Der „Brunch auf Donauwellen“ der Reederei DDSG Blue Danube zählt zu den etablierten Sonntagshighlights im Wiener Ausflugsangebot. Er verspricht die harmonische Verbindung eines opulenten Brunchbuffets mit einer entspannten Schifffahrt entlang der Donaulandschaften Wiens, begleitet von dezenter Livemusik. An Bord von Schiffen wie der MS Admiral Tegetthoff oder der MS Kaiserin Elisabeth begeben sich die Gäste von der Schiffsstation Reichsbrücke aus auf eine dreistündige Rundfahrt, die sowohl urbane Architekturhighlights wie den Donauturm und den DC Tower als auch die naturbelassenen Abschnitte der Donau-Auen passiert.
Die DDSG Blue Danube positioniert diesen Brunch als genussvollen Sonntagsausflug, der gleichermaßen Touristen wie Wienerinnen und Wiener anspricht, die dem Trubel der Stadt für einige Stunden entfliehen möchten. Die journalistische Auseinandersetzung mit diesem Angebot zeigt jedoch, dass das Erlebnis stark von der Balance zwischen der landschaftlichen Attraktivität der Route, der Qualität des Buffets und der durchgehenden Serviceleistung abhängt, was in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer polarisierten Rezeption führt. Während das Konzept der Entspannung auf dem Wasser als gelungen gilt, stehen die Route durch den Donaukanal und die gastronomische Umsetzung im Fokus kritischer Betrachtung.
Die Kulisse: Wien und die Donau als fließendes Panorama
Die Route des „Brunch auf Donauwellen“ in Wien ist ein zentraler Bestandteil des Erlebnisses und markiert eine wichtige Unterscheidung zu ähnlichen Fahrten, etwa dem Wachau-Brunch. Die Schifffahrt, die zumeist drei Stunden dauert (Einstieg ab 10:00 Uhr, Fahrt 11:00 bis 14:00 Uhr), startet in der Regel bei der Reichsbrücke.
Von dort aus führt die Fahrt entlang der sogenannten großen Donau, stromabwärts in Richtung der Schleuse Freudenau oder, bei manchen Themenfahrten oder saisonalen Abweichungen, auch stromaufwärts. Die Wiener Route bietet eine faszinierende Dualität: Einerseits präsentiert sie die moderne, gläserne Skyline der Donauplatte mit Bauwerken wie dem Millennium Tower und dem DC Tower, die das Bild des „neuen Wien“ prägen. Diesen Teil der Fahrt empfinden viele Gäste als besonders attraktiv und fotogen, da die Stadtarchitektur aus einer ungewohnten, maritimen Perspektive erlebt werden kann. Andererseits führt die Fahrt auch durch Abschnitte, die weniger von urbaner Ästhetik, sondern mehr von naturbelassenen Ufern der Donau-Auen oder schlicht von Industriebauten und Hafenanlagen geprägt sind.
Besonders kritisiert wurde in einigen Bewertungen in der Vergangenheit die Streckenführung durch den Donaukanal, welche als visuell wenig ansprechend empfunden wurde, da die Uferbegrenzungen das Panorama stark einschränken können. Die aktuelle Standardroute scheint diese Kritik weitgehend zu umgehen, indem sie sich auf die Weite der großen Donau konzentriert und bis zur Schleuse Freudenau fährt, wo das Schiff wendet. Die Donau selbst, ruhig und breit, dient hierbei als entschleunigende Leinwand, vor der die Uferlandschaften langsam vorüberziehen. Die architektonische Vielfalt und der Kontrast zwischen dicht bebautem Gebiet und grünen Auen machen diese Rundfahrt zu einem optisch abwechslungsreichen Erlebnis, das jedoch nicht durchgängig von touristischer Hochglanzästhetik geprägt ist. Die Sicht auf die Stadt, vor allem beim Passieren der markanten Brücken und Türme, wird oft als Höhepunkt der Reise hervorgehoben.
Das Herzstück: Das kulinarische Buffet und seine Qualität
Der kulinarische Anspruch des Angebots ist hoch: Es soll ein reichhaltiges Buffet geboten werden, das die Bestandteile eines klassischen Frühstücks mit jenen eines Mittagessens harmonisch vereint – eben ein Brunch. Die DDSG Blue Danube arbeitet hierfür mit Bordgastronomen zusammen, die auf saisonal wechselnde Buffets setzen. Das Spektrum umfasst in der Regel typische Frühstückskomponenten wie Eierspeis, Jourgebäck, diverse Aufstriche, Käse- und Wurstvariationen sowie Räucherfisch (etwa Räucherlachs). Die mittäglichen Komponenten bestehen oft aus österreichischen Klassikern und Brasserie-Küche. Beispiele hierfür sind Backhendl, Surschnitzel, Hähnchen im Speckmantel oder Rindsbraten, ergänzt durch vegetarische Optionen wie Ricottaravioli oder saisonale Gemüsegerichte. Auch die Dessertauswahl, die von Kaiserschmarren und Topfenknödeln bis hin zu Sachertorte reicht, orientiert sich an der heimischen Tradition.
Das Essen wird in Buffetform präsentiert und ist im Fahrpreis inbegriffen, wobei Getränke – abgesehen von möglichen inkludierten Brunch-Cocktails oder einem Aperitif bei speziellen Fahrten – extra berechnet werden. Die gastronomische Leistung unterliegt allerdings einer heterogenen Bewertung in der öffentlichen Rezeption. Während das Angebot an sich als vielfältig und reichhaltig beschrieben wird, monieren einige Gäste, dass die Qualität der Speisen, insbesondere die Temperatur der warmen Hauptgerichte, bei hohem Andrang auf dem Schiff nicht immer konstant gewährleistet sei. Die Logistik, große Mengen an Speisen für eine dreistündige Fahrt frisch und auf Temperatur zu halten, stellt auf einem Ausflugsschiff eine Herausforderung dar. Die Tatsache, dass das Buffet saisonal und je nach Partner variiert, kann ebenfalls zu unterschiedlichen Erfahrungen führen. Dennoch wird die Bemühung, eine breite Palette von süßen und pikanten Speisen anzubieten, allgemein anerkannt. Die Qualität wird dabei zumeist als bodenständig und funktional für ein Massenangebot auf dem Wasser beschrieben, weniger als gehobene Gastronomie.
Die Untermalung: Livemusik und Atmosphäre an Bord
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des „Brunch auf Donauwellen“ ist die musikalische Begleitung. Die DDSG Blue Danube setzt hier auf dezente Livemusik, die eine entspannte und stimmungsvolle Atmosphäre schaffen soll. Oftmals werden Pianisten oder Sängerinnen engagiert, die ein Repertoire aus bekannten Melodien, Pop-Hits oder auch traditionellen Wiener Liedern (bei speziellen „Hetz und Draherei“-Brunchfahrten) präsentieren. Künstlerinnen wie Caroline Kreutzberger oder Nastja Isabella (bekannt aus österreichischen Gesangswettbewerben) treten regelmäßig an Bord auf. Die Rolle der Livemusik ist klar definiert: Sie dient der Untermalung des Erlebnisses und soll die Entspannung der Gäste fördern. Die Atmosphäre an Bord wird von der Großzügigkeit des jeweiligen Schiffes mitbestimmt.
Die MS Admiral Tegetthoff ist ein typisches Ausflugsschiff, das große Panoramafenster und mehrere Decks bietet, um sowohl den Blick auf die Donau als auch den Zugang zum Buffet und zur Musik zu gewährleisten. Die Tischanordnung wird von der Bordgastronomie möglichst so vorgenommen, dass Gruppen gemeinsam sitzen können, was zur Geselligkeit beiträgt. Kritische Stimmen beziehen sich hier manchmal auf die Lautstärke der Musik oder deren Platzierung. Einige Bewertungen legen nahe, dass die Musik auf dem Oberdeck bei starker Windentwicklung oder ungünstiger Platzierung nicht optimal wahrgenommen wird oder dass die gewählte Stilrichtung nicht jedem Gast zusagt. Generell wird die Möglichkeit, das Frühstück und Mittagessen mit Live-Klängen zu verbinden, jedoch als angenehmer Mehrwert empfunden, der die Fahrt über das bloße Sightseeing hinaushebt und zum Charakter eines „Sonntagsausflugs“ beiträgt.
Service und Gesamterlebnis im Kontext der Erwartungshaltung
Der Preis für den „Brunch auf Donauwellen“ liegt für Erwachsene (Stand 2025) bei etwa 69 bis 75 Euro, was die dreistündige Schifffahrt, das Buffet und die Livemusik einschließt. Angesichts der Dauer und des inkludierten Essens ist dies im Vergleich zu stationären, hochwertigen Brunch-Angeboten in Wien ein kompetitiver Preis, der jedoch die Erwartungshaltung an ein rundum gelungenes Erlebnis schürt. Der Service an Bord wird in den meisten Fällen als freundlich und bemüht beschrieben, wenngleich in Stoßzeiten oder bei vollem Schiff die Effizienz der Getränkebestellung und -ausgabe gelegentlich an ihre Grenzen stoßen kann. Eine in manchen Berichten erwähnte Praxis, die Getränkebestellung kurz vor der Ankunft einzustellen und abzurechnen, wird von einigen Gästen als uncharmant empfunden. Das Gesamterlebnis hängt maßgeblich von der persönlichen Priorisierung der Gäste ab.
Wer eine entspannte Flucht aus dem Alltag sucht, das urbane Panorama Wiens aus einer neuen Perspektive genießen und eine große Auswahl an Speisen wünscht, wird den „Brunch auf Donauwellen“ als gelungenen Sonntagsausflug betrachten. Die Erfahrung ist dabei weniger als exklusive Luxuskreuzfahrt, sondern vielmehr als verlässliche, große Publikumsgastronomie auf dem Wasser zu verstehen. Das Angebot der DDSG Blue Danube erfüllt seinen Zweck als geselliger Ankerpunkt am Wochenende und bietet eine reizvolle Kombination aus Mobilität, Kulinarik und Unterhaltung. Die Stärke liegt in der Kontinuität des Angebots und seiner Zugänglichkeit für ein breites Publikum. Die Kritikpunkte, die sich auf die Sichtbarkeit der Route und die Temperatur des Essens beziehen, sind typische Herausforderungen für die Logistik auf einem Ausflugsschiff und sollten von zukünftigen Gästen bei der Buchung einkalkuliert werden. Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine bereichernde Alternative zum traditionellen Sonntagsbrunch in Wien.






