McDonnell Douglas MD-11 (Foto: YSSYguy).
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Juristische Aufarbeitung des MD-11-Absturzes: Familien klagen UPS, Boeing und GE Aerospace wegen fahrlässiger Tötung

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Nach dem verheerenden Absturz eines MD-11-Frachtflugzeugs von UPS Airlines im vergangenen Monat bereiten die Familien der Opfer die Einreichung von Klagen wegen fahrlässiger Tötung (wrongful death lawsuit) gegen mehrere verantwortliche Parteien vor. Die Klagen richten sich Berichten zufolge gegen UPS Airlines selbst, den Triebwerkshersteller GE Aerospace sowie den Flugzeughersteller Boeing, als Rechtsnachfolger von McDonnell Douglas, dem ursprünglichen Hersteller der MD-11.

Bei dem tragischen Unfall waren 14 Menschen ums Leben gekommen, darunter die dreiköpfige Crew und elf Personen am Boden, nachdem das linke Triebwerk des Frachters unmittelbar nach dem Start abriss und das Flugzeug in ein Industriegebiet stürzte. Der Zwischenbericht der National Transportation Safety Board (NTSB) enthüllte bereits Hinweise auf Materialermüdung am Flugzeug. Die juristischen Schritte unterstreichen die kritische Debatte über die Sicherheit und das Lebensende älterer Frachtflugzeuge und stellen die Frage, ob die Rentabilität über die Sicherheit der Öffentlichkeit gestellt wurde.

Die Anklagepunkte: Fahrlässigkeit gegen Fluggesellschaft und Hersteller

Die ersten Klagen wegen fahrlässiger Tötung werden von Anwaltskanzleien eingereicht, die die Familien von zwei Opfern des Absturzes vom 4. November vertreten. Konkret vertreten Clifford Law Offices aus Chicago und Sam Aguiar aus Louisville die Familien von Angela Anderson, einer 45-jährigen Mutter und Kundin eines getroffenen Unternehmens, sowie von Trina Chavez, einer 37-jährigen Mutter und Angestellten bei Grade A Auto Parts.

Die Klageschrift erhebt den Vorwurf der Fahrlässigkeit gegen UPS und UPS Air. Darüber hinaus werden GE Aerospace als Hersteller des CFM 6-Triebwerks und Boeing als Nachfolger von McDonnell Douglas, dem ursprünglichen Konstrukteur der MD-11, in die Verantwortung genommen. Ein weiterer Beteiligter ist VT San Antonio Aerospace, das Unternehmen, welches vor dem Absturz Inspektions- und Wartungsarbeiten an der Maschine durchgeführt hatte. Die Kanzlei Clifford Law Offices erklärte, der Rumpf der MD-11 sei „alt, verbraucht und weit über seine Nutzungsdauer hinaus“ gewesen, was die Frage aufwirft, ob Profit über die Sicherheitsstandards gestellt wurde. Bradley Cosgrove von Clifford Law Offices betonte die weitreichenden Auswirkungen des Unglücks auf die betroffene Gemeinschaft: „Wenn sich ein Triebwerk von einem großen Frachtflugzeug beim Start löst und das Flugzeug in einem kilometerweit sichtbaren Feuerball explodiert, ist eine ganze Gemeinschaft betroffen. Unschuldige Leben gehen verloren, Familien werden schwer getroffen.“

Die MD-11 in der juristischen und sicherheitstechnischen Debatte

Die Klagen wegen fahrlässiger Tötung folgen auf eine bereits kurz nach dem Unglück eingereichte Sammelklage gegen UPS, Boeing und GE. Diese ursprüngliche Klage, angeführt von der Kanzlei Morgan & Morgan, thematisierte die erheblichen gesundheitlichen und finanziellen Auswirkungen des Absturzes auf Anwohner und Unternehmen, einschließlich der Inhalation giftiger Rauchgase und der Zerstörung von Existenzen.

Die Sammelklage berief sich auf eine Reihe von früheren Unfällen oder Vorfällen, an denen die MD-11 und das Triebwerk vom Typ GE CFM 6 beteiligt waren. Dazu gehört der Absturz einer FedEx MD-11 in Tokio im Jahr 2009 sowie mehrere sicherheitsrelevante Vorfälle im Zusammenhang mit dem Triebwerk. Kritiker führen seit langem an, dass die MD-11, die ihren Erstflug 1990 absolvierte, eine überdurchschnittlich schlechte Sicherheitsbilanz aufweist. Die Klage führte an, dass die MD-11 mit elf sogenannten „Hull Loss“-Vorfällen (Totalverlust des Flugzeugs) – was über fünf Prozent aller während des zwölfjährigen Produktionszeitraums gebauten Flugzeuge entspricht – die zweitschlechteste Sicherheitsbilanz aller heute noch im Dienst befindlichen Verkehrsflugzeuge aufweise. Die MD-11, die als größter jemals gebauter Dreistrahler bekannt ist, weist komplexe Flugeigenschaften auf, die von den Betreibern die Einführung spezieller Pilotenschulungen erfordert haben.

Die vorläufigen Ermittlungsergebnisse und die Ausmusterungsdiskussion

Die Ermittlungen der NTSB konzentrieren sich auf die Entdeckung von Ermüdungsrissen an dem Wrack. Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Materialversagen eine zentrale Rolle beim Ablösen des Triebwerks vom Flugwerk unmittelbar nach dem Start spielte. Ein Triebwerksabriss ist ein extrem seltener und katastrophaler Vorfall in der modernen Luftfahrt und deutet auf tiefgreifende Mängel in der Wartung, der Konstruktion oder der Betriebsführung hin.

Als unmittelbare Reaktion auf das Unglück und die vorläufigen Ermittlungsergebnisse erließ die Federal Aviation Administration (FAA) eine Notfall-Lufttüchtigkeitsanweisung, die die weltweite Flotte der MD-11 am Boden hielt. Es wird erwartet, dass dieses Flugverbot noch weit in das nächste Jahr hinein andauern wird. Angesichts der potenziellen Schwere und der Kosten für die Behebung der nun aufgedeckten Mängel, die möglicherweise mit der Alterung der Zelle zusammenhängen, wird spekuliert, dass die MD-11 ihren letzten kommerziellen Flug bereits absolviert haben könnte.

Die Zukunft der Frachtflotte

Obwohl die MD-11 nicht mehr als kommerzielles Passagierflugzeug eingesetzt wird – die letzten Passagiermaschinen wurden bereits vor Jahren aus dem Dienst genommen –, ist sie im Frachtsegment weiterhin intensiv genutzt. Vor dem Grounding waren noch rund 60 MD-11F (Frachter) aktiv, die fast ausschließlich von drei großen US-Frachtfluggesellschaften betrieben wurden: FedEx Express (28 Einheiten), UPS Airlines (27 Einheiten) und Western Global Airlines (14 Einheiten).

Der Absturz und die daraus resultierende Notfallanweisung haben die Logistik dieser Frachtriesen massiv gestört und die Debatte über einen beschleunigten Ersatz der alternden Frachtflugzeuge neu entfacht. Die großen Frachtfluggesellschaften verlassen sich traditionell auf umgerüstete Passagierflugzeuge, deren Wartungskosten mit zunehmendem Alter steigen. Das Unglück der UPS MD-11 hat das Sicherheitsrisiko, das mit dem Betrieb von Flugzeugen weit jenseits ihrer ursprünglichen Konzeptionsdauer verbunden ist, drastisch in den Fokus gerückt. Die juristische Aufarbeitung wird nicht nur über Schadensersatzforderungen entscheiden, sondern auch die Standards und die Verantwortung für die Sicherheit in der globalen Frachtluftfahrt neu definieren. Die Frage, wer letztendlich die Verantwortung für die katastrophalen Folgen eines solchen Triebwerksversagens trägt – der Betreiber, der Wartungsdienstleister oder der ursprüngliche Hersteller – wird eine zentrale Rolle in den bevorstehenden Gerichtsverfahren spielen.

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1 Comment

  • claus fabel , 6. Dezember 2025 @ 19:50

    Wenn Ich so einen Mist lese…..die Zelle wird gewartet…..und bestimmte Abschnitte unterliegen limits auch Triebwerke und ihre Teile unterliegen time Limits und Inspektionen….hier sieht es nach einer nicht durchgeführten maintanace Inspektion aus….denn sonst hätte mann den ermüdungsbruch bemerkt…das ganze hat nichts mit dem Alter zu tun

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