Eurocontrol und ACI Europe haben gemeinsam den Leitfaden „Anpassung der europäischen Luftfahrt an den Klimawandel: Leitfaden zur Risikobewertung und Anpassung“ veröffentlicht. Das umfassende Rahmenwerk soll Flughäfen, Fluggesellschaften und Flugsicherungsdiensteanbietern (ANSPs) in Europa als Fahrplan dienen, um die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen.
Trotz der Bestrebungen der europäischen Luftfahrt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen (etwa durch die Initiative DESTINATION 2050), sehen sich die Akteure zunehmend mit operativen Risiken konfrontiert, die durch steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse entstehen. Diese Phänomene bedrohen die Betriebsabläufe, die Integrität der Infrastruktur und die allgemeine Sicherheit.
Raúl Medina, Generaldirektor von Eurocontrol, betonte die strategische Notwendigkeit der Klimaanpassung, da Europa voraussichtlich der sich am schnellsten erwärmende Kontinent sei. Die neuen Leitlinien, die im Rahmen der Eurocontrol-Strategie „Trajectory 2030“ entwickelt wurden, bieten konkrete Handlungsempfehlungen. Diese umfassen unter anderem die Modernisierung der Infrastruktur wie Entwässerungs- und Kühlsysteme, die Verstärkung von Start- und Landebahnen und die Nutzung von naturbasierten Lösungen zur Bewältigung von Hitzestress und Überschwemmungen. Die Stärkung der Resilienz der Betriebsabläufe und Infrastrukturen wird als entscheidender Schritt zur Sicherung der langfristigen Konnektivität und Wettbewerbsfähigkeit Europas gesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Leitfadens liegt auf der operativen Resilienz und dem Ressourcenmanagement. Hierzu zählen die Verbesserung der Flugplanung und -terminierung unter Berücksichtigung von Temperaturextremen und Sturmstörungen sowie die Optimierung der Turbulenzvorhersage und der Notfallvorsorge. Zudem werden Maßnahmen zur Bewältigung von Wasserknappheit und schwankendem Energiebedarf durch effiziente Technologien adressiert. Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe, hob hervor, dass Klimaschutz nun sowohl die Reduzierung von Treibhausgasen als auch die Anpassung der Infrastruktur umfassen müsse. Die Stärkung der Resilienz des Luftfahrtsystems schütze die wesentlichen wirtschaftlichen und sozialen Vorteile der Luftverkehrsanbindung.
Der Leitfaden, der in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der gesamten Luftfahrtbranche entwickelt wurde, schlägt auch strategische Prioritäten vor. Dazu gehört die Integration der Biodiversität zur Steuerung von Wildtierrisiken sowie die Stärkung der Koordination zwischen allen Akteuren – von Flughäfen bis hin zu Flugsicherungsdiensten und externen Partnern. Diese gemeinsame Planung soll die Kontinuität kritischer Dienstleistungen gewährleisten und die Bewältigung sogenannter kaskadierender Klimarisiken ermöglichen. Die Publikation baut auf Vorarbeiten, wie dem Bericht über die Vorbereitung der Luftfahrt auf widrige Winterwetterbedingungen 2023, auf und ist ein wichtiges Instrument für die Zukunftsfähigkeit des europäischen Luftfahrtsektors.