Airbus A321neo (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
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Piloten von Azores Airlines stimmen Privatisierungsvereinbarung zu

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Die Privatisierung der Fluggesellschaft Azores Airlines, einer Tochtergesellschaft der SATA-Gruppe, hat eine entscheidende Hürde genommen. Die Gewerkschaft der Zivilluftfahrtpiloten (SPAC) gab bekannt, dass die mit dem Konsortium Newtour/MS Aviation ausgehandelte Vereinbarung in der Versammlung der Piloten des Unternehmens mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen angenommen wurde. Dieses Ergebnis, das die SPAC-Führung als „historische Vereinbarung“ feiert, gilt als klares Mandat der Belegschaft für die Übernahme und als ein wesentlicher Schritt zur Sicherung der Zukunft der azoreanischen Fluggesellschaft.

Die Einigung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Regionalregierung der Azoren hatte zuvor die Möglichkeit einer privaten Verhandlung mit dem Konsortium oder einer möglichen Schließung des Unternehmens in Aussicht gestellt, falls keine tragfähige Einigung erzielt werden könnte. Die Azoren Airlines, die für internationale Flüge vom Archipel verantwortlich ist, befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Umstrukturierungsprozesses, der durch staatliche Beihilfen in Höhe von 453,25 Millionen Euro, die im Juni 2022 von der Europäischen Kommission genehmigt wurden, unterstützt wird. Zu den Auflagen für diese Beihilfen zählte die Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung (51 Prozent).

Kernpunkte der Pilotenvereinbarung: Arbeitsplatzsicherheit und Gehaltsschutz

Die von der SPAC ausgehandelte Vereinbarung zielt primär darauf ab, die berufliche Würde und die wirtschaftliche Sicherheit der Piloten zu gewährleisten. Wie die Gewerkschaft in einer Erklärung mitteilte, umfasst die Einigung den vollständigen Schutz aller Arbeitsplätze sowie die Unverletzlichkeit des Grundgehalts und der Tagegelder der Piloten.

Darüber hinaus sind in der Vereinbarung streng befristete Maßnahmen mit klar definierten Fristen und objektiven Zielen vorgesehen. Zur Gewährleistung der Transparenz und Kontrolle während der gesamten Umsetzungsphase wurden Mechanismen zur gemeinsamen Überwachung und Prüfung unter Aufsicht der SPAC vereinbart. Die Gewerkschaft sieht diese Regelungen als essenziell an, um die Planbarkeit für das Unternehmen zu verbessern und gleichzeitig die Interessen der Arbeitnehmer umfassend zu schützen.

Vizepräsident der SPAC, Frederico Saraiva de Almeida, hob die konstruktive und kooperative Haltung des Konsortiums Newtour/MS Aviation hervor, dessen transparentes Vorgehen maßgeblich zum Aufbau eines gegenseitigen Vertrauensklimas und zur Entwicklung einer ausgewogenen und nachhaltigen Lösung beigetragen habe. Die Piloten hätten ihren Teil zur Lösungsfindung beigetragen und würden daher keine Verantwortung für ein mögliches Scheitern des Gesamtprozesses tragen.

Der komplexe Weg zur Privatisierung

Die Privatisierung von Azores Airlines, einem zentralen Pfeiler der regionalen Verkehrsanbindung, ist ein komplexer Prozess, der von der Regionalregierung (einer Koalition aus PSD/CDS-PP/PPM) vorangetrieben wird. Die Notwendigkeit der Veräußerung einer Kontrollbeteiligung (51 Prozent) ist eine direkte Auflage der Europäischen Kommission, die an die Genehmigung der staatlichen Umstrukturierungshilfen geknüpft war. Diese Beihilfen, in Form von Darlehen und staatlichen Garantien, waren zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der SATA-Gruppe und ihrer Tochtergesellschaften essenziell.

Die Einigung mit der Piloten-Gewerkschaft ist ein deutliches Signal an die Regionalregierung und die am Prozess beteiligten Institutionen. Angesichts der Tatsache, dass die Regionalregierung die Frist für die Einreichung eines „verbindlichen Angebots“ durch das Konsortium Newtour/MS Aviation erst kürzlich, am 31. Oktober, bis zum kommenden Montag verlängert hatte, erhöht das Votum der Piloten nun den Druck, den Abschluss des Verhandlungsprozesses zügig voranzutreiben.

Nächste Schritte und Appell an die Beteiligten

Nach der Annahme der Vereinbarung durch die Pilotenschaft folgen nun drei wesentliche, formaljuristische Schritte. Zunächst die Ausarbeitung und formelle Genehmigung des Regulierungsinstruments, das die Vereinbarung rechtsverbindlich macht. Anschließend die Festlegung eines detaillierten Zeitplans, von Kennzahlen und Berichtsmechanismen. Schließlich soll ein gemeinsamer Überwachungsausschuss, bestehend aus Vertretern der SPAC und des Konsortiums, zur kontinuierlichen Überwachung und etwaigen Kurskorrektur eingesetzt werden. Die endgültige Fassung der Vereinbarung wird „rechtsverbindliche Mechanismen“ enthalten, die auch für den künftigen Vorstand gelten und die vollständige Umsetzung des Ausgehandelten gewährleisten sollen.

Die SPAC appelliert in ihrer Erklärung eindringlich an alle weiteren am Privatisierungsprozess beteiligten Parteien – die Regionalregierung, andere Gewerkschaften und das Konsortium –, „denselben Geist des Engagements und der Hingabe aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass der Prozess im besten Interesse des Unternehmens, der Arbeitnehmer und der Autonomen Region der Azoren abgeschlossen wird.“ Die Gewerkschaft bekräftigt jedoch auch vorsorglich, dass sie für „etwaige negative Folgen, die auf Entscheidungen außerhalb seiner Kontrolle zurückzuführen sind, nicht verantwortlich gemacht werden kann,“ und unterstreicht damit die Verantwortung der übrigen Akteure für den erfolgreichen Abschluss des komplexen Vorhabens.

Die Zustimmung der Piloten ebnet den Weg für das Konsortium Newtour/MS Aviation zur Übernahme der azoreanischen Fluggesellschaft und schafft damit die notwendige Planungs- und Rechtssicherheit, um die staatlich geforderte Umstrukturierung erfolgreich abzuschließen.

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