Terminal 1A am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Österreichische Führungskräfte fordern Ausbau des Flughafens Wien und kritisieren Flugabgabe

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Der am 14. November 2025 veröffentlichte Österreichische Infrastrukturreport 2026 der Initiative Future Business Austria beleuchtet die strategische Bedeutung der Luftfahrtinfrastruktur für die heimische Wirtschaft und dokumentiert klare Forderungen von Spitzenmanagern. Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen die herausragende Rolle des Flughafens Wien als internationales Drehkreuz in Mitteleuropa. Eine überwältigende Mehrheit der befragten Führungskräfte bekräftigt, dass die Position des Flughafens Wien als zentraler Knotenpunkt des globalen Flugverkehrs gesichert und weiter ausgebaut werden müsse.

Konkret bestätigen 76 Prozent der Manager (eine Steigerung gegenüber 61 Prozent im Jahr 2024), dass der Flughafen Wien die Funktion eines internationalen Drehkreuzes innehat. Noch deutlicher ist mit 78 Prozent die Forderung nach der Sicherung und dem weiteren Ausbau dieser Drehkreuzfunktion. Dies spiegelt die Erkenntnis wider, dass eine leistungsfähige internationale Anbindung über den Luftweg ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft und die regionale Entwicklung ist. Gleichzeitig wird von den Managern die nationale Ticketsteuer, die sogenannte Flugabgabe, scharf kritisiert und als wesentliche Bremse für die Entwicklung des Luftverkehrsstandorts Österreich identifiziert.

Die zentrale Rolle des Flughafens Wien im globalen Netzwerk

Der Flughafen Wien hat sich in den letzten Jahrzehnten als unverzichtbarer Knotenpunkt für den Verkehr zwischen West- und Osteuropa sowie als wichtiges Tor zu Fernzielen, insbesondere in Asien und dem Nahen Osten, etabliert. Die hohe Zahl der Manager, die den Flughafen Wien als internationales Drehkreuz sehen und seinen Ausbau fordern, zeugt von der tiefen Verflechtung der österreichischen Wirtschaft mit dem globalen Handel und der Notwendigkeit direkter internationaler Anbindungen.

Experten im Logistik- und Tourismussektor betonen immer wieder die Bedeutung von Hubs. Ein leistungsfähiges Drehkreuz ermöglicht es, hohe Passagier- und Frachtvolumen effizient zu bündeln und somit eine höhere Frequenz und Vielfalt an Flugzielen anzubieten. Dies ist besonders für Unternehmensstandorte relevant, die auf eine schnelle Erreichbarkeit von internationalen Märkten angewiesen sind. Die Tatsache, dass 78 Prozent der Manager den Ausbau der Drehkreuzfunktion fordern, zeigt, dass die österreichische Führungsebene die Notwendigkeit sieht, die Konnektivität des Landes weiter zu stärken, um in einem zunehmend globalisierten Wettbewerb bestehen zu können. Die Anbindung an den Flughafen Wien ist demnach ein essenzieller Standortfaktor.

Infrastrukturelle Notwendigkeit: Anbindung und regionale Entwicklung

Um seine Funktion als Drehkreuz effizient erfüllen zu können, ist der Flughafen Wien auf eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur im Umland angewiesen. Die Befragung für den Infrastrukturreport unterstreicht diese Notwendigkeit: 76 Prozent der Manager fordern explizit den Ausbau der umliegenden Verkehrsinfrastrukturen, um die Verkehrslage zu verbessern und die regionale Entwicklung rund um den Flughafen zu stärken.

Zwei spezifische Projekte werden dabei besonders hervorgehoben: Das Umfahrungsprojekt „B260 Airport Region“ und die sogenannte Flughafenspange, eine geplante Verbindung zwischen dem Flughafen Wien und Bruck/Leitha. Diese Projekte sind darauf ausgerichtet, die Zu- und Abfahrt zum Flughafen zu optimieren, Staus zu reduzieren und die logistische Anbindung für den Frachtverkehr zu beschleunigen. Eine verbesserte regionale Erschließung ist nicht nur für die Mitarbeiter und Passagiere des Flughafens von Vorteil, sondern auch für die zahlreichen Unternehmen, die sich im Umfeld des Airports angesiedelt haben und auf reibungslose Transportwege angewiesen sind. Die geforderte infrastrukturelle Ertüchtigung wird somit als Investition in die gesamte Wirtschaftsregion gesehen.

Nationale Belastung: Die kritische Rolle der Flugabgabe

Trotz der starken strategischen Position des Flughafens Wien sehen Manager die Entwicklung des Luftverkehrsstandorts Österreich durch eine nationale Sonderabgabe, die Flugabgabe (Ticketsteuer), massiv beeinträchtigt. Dr. Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, äußert in diesem Zusammenhang deutliche Kritik: „Die Flugabgabe ist eine nationale Sonderabgabe, die Österreich im europäischen Vergleich belastet und für Airlines einen Grund darstellt, den Standort Wien zu verlassen bzw. die Präsenz zu reduzieren.“

Die Flugabgabe wurde in Österreich im Jahr 2011 eingeführt und hat in der Luftfahrtbranche seitdem für intensive Debatten gesorgt. Sie wird von den Fluggesellschaften in der Regel auf die Ticketpreise aufgeschlagen und macht das Fliegen von österreichischen Flughäfen im Vergleich zu Nachbarländern teurer. Die Kritik der Manager und Branchenvertreter basiert auf der Beobachtung, dass Fluggesellschaften, insbesondere Billigfluggesellschaften, extrem preissensibel auf solche Abgaben reagieren. Da ihr Geschäftsmodell auf strenger Kostendisziplin basiert, ziehen sie Routen oder Kapazitäten an Standorte ab, wo derartige steuerliche Belastungen nicht existieren oder niedriger sind. Diese Dynamik, so Dr. Ofner, werde durch jüngste Entscheidungen zur Reduktion der Präsenz von Airlines am Standort Wien bestätigt.

Um der negativen Wirkung der Flugabgabe entgegenzuwirken und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhöhen, hat der Flughafen Wien selbst Gegenmaßnahmen ergriffen. Ab dem 1. Januar 2026 werden die Entgelte am Flughafen um bis zu 4,6 Prozent gesenkt. Diese freiwillige Senkung der Flughafengebühren soll den Airlines einen Anreiz bieten, ihre Frequenzen zu halten oder auszubauen und die Mehrbelastung durch die nationale Ticketsteuer zumindest teilweise zu kompensieren.

Europäischer Kontext und Standortwettbewerb

Österreich steht mit seiner Flugabgabe im europäischen Wettbewerb um Fluggesellschaften und Passagierzahlen unter Druck. Länder wie Deutschland haben ebenfalls zeitweise die Luftverkehrssteuer erhöht, sehen sich aber, wie im Falle der kürzlich angekündigten Senkung in Deutschland ab 2026, ebenfalls zur Reaktion genötigt, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Fluggesellschaften agieren in einem hochmobilen Markt. Jede zusätzliche nationale Belastung kann dazu führen, dass Flugzeuge und Strecken an andere, kostengünstigere Standorte in der Region verlagert werden.

Dies betrifft Wien als Drehkreuz in besonderem Maße, da es im direkten Wettbewerb mit anderen zentral- und osteuropäischen Hubs steht, deren staatliche Abgabenstrukturen womöglich vorteilhafter sind. Die Forderung der Manager nach einer Abschaffung oder zumindest Reduzierung der Flugabgabe ist daher nicht nur eine Forderung nach Entlastung der Airlines, sondern eine strategische Maßnahme zur Sicherung der internationalen Anbindung des Landes.

Die Ergebnisse des Infrastrukturreports 2026 senden ein klares Signal an die politischen Entscheidungsträger Österreichs: Der Flughafen Wien ist ein unverzichtbarer Wirtschaftsmotor, dessen Potenzial nur durch gezielte Infrastrukturinvestitionen und die Beseitigung nationaler Sonderbelastungen, wie der Flugabgabe, vollständig ausgeschöpft werden kann. Die Diskrepanz zwischen der strategischen Bedeutung des Flughafens und der nationalen Steuerpolitik wird von der Wirtschaft als Hauptproblem der österreichischen Luftfahrtentwicklung wahrgenommen.

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