiber: Hotels und Kreuzfahrten im Fokus
Das Kerngeschäft der Tui Group, das traditionell von den Veranstaltersparten dominiert wurde, hat eine strategische Verschiebung erfahren, die sich nun massiv in den Ergebnissen niederschlägt. Die Bereiche Hotels & Resorts sowie Kreuzfahrten erwiesen sich als die zentralen Wachstumstreiber und Motor für die signifikante EBIT-Steigerung.
Hotels & Resorts:
Das Segment der konzerneigenen Hotels, zu dem Marken wie Riu, Tui Magic Life und Robinson gehören, hat überproportional zum Ergebnis beigetragen. Die Strategie der Tui, die Wertschöpfungskette durch den Besitz und das Management eigener Hotels zu verlängern, zahlt sich aus. Hohe Auslastungsraten und eine verbesserte Preisdurchsetzung in beliebten Zielgebieten, insbesondere rund um das Mittelmeer und auf der Langstrecke, sorgten für gesteigerte Margen. Die eigene Hotelsparte bietet dem Konzern nicht nur höhere Gewinnspannen, sondern auch eine bessere Kontrolle über das Produkt und das Kundenerlebnis, was die Markentreue stärkt.
Kreuzfahrtgeschäft:
Auch das Kreuzfahrtgeschäft, das in den Marken Tui Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und Marella Cruises gebündelt ist, verzeichnete eine starke Performance. Die Kreuzfahrtbranche hat sich nach den globalen Turbulenzen außergewöhnlich schnell erholt und profitiert von einer hohen Nachfrage nach Urlaub auf dem Wasser. Die Flottenauslastung erreichte wieder Vorkrisenniveaus, während gleichzeitig höhere Durchschnittspreise pro Passagier erzielt werden konnten. Die Investitionen in die Schiffsflotte, insbesondere in das Premiumsegment, scheinen sich rentiert zu haben und stellen einen wichtigen Pfeiler für die zukünftige Ertragsgenerierung dar.
Strategische Neuausrichtung als Erfolgskonzept
CEO Sebastian Ebel hob die Bedeutung der strategischen Ausrichtung des Konzerns hervor. Die Tui verfolgt seit Jahren das Ziel, das Geschäft weniger von der volatilen Veranstalterschiene abhängig zu machen, die stark von externen Faktoren wie Wechselkursen, Treibstoffpreisen und geopolitischen Ereignissen beeinflusst wird. Stattdessen liegt der Fokus auf den integrierten Geschäftsbereichen – also dem Besitz eigener Hotels, Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge.
Dieses vertikal integrierte Geschäftsmodell ermöglicht es der Tui, einen größeren Teil der Wertschöpfungskette im Reiseprozess abzudecken. Dadurch kann der Konzern Reisepakete zu besseren Konditionen schnüren und die Margen im gesamten Prozess optimieren. Die Ergebnisse zeigen, dass dieses Modell widerstandsfähiger ist und eine stabilere Ertragsbasis schafft, selbst wenn die klassischen Veranstaltermärkte nur moderat wachsen. Das Wachstum des Gesamtumsatzes um 4,4 Prozent wird maßgeblich durch die höheren Umsätze pro Kunde in den Premium-Segmenten (Hotels und Kreuzfahrten) getragen.
Der Blick auf den Veranstaltermarkt und die Fluggesellschaft
Obwohl die Segmente Hotels und Kreuzfahrten die Haupttreiber sind, ist der Veranstalterbereich (Markets & Airlines) weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Dieser Bereich dient als massiver Vertriebskanal, der die konzerneigenen Hotels und Schiffe füllt. Auch hier verzeichnete die Tui Group einen Zuwung an Buchungen und Passagierzahlen, wobei die Ertragssteigerung in diesem Segment in der Regel geringer ausfällt als in den Eigenmarken-Bereichen.
Die konzerneigene Fluggesellschaft Tui fly spielt eine entscheidende Rolle für das integrierte Modell, indem sie die Verfügbarkeit von Sitzplatzkapazitäten für die eigenen Reiseangebote sicherstellt und damit die Abhängigkeit von externen Airlines reduziert. Die Optimierung der Flugpläne und die effiziente Auslastung der Flugzeuge sind dabei entscheidend, um die Kosten in der Logistik zu kontrollieren und die Rentabilität des Gesamtpakets zu verbessern.
Kapitalmärkte und Zukunftsausblick
Die vorläufigen Geschäftszahlen werden an den Kapitalmärkten positiv aufgenommen, da sie zeigen, dass die Tui Group ihren Weg der finanziellen Erholung und des Schuldenabbaus konsequent fortsetzt. Die Überlieferung der eigenen Prognose sendet ein starkes Signal an Investoren über die operative Stärke und das Management des Unternehmens.
Für das kommende Geschäftsjahr wird allgemein erwartet, dass die Tui Group ihre Wachstumsstrategie fortsetzt. Dazu gehört die Erweiterung des Hotelportfolios durch den Zukauf oder die Errichtung neuer Anlagen in attraktiven Destinationen sowie die Modernisierung und der Ausbau der Kreuzfahrtflotte. Die Nachfrage nach Urlaubsreisen wird weiterhin als robust eingeschätzt, insbesondere im Segment der höherwertigen und individuell gestalteten Reisen, die Tui durch ihre integrierten Angebote bedient. Die Fähigkeit des Konzerns, das operative Geschäft flexibel an sich ändernde Verbraucherpräferenzen anzupassen, gilt als wesentlicher Faktor für den anhaltenden Geschäftserfolg. Die endgültige Veröffentlichung des Geschäftsberichts im Dezember wird weitere Details zur Entwicklung der einzelnen Märkte und zu den spezifischen Investitionen liefern.