Linz Airport (Foto: Michael David).
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Linz: Turkish Cargo erwägt Verlegung der Frachtflüge nach Wien

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Der Flughafen Linz-Hörsching steht möglicherweise vor einem weiteren empfindlichen Rückschlag in seinem Geschäftsbetrieb. Während das Passagieraufkommen seit Längerem als schwierig gilt, war das Frachtgeschäft bislang eine zentrale Stütze des Unternehmens. Nun droht der Verlust eines der wichtigsten Frachtkunden:

Die Frachtdivision der Turkish Airlines, die derzeit viermal wöchentlich die Verbindung zwischen Linz und Istanbul bedient, bestätigt Verhandlungen über eine mögliche Verlegung dieser Flüge zum Flughafen Wien-Schwechat. Obwohl noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde und die Gespräche zuletzt verlangsamt wurden, würde der Wegfall dieser Flüge den Linzer Flughafen in seiner Rolle als wichtiger regionaler Frachtumschlagplatz massiv schwächen. Sollte es zur Verlagerung kommen, würde lediglich noch der Dienst von DHL Express in Linz verbleiben, was die Abhängigkeit des Flughafens von wenigen Anbietern drastisch erhöht. Gegenüber dem ORF Oberösterreich bestätigte das türkische Unternehmen, dass es entsprechende Überlegungen zum Abzug aus Linz gibt. Final entschieden hat man aber noch nicht.

Der Frachtumschlag als Lebensader des Linzer Flughafens

Der Flughafen Linz hat in den letzten Jahren immer stärker auf das Frachtgeschäft gesetzt, um die Lücken im Passagierverkehr zu kompensieren. Die geografische Lage in Oberösterreich, einem wirtschaftlich starken Bundesland mit zahlreichen produzierenden und exportorientierten Unternehmen, bietet theoretisch gute Voraussetzungen für den Transport von hochwertigen Gütern. Das Frachtgeschäft, das in Linz von der Frachtabteilung des Flughafens aktiv betreut wird, ist weniger saisonabhängig als der Passagierverkehr und trägt maßgeblich zur finanziellen Stabilität und zur Beschäftigung am Standort bei.

Die Verbindung mit Turkish Cargo ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Fluggesellschaft nutzt Linz als wichtigen Knotenpunkt für den Transport von Gütern aus dem süddeutschen Raum und Österreich in ihr globales Netzwerk, das über den Hub in Istanbul bedient wird. Turkish Cargo, eine der größten Luftfrachtgesellschaften der Welt, transportiert laut eigenen Angaben „so gut wie alles“, von sensiblen Arzneimitteln bis hin zu großen Sendungen wie Autos. Die Verlässlichkeit und die Kapazität dieser viermal wöchentlichen Flüge sind für die lokalen Unternehmen ein wichtiger Faktor in ihren Logistikketten.

Wien als attraktiveres Drehkreuz

Die Überlegungen von Turkish Cargo, die Flüge nach Wien zu verlegen, sind Ausdruck des anhaltenden Konzentrationsprozesses in der europäischen Luftfrachtlogistik. Große Frachtfluggesellschaften neigen dazu, ihre Dienste auf zentralen Großflughäfen zu bündeln, um Skaleneffekte zu erzielen und die Transitzeiten durch optimierte Verbindungen zu verkürzen. Der Flughafen Wien-Schwechat (VIE) bietet als größter und verkehrsreichster Flughafen Österreichs deutlich bessere Anbindungen an das europäische und globale Passagier- und Frachtnetzwerk. Die Bündelung von Fracht und Passagierkapazitäten an einem zentralen Hub ermöglicht eine effizientere Nutzung der Infrastruktur und des Personals.

Obwohl die Verhandlungen zwischen Turkish Cargo und den beteiligten Parteien in Linz und Wien nach Angaben der Fluglinie zuletzt stagnierten, deutet der bloße Umstand der Prüfung einer Verlagerung auf eine strategische Priorisierung hin. Für Turkish Cargo könnte die Verlegung nach Wien zu einer höheren Auslastung und besseren Integration in das globale Frachtnetzwerk führen, was potenziell die Betriebskosten senkt und die Effizienz steigert.

Erhöhte Abhängigkeit und lokale Auswirkungen

Sollte Turkish Cargo die Frachtflüge tatsächlich von Linz abziehen, hätte dies weitreichende Konsequenzen für den Linzer Flughafen. Der Frachtbetrieb würde sich dann fast ausschließlich auf den Dienst von DHL Express reduzieren. Die DHL-Frachtflüge, die überwiegend Pakete und Sendungen großer Online-Plattformen transportieren, stellen zwar eine konstante Größe dar, doch die fast vollständige Abhängigkeit von einem einzigen großen Kunden birgt erhebliche Risiken für die langfristige finanzielle Planbarkeit des Flughafens. Die Einnahmen aus den Lande- und Abfertigungsgebühren der Turkish Cargo würden wegfallen, was die Ertragslage des Flughafens weiter belasten würde.

Die mögliche Reduzierung des Frachtgeschäfts würde auch die allgemeine Bedeutung des Linzer Flughafens als Wirtschaftsfaktor in der Region Oberösterreich schmälern. Lokale Speditionen und Logistikdienstleister, die auf die Turkish Cargo Flüge für den Transport ihrer Waren in den Nahen Osten und darüber hinaus angewiesen sind, müssten ihre Logistikketten neu organisieren und auf andere Flughäfen, höchstwahrscheinlich Wien oder München, ausweichen. Dies würde nicht nur zu erhöhten Transportkosten führen, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Exportwirtschaft beeinflussen.

Herausforderungen und die Zukunft des Linzer Flughafens

Die anhaltenden Schwierigkeiten im Passagiergeschäft, gepaart mit dem drohenden Verlust eines wichtigen Frachtkunden, stellen den Linzer Flughafen vor eine existenzielle Herausforderung. Der Flughafen hat in den letzten Jahren immer wieder versucht, neue Fluglinien für den Passagierverkehr zu gewinnen und das touristische Angebot zu stärken, jedoch mit begrenztem Erfolg im Vergleich zu den Großflughäfen. Die Verantwortlichen des Flughafens Linz sind nun gefordert, strategisch gegenzusteuern. Dies könnte die Intensivierung der Bemühungen um alternative Frachtkunden, die Stärkung der bestehenden Frachtverbindungen, wie die von DHL, oder die Ausarbeitung neuer Anreizprogramme für Frachtfluggesellschaften umfassen. Angesichts des Konzentrationsdrucks im Luftverkehr wird es jedoch zunehmend schwieriger für kleinere Regionalflughäfen, ihre Marktposition gegenüber den großen europäischen Hubs zu behaupten. Der mögliche Abzug von Turkish Cargo ist ein deutliches Signal für die Notwendigkeit einer klaren und tragfähigen Zukunftsstrategie für den Linzer Flughafen.

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