KLM-Winglet (Foto: Pixabay).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Psychischer Notfall führt zu Flugstornierung: KLM-Passagier in Atlanta festgenommen

Werbung

Ein Flug der niederländischen Fluggesellschaft KLM von Atlanta nach Amsterdam musste am Abend des 25. November 2025 gestrichen werden, nachdem ein Passagier an Bord für erhebliche Unruhe gesorgt und einen Notausgang geöffnet hatte. Der 47-jährige Johannes Van Heertum wurde festgenommen, nachdem er unmittelbar vor dem Start behauptet hatte, einen bewaffneten Mitreisenden gesehen zu haben. Infolgedessen öffnete der Mann eine Notausgangstür an dem bereits rollenden Flugzeug, wodurch die aufblasbare Notrutsche ausgelöst wurde.

Die örtliche Polizei von Atlanta (APD) nahm den Passagier fest und begründete die Maßnahme offiziell mit einem mutmaßlichen psychischen Gesundheitsvorfall. Obwohl keine Waffe an Bord des Flugzeugs gefunden wurde, führte der Vorfall zur sofortigen Annullierung des Langstreckenflugs KL622. Für die niederländische Fluggesellschaft resultierte daraus ein Schaden, der sich voraussichtlich im sechsstelligen Dollarbereich bewegen wird. Der Vorfall unterstreicht erneut die Herausforderungen, denen sich die Fluggesellschaften im Umgang mit Fluggästen, die mentale Krisen durchleben, und den daraus resultierenden erheblichen operativen und finanziellen Konsequenzen gegenübersehen.

Dramatische Szene vor dem Start in Atlanta

Der besorgniserregende Zwischenfall ereignete sich am Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport (ATL), einem der verkehrsreichsten Flughäfen der Welt. Flug KL622, eine Boeing 777-200ER mit dem Kennzeichen PH-BQI, hatte das Gate verlassen und rollte in Richtung Startbahn, als Van Heertum plötzlich lautstark erklärte, ein anderer Passagier führe eine Waffe mit sich. Berichten des lokalen Senders Fox 5 zufolge soll der Mann zudem den Notruf 911 vom Inneren des Flugzeugs aus gewählt und die Behörden über seine angebliche Beobachtung informiert haben.

Kurz darauf bewegte sich der Passagier in einem Zustand, den Mitreisende als unberechenbar und laut beschrieben, zu einem Notausgang und öffnete die Tür. Da die Notrutschen vor dem Start vom Kabinenpersonal scharf gestellt werden („armed“), blies sich die Rutsche umgehend auf, als das Flugzeug noch rollte. Dies zwang die Piloten, die Maschine unverzüglich zum Gate zurückzubringen. Fluglotsen (ATC) wurden von der Kabinenbesatzung über einen „psychotischen Passagier“ informiert, der sofort aus dem Flugzeug entfernt werden müsse.

Nach der Rückkehr zum Gate stiegen Polizeikräfte in das Flugzeug ein und nahmen den Fluggast in Gewahrsam. Er wurde in das Clayton County Gefängnis gebracht und unter anderem wegen rücksichtslosen Verhaltens, Sachbeschädigung und Störung der Sicherheitsmaßnahmen angeklagt.

Kostspielige Annullierung und Schadensersatzforderungen

Für KLM hatte der Vorfall unmittelbar hohe Kosten zur Folge. Die Fluggesellschaft sah sich gezwungen, den Langstreckenflug nach Amsterdam zu annullieren und musste alle betroffenen Passagiere auf andere Flüge umbuchen oder alternative Reisearrangements treffen.

Neben den hohen Aufwendungen für die Umbuchungen und gegebenenfalls Hotelkosten für die Passagiere entstehen KLM erhebliche technische Kosten durch die unplanmäßige Auslösung der Notrutsche. Eine einmal ausgelöste Notrutsche muss in der Regel ersetzt werden, da sie bei der Entfaltung beschädigt wird. Die Kosten für den Austausch einer solchen Notrutsche werden branchenweit auf etwa 35.000 bis 75.000 US-Dollar geschätzt. Selbst das erneute Verpacken einer unbeschädigten Rutsche kann Zehntausende von Dollar kosten. Hinzu kommen die Kosten für die Umplanung der Besatzung und die Kompensation für die Flugstreichung. Experten gehen davon aus, dass der Gesamtschaden für KLM durch diesen einzelnen Vorfall leicht 100.000 US-Dollar übersteigen wird.

In der Vergangenheit haben Fluggesellschaften bei ähnlich gelagerten Fällen versucht, die Verursacher haftbar zu machen und rechtliche Schritte zur Wiedereinbringung der entstandenen Kosten eingeleitet. Ob KLM in diesem Fall zivilrechtliche Schritte gegen Van Heertum einleiten wird, ist noch unklar, hängt aber von der juristischen Bewertung seiner Handlungen ab, insbesondere im Hinblick auf den festgestellten psychischen Gesundheitszustand.

Psychische Gesundheit und Sicherheit an Bord

Der von den Behörden vermutete psychische Notfall des Passagiers wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Herausforderung im Luftverkehr, Passagiere in psychischen Krisen zu handhaben. Obwohl das Sicherheitsprotokoll und die schnelle Reaktion der Besatzung in Atlanta verhinderten, dass der Vorfall größere Konsequenzen nach sich zog, stellen derartige Ereignisse eine erhebliche Belastung für die Kabinenbesatzung und die Sicherheit des Betriebs dar. Die Meldung eines „psychotischen Passagiers“ durch die Crew verdeutlicht die akute Natur der Situation, die eine schnelle Deeskalation und Entfernung der Person erforderte.

Die Luftfahrtindustrie hat in den letzten Jahren eine Zunahme von Vorfällen mit schwierigen Passagieren verzeichnet, von denen ein Teil auf mentale oder emotionale Belastungen zurückzuführen ist. Fluggesellschaften und Flughafenbehörden investieren verstärkt in Schulungen für ihr Personal, um solche Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf reagieren zu können, ohne die allgemeine Sicherheit zu gefährden.

Das betroffene Flugzeug, eine 21 Jahre alte Boeing 777-200ER (PH-BQI), das seit 2004 in der Flotte von KLM ist und fast 105.000 Flugstunden sowie über 12.000 Flugzyklen absolviert hat, konnte bereits am Folgetag nach dem Austausch der Notrutsche wieder in den Dienst gestellt werden und den planmäßigen Flug nach Amsterdam antreten. Dies demonstriert die logistische Leistungsfähigkeit der Wartungsteams von KLM, die eine schnelle Wiederherstellung der Flugbereitschaft ermöglichten.

KLM betreibt eine Flotte von über 30 Boeing 777 in den Varianten 777-200ER und 777-300ER. Obwohl die Fluggesellschaft ihre Flotte modernisiert, hat sie sich bisher nicht für die Boeing 777X entschieden, sondern plant, ab dem kommenden Jahr stattdessen ihre ersten Airbus A350 in Betrieb zu nehmen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung