Papierflieger im Flugzeug (Foto: Sebastián León Prado/Unsplash).
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Statistik: Österreicher sind so reiselustig wie nie zuvor

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Die Reiselust der österreichischen Bevölkerung hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut vorläufigen Ergebnissen der Statistik Austria überschritt die Zahl der Urlaubsreisenden im dritten Quartal (Juli bis September) des aktuellen Jahres erstmals die Fünf-Millionen-Marke. Insgesamt verreisten 5,1 Millionen Personen ab 15 Jahren aus Österreich in diesem Zeitraum, was einem Zuwachs von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht.

Generaldirektorin Manuela Lenk von der Statistik Austria bestätigte die signifikant gestiegene Reiseintensität: Fast zwei Drittel (65,5 Prozent) der Wohnbevölkerung unternahmen im Sommer mindestens eine Urlaubsreise ins In- oder Ausland, was eine Steigerung um 1,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Obwohl die Gesamtzahl der Reisen mit 9,43 Millionen nahezu unverändert blieb (ein leichtes Minus von 0,2 Prozent), war eine Verschiebung der Präferenzen festzustellen: Die Reiselust verlagerte sich leicht vom Inland ins Ausland. Die Zahl der Inlandsurlaubsreisen sank um 1,1 Prozent auf 3,93 Millionen, während Auslandsurlaubsreisen um 0,5 Prozent auf 5,5 Millionen anstiegen.

Destinationspräferenzen: Italien und Kroatien führen vor der Steiermark

Die Analyse der beliebtesten Urlaubsziele zeigt eine klare Dominanz südeuropäischer Länder. Obwohl weniger als die Hälfte aller Reisen (41,7 Prozent) innerhalb Österreichs stattfanden, führen Italien und Kroatien das Ranking der meistbesuchten Destinationen an. 13,4 Prozent der österreichischen Urlauber verbrachten ihren Sommerurlaub in Italien, gefolgt von Kroatien mit 9,3 Prozent.

Die Steiermark etablierte sich als beliebtestes inländisches Ziel und belegte im Gesamtranking den dritten Platz mit 7,8 Prozent. Dahinter folgten Deutschland (7,2 Prozent) und Niederösterreich (5,8 Prozent). Die übrigen Plätze in den Top 10 wurden von österreichischen Bundesländern belegt: Oberösterreich (5,5 Prozent), Salzburg (5,3 Prozent), Kärnten (5,2 Prozent), Tirol (4,2 Prozent) und das Burgenland (3,9 Prozent). Dies unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Heimaturlaubs, auch wenn die Tendenz leicht zum Ausland tendiert. Fernere europäische Ziele wie Griechenland (3,6 Prozent) und Spanien (2,9 Prozent) ergänzten die Liste der Top-Destinationen. [Bar chart comparing the top 10 travel destinations]

Das Auto bleibt das bevorzugte Verkehrsmittel der Österreicher für die Sommerreise. Der Anteil der Flugreisen verharrte zwischen Juli und September bei 19,3 Prozent. Auffällig ist jedoch die Zunahme des Zugverkehrs: Der Anteil der Zugreisen erhöhte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent. Dieser Anstieg kann auf verbesserte Zugverbindungen, die vermehrte Attraktivität des Schienenverkehrs für Urlaubsreisen und die zentrale Lage Österreichs im europäischen Bahnnetz zurückgeführt werden.

Tourismus in Österreich: Internationale Nachfrage als Wachstumsmotor

Unabhängig von den Reiseplänen der eigenen Bevölkerung zeigte der heimische Tourismus im Jahr 2024 eine deutliche Erholung und konnte erstmals wieder mehr Gäste anlocken als im Vor-Krisen-Jahr 2019. Eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) bestätigt, dass die Übernachtungszahlen in der Sommersaison 2024 um 3,3 Prozent über dem Niveau von 2019 lagen.

Besonders starke Impulse kamen aus dem internationalen Reiseverkehr, wobei Wien als bedeutender Wachstumsmotor fungierte. Die Nachfrage aus Fernmärkten verzeichnete signifikante Zuwächse: Die Gästezahl aus China stieg um beeindruckende 85,6 Prozent, und die Nachfrage aus Japan erhöhte sich um 32,3 Prozent. Diese Entwicklung ist auf die Wiederaufnahme des Langstreckenverkehrs und gezielte Marketingmaßnahmen in Asien zurückzuführen.

Wettbewerbsfähigkeit und Kostenfaktoren im Inland

Trotz der starken Erholung im Sommer sah sich der österreichische Tourismussektor im Winter 2024/25 mit Herausforderungen konfrontiert. Die Nächtigungsbuchungen in Hotels und Pensionen lagen um 0,7 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018/19. Gleichzeitig gaben Touristen im Winter 14,5 Prozent weniger Geld aus als vor der Pandemie, was auf eine erhöhte Preissensibilität hindeutet.

WIFO-Ökonom und Studienautor Oliver Fritz betonte, dass Österreichs preisliche Wettbewerbsfähigkeit gelitten habe: „Österreich hat als Tourismusland definitiv an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren.“ Der Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), Walter Veit, ergänzte, dass Preissteigerungen im Energie- und Lebensmittelsektor die gesamte Tourismusbranche stark belastet hätten. Die höheren Betriebskosten der heimischen Anbieter führen zu höheren Endverbraucherpreisen, was die Attraktivität im internationalen Vergleich mindert.

Prognose für 2025: Dämpfer durch Zurückhaltung der Hauptmärkte

Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das WIFO mit einer Verlangsamung des Wachstums im österreichischen Tourismus. Die steigenden Preise im Inland und eine generelle Sparsamkeit der Urlauber werden als Hauptgründe genannt.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass weniger Gäste aus den traditionell starken westeuropäischen Herkunftsmärkten, insbesondere Deutschland und den Niederlanden, erwartet werden. Walter Veit von der ÖHV berichtete, dass viele deutsche Urlauber ihren Winterurlaub aufgrund der schwächeren Wirtschaftslage in ihrem Heimatland storniert hätten, was der Branche „sehr weh tut.“ Diese traditionellen Märkte sind für den Wintertourismus in Österreich von existenzieller Bedeutung.

Der Rückgang aus Westeuropa wird jedoch teilweise durch eine erhöhte Gästezahl aus mittel- und osteuropäischen Ländern wie Polen, der Slowakei und Tschechien kompensiert. Dies deutet auf eine geografische Diversifizierung der Herkunftsmärkte hin.

Skiurlaub wird zum Luxusgut

Besonders im alpinen Wintertourismus wird die Preisentwicklung als kritisch angesehen. Oliver Fritz prognostiziert, dass Skifahren mittelfristig zu einem „Luxusurlaub“ werden dürfte, da die Kosten für technische Beschneiung, die aufgrund klimatischer Veränderungen zunehmend notwendig wird, weiter steigen. Diese Kosten werden letztlich an die Konsumenten weitergegeben und könnten die Zugänglichkeit des Wintersports für breitere Bevölkerungsschichten einschränken. Die Kombination aus gestiegenen Betriebskosten, Sparsamkeit der Urlauber und dem Rückgang wichtiger Herkunftsmärkte wie Deutschland stellt den österreichischen Tourismus 2025 vor erhebliche Herausforderungen, um die hohen Wachstumsraten des Sommers 2024 zu halten.

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