Embraer 195 (Foto: Flughafen München).
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Weißrussland will Belavia-Flotte ausbauen

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Die belarussische staatliche Fluggesellschaft Belavia steht offenbar vor einer signifikanten Flottenexpansion und Streckenausweitung. Diese Entwicklung folgt auf die kürzlich erfolgte Lockerung von Sanktionen, die in den vergangenen Jahren den Betrieb und die Flottenwartung der Airline maßgeblich beeinträchtigt hatten. Die strategische Neuausrichtung zielt primär darauf ab, die touristische Nachfrage zu bedienen und neue Märkte, insbesondere in Asien, zu erschließen.

Der belarussische Minister für Verkehr und Kommunikation, Alexej Ljachnowitsch, hat in einem Interview mit dem Fernsehsender „Erste Information“ die Kaufabsichten von Belavia bestätigt. Er erklärte, dass die Fluggesellschaft angesichts der Aufhebung der Sanktionen die Anschaffung neuer Flugzeuge ernsthaft prüfe. Die konkrete Zielsetzung für die kommende Sommersaison sieht den Erwerb von drei bis fünf zusätzlichen Flugzeugen vor. Dies soll es der Airline ermöglichen, die erwartete Nachfrage der Bevölkerung nach Flügen zu Urlaubszielen bestmöglich zu bedienen.

Bereits in diesem Jahr hat Belavia ihre Flotte um zwei Großraumflugzeuge des Typs Airbus A330-200 erweitert. Die Inbetriebnahme eines dritten Flugzeugs dieses Typs ist bis Februar des Folgejahres vorgesehen. Die Einführung dieser Langstreckenjets markiert einen strategischen Wandel in der Flottenstruktur der Nationalfluggesellschaft, die zuvor hauptsächlich auf Mittelstreckenjets von Boeing und Embraer setzte. Der Airbus A330-200, ein zweistrahliges Großraumflugzeug mit einer Kapazität von bis zu 281 Passagieren in einer Zwei-Klassen-Konfiguration, ermöglicht die Aufnahme von Langstreckenverbindungen mit einer Reichweite von bis zu 12.000 Kilometern.

Die Bedeutung der Sanktionslockerung für den Flugbetrieb

Die Ankündigung zur Flottenerweiterung steht in direktem Zusammenhang mit der teilweisen Aufhebung der US-Sanktionen gegen Belavia. Diese Sanktionen waren nach der erzwungenen Landung eines Ryanair-Flugs im Mai 2021 in Minsk und der anschließenden Verhaftung eines Dissidenten verhängt worden. Sie führten zu einem Flugverbot im Luftraum der Vereinigten Staaten, einem Technologieembargo für Luftfahrttechnik sowie zur Einstellung von Wartungsdienstleistungen, was die Aufrechterhaltung der Flugtauglichkeit der ursprünglich von westlichen Leasingfirmen stammenden Flotte massiv erschwerte.

Die Folge war eine signifikante Verkleinerung der aktiven Flotte, da westliche Leasinggeber, vor allem in Irland, Verträge für zahlreiche Jets annullierten und die Rückgabe der Flugzeuge forderten. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, musste Belavia nach eigenen Angaben Lösungen finden, um die Passagiersicherheit auch unter den erschwerten Bedingungen zu gewährleisten. Die jüngste Lockerung der Restriktionen, die US-Präsident Donald Trump im Zuge der Freilassung politischer Gefangener durch Belarus initiiert hatte, wird von der belarussischen Seite als entscheidender Impuls für die künftige Geschäftsfähigkeit und die dringend benötigte Beschaffung von Ersatzteilen und Flugzeugen gesehen. Auch wenn unklar bleibt, wie weitreichend die Erleichterungen im Detail sind, hofft das Luftfahrtdepartment auf eine Verbesserung der Kommunikation und der Geschäftstätigkeit, beispielsweise im Hinblick auf Buchungssysteme an ausländischen Flughäfen.

Strategische Expansion in den asiatischen Markt

Parallel zur Flottenerweiterung arbeitet Belavia intensiv an der Erschließung neuer Flugziele. Verkehrsminister Ljachnowitsch nannte in dem Interview die Zahl von rund 20 Destinationen, die derzeit in Arbeit seien. Ein klarer Fokus liegt dabei auf dem asiatischen Raum, insbesondere China.

Die Aufnahme von Linienflügen nach China wird aktiv geprüft, wobei derzeit die Langstreckenflugzeuge vornehmlich im Charterverkehr eingesetzt werden. Die Eröffnung solcher Langstreckenverbindungen nach Sanya und Ürümqi, die bereits inoffiziell im Streckennetz der Airline erscheinen, würde eine wichtige Verbindung in einen der größten asiatischen Märkte darstellen. Diese Expansion könnte auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass Belavia seit den EU-Sanktionen im Jahr 2021 den Luftraum der Europäischen Union nicht mehr nutzen darf und keine Ziele in der EU mehr anfliegt. Als Konsequenz konzentriert sich die Fluggesellschaft derzeit fast ausschließlich auf Destinationen in Ländern des postsowjetischen Raumes, im Nahen Osten und teilweise in Asien.

Neben den Plänen für China ist auch die Einführung neuer Routen in Zentralasien konkret. Die Aufnahme von Flügen mit der Boeing 737-800 nach Almaty in Kasachstan wurde für Mitte Dezember angekündigt. Diese Streckennetzverdichtung in Zentralasien und die geplante Ausweitung nach China unterstreichen die strategische Neuausrichtung der Fluggesellschaft hin zu Märkten, die keine Sanktionen gegen Belarus verhängt haben.

Herausforderungen im internationalen Kontext

Trotz des Optimismus hinsichtlich Flottenerneuerung und Streckenausbau bleiben für Belavia Herausforderungen bestehen. Die Beschaffung von Flugzeugen ist in der aktuellen geopolitischen Lage komplex. Berichten zufolge wurden die kürzlich in die Flotte aufgenommenen Airbus A330-200 über Umwege und eine Kette von Transaktionen über Drittländer erworben, um Sanktionen zu umgehen. Diese Vorgehensweise, bei der auch Länder wie Gambia und die Vereinigten Arabischen Emirate eine Rolle gespielt haben sollen, zeugt von der schwierigen Situation der Airline bei der legalen Beschaffung westlicher Flugzeugmuster.

Die Konzentration auf Langstreckenziele in freundlich gesinnten Regionen, wie die bereits bestehenden oder geplanten Verbindungen in die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Georgien oder Indien, ist eine direkte Folge der anhaltenden Einschränkungen im europäischen Luftraum. Die Airline muss ein Gleichgewicht zwischen der Passagiernachfrage und den politischen Rahmenbedingungen finden. Die ambitionierten Pläne, bis zur Sommersaison bis zu fünf zusätzliche Flugzeuge zu erwerben, signalisieren jedoch den klaren Willen der Staatsfluggesellschaft, ihre Position auf dem internationalen Luftfahrtmarkt abseits der europäischen Strecken zu stärken und die wachsende touristische Nachfrage zu befriedigen.

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