Der 61-jährige Stephen Crean, der Anfang November 2025 in Cambridgeshire als Held gefeiert wurde, weil er einen Messerangreifer in einem Zug konfrontierte und dabei selbst multiple Stichverletzungen erlitt, hat die Billigfluggesellschaft Ryanair scharf kritisiert. Ryanair hatte sich geweigert, Crean die Kosten für einen Flug nach Österreich zu erstatten, den er aufgrund seiner schweren Verletzungen nicht antreten konnte. Der Vorfall löste in der Öffentlichkeit und insbesondere unter den Fans seines Lieblingsfußballvereins Nottingham Forest eine Welle der Empörung über die vermeintlich starre Kulanzpolitik des Carriers aus.
Die Verweigerung einer Rückerstattung für den Flug, der am 5. November 2025 planmäßig stattfand, begründete Ryanair mit der allgemeinen Regelung, dass Flugtickets nicht erstattungsfähig sind, wenn der Flug wie vorgesehen durchgeführt wird. Crean, der Verletzungen an Hand, Rücken, Kopf und Hüfte davontrug, bezeichnete die Haltung der Fluggesellschaft als „traurig und kindisch“. Nur einen Tag nachdem die Geschichte öffentlich bekannt wurde, trat die Konkurrenzfluggesellschaft British Airways auf den Plan: Sie bot Crean eine komplette Ersatzreise an, einschließlich zweier Tickets in der Club Europe-Klasse nach Porto sowie einem zweitägigen Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel, gesponsert von British Airways Holidays. Die notwendigen Eintrittskarten für das Fußballspiel werden vom Nottingham Forest Football Club bereitgestellt.
Starre Tarifpolitik kontra außergewöhnliche Umstände
Stephen Crean war eigentlich auf dem Weg nach Österreich, um dort ein Spiel seines Vereins Nottingham Forest in der Europa League zu besuchen. Der Messerangriff, bei dem Crean am 1. November heldenhaft eingriff, machte die Reise jedoch unmöglich. Crean musste sich von schweren Stichverletzungen erholen, die eine Flugreise ausschlossen. Freunde versuchten, im Namen des Verletzten eine Rückerstattung des Flugpreises bei Ryanair zu erwirken.
Der Kern des Konflikts liegt in der rigorosen Tarifstruktur, die bei Ultra-Low-Cost-Carriern wie Ryanair üblich ist. Die Fluggesellschaft pochte auf die Vertragsbedingungen, die besagen, dass nicht erstattungsfähige Tickets nicht zurückgezahlt werden, solange der Flug regulär durchgeführt wird. Solche starren Richtlinien sind ein Grundpfeiler des Geschäftsmodells von Billigfluggesellschaften, da sie die Verwaltungskosten minimieren und niedrige Basispreise ermöglichen. Sie stehen jedoch oft in der Kritik, insbesondere wenn Passagiere durch unvorhersehbare, schwere Schicksalsschläge am Reiseantritt gehindert werden.
Creans Kritik, die Ryanair-Haltung sei „sad and childish“, fand schnell ein großes Echo. Insbesondere in den sozialen Medien und unter den Fans von Nottingham Forest, die sich solidarisch mit Crean zeigten, wurde die Fluggesellschaft für ihre mangelnde Kulanz in einem Fall von nationaler Tragweite und öffentlichem Interesse verurteilt. Die Verweigerung einer Rückerstattung in einem Fall, in dem ein Passagier durch die Ausübung bürgerlichen Mutes verletzt wurde, stieß auf breites Unverständnis.
Die heldenhafte Tat und juristische Aufarbeitung
Die Flugverweigerung seitens Ryanair lenkte die Aufmerksamkeit erneut auf die heldenhafte Tat von Stephen Crean. Crean griff mutig ein, als in einem Zug in Cambridgeshire ein Angreifer wahllos Fahrgäste mit einem Messer attackierte. Sein Eingreifen trug maßgeblich dazu bei, die Gefahr einzudämmen und möglicherweise Schlimmeres zu verhindern, bevor die Behörden eingreifen konnten.
Die juristische Aufarbeitung des Angriffs läuft indes weiter. Ein 32-jähriger Mann wurde im Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen und ist wegen zehnfachen versuchten Mordes angeklagt worden. Die Schwere der Anklage unterstreicht die lebensbedrohliche Situation, in der Crean handelte und dabei selbst verletzt wurde. Die anhaltenden Ermittlungen beleuchten die Notwendigkeit robuster Sicherheitsvorkehrungen im öffentlichen Nahverkehr.
British Airways greift ein: Eine Geste der Großzügigkeit
Nur einen Tag, nachdem die unnachgiebige Haltung von Ryanair öffentlich wurde, reagierte die britische Traditionsfluggesellschaft British Airways (BA) mit einer beispiellosen Geste. BA, ein bedeutender Wettbewerber auf dem europäischen Luftverkehrsmarkt, bot Stephen Crean und einer Begleitperson zwei Tickets in ihrer Club Europe (Business Class) für einen Flug nach Porto an. Die Reise ist für Januar angesetzt und ermöglicht es Crean, das Spiel von Nottingham Forest gegen Sporting Braga in Portugal zu besuchen.
Das Angebot von British Airways ging über den reinen Flug hinaus. Durch die Tochtergesellschaft British Airways Holidays wurde zudem ein zweitägiger Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel gesponsert. Die notwendigen Eintrittskarten für das Spiel werden direkt vom Nottingham Forest Football Club zur Verfügung gestellt, wodurch die gesamte Reise zu einem umfassenden Ersatz für die verpasste Österreich-Reise wird.
Stephen Crean zeigte sich überwältigt von der Welle der Unterstützung: „Ich bin British Airways wirklich dankbar, dass sie das möglich gemacht haben.“ Die Aktion von British Airways wird allgemein als geschickter Schachzug in der öffentlichen Wahrnehmung bewertet. Sie positioniert die Fluggesellschaft als Unternehmen, das in außergewöhnlichen Fällen menschliche Schicksale berücksichtigt und damit einen starken Kontrast zur Haltung des Billigfliegers setzt.
British Airways hat in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass sie in der Lage ist, solche PR-wirksamen Gesten zu nutzen. Während Ryanair seine wirtschaftliche Effizienz durch die strikte Einhaltung der Tarifregeln verteidigt, nutzt British Airways seine Position, um sich als serviceorientierter Carrier mit sozialer Verantwortung zu präsentieren. Die Großzügigkeit von BA stellt somit nicht nur eine Wiedergutmachung für Crean dar, sondern liefert auch ein markantes Beispiel für den Unterschied in der Unternehmenskultur und Kundenbehandlung zwischen den verschiedenen Segmenten der europäischen Luftfahrtindustrie.