Airbus A321neo (Foto: Md Shafinur Rahman/Unsplash).
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IndiGo muss Kapazität kürzen: Indische DGCA ordnet Einschnitt nach operativem Zusammenbruch an

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Die indische Fluggesellschaft IndiGo Airlines hat ihre finanzielle Prognose für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 nach unten korrigiert. Grund dafür ist eine behördliche Anweisung der indischen Zivilluftfahrtbehörde (Directorate General of Civil Aviation – DGCA), die eine Kapazitätskürzung von 10 Prozent und die Entsendung von Aufsichtsteams zur Überwachung der Fluggesellschaft anordnete. Diese umfassende regulatorische Intervention erfolgte als direkte Reaktion auf einen operativen Zusammenbruch, der Anfang Dezember zu massiven Flugstreichungen führte.

In einer behördlichen Mitteilung vom 10. Dezember revidierte IndiGo ihre Wachstumsprognose für die verfügbaren Sitzkilometer (ASK) von einer zuvor avisierten Steigerung im „hohen Zehnerbereich“ auf nunmehr ein Wachstum im „hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich“. Infolgedessen wird nun erwartet, dass der Passagier-Einheitserlös (PRASK) einen Rückgang im „mittleren einstelligen Bereich“ verzeichnen wird, was eine deutliche Abwärtskorrektur gegenüber der zuvor erwarteten „flachen bis leichten Steigerung“ darstellt.

DGCA-Anordnung: 10 Prozent Kürzung der Inlandsflüge

Die Revision der Prognose folgt direkt der Anordnung der DGCA vom 9. Dezember, IndiGo zur Kürzung der geplanten Inlandsflüge für den Winterflugplan 2025 um 10 Prozent zu zwingen. Die Fluggesellschaft bestätigte, dass dieser Einschnitt Auswirkungen auf ihre Kapazitätsprognosen für das dritte Quartal, das vierte Quartal und das gesamte Geschäftsjahr haben wird.

Diese drastische behördliche Maßnahme wurde notwendig, nachdem IndiGo in der ersten Dezemberwoche schätzungsweise 4.500 Flüge annullieren musste. Die massiven Störungen im Flugbetrieb wurden mit der Implementierung neuer Vorschriften für die Flugdienst- und Ruhezeiten (Flight Duty Time Limitations – FDTL) in Verbindung gebracht. IndiGo versicherte, dass der Flugbetrieb seitdem in einem „optimierten“ Netzwerk wiederhergestellt wurde. Die hohe Zahl der Annullierungen in einem so kurzen Zeitraum führte jedoch zu einem massiven Vertrauensverlust und erheblichen Beeinträchtigungen für die Reisenden.

Umfassende behördliche Überwachung und Sofortmaßnahmen

Gleichzeitig mit der Kapazitätskürzung hat die indische Regulierungsbehörde ein achtköpfiges Aufsichtsteam eingesetzt, um die Erholung des Carriers zu überwachen. Zwei Mitglieder dieses Teams sowie weitere Beamte werden am Hauptsitz von IndiGo in Gurugram stationiert sein, um zentrale operative Parameter zu überprüfen. Dazu gehören die Flottenverfügbarkeit, die Nutzung der Besatzung, ungeplante Urlaubstage des Personals sowie der Status der Passagierrückerstattungen.

Darüber hinaus ordnete die DGCA sofortige Vor-Ort-Inspektionen an elf Flughäfen an. Ziel dieser Inspektionen ist es, die Sicherheit, die Passagierabfertigung und die Reaktionsfähigkeit der Fluggesellschaft an den jeweiligen Standorten zu bewerten. Die betroffenen Flughäfen umfassen Nagpur, Jaipur, Bhopal, Surat, Tirupati, Vijayawada, Shirdi, Kochi International, Lucknow, Amritsar und Dehra Dun. [Map showing the location of the 11 audited airports in India]

Die DGCA hat den CEO von IndiGo, Pieter Elbers, für den 11. Dezember vorgeladen, um umfassende Daten zu den Störungen zu präsentieren. Auch gegen Elbers und andere leitende Angestellte wurden offizielle Anhörungen (Show-Cause Notices) eingeleitet, die darauf abzielen, die Verantwortung für den operativen Zusammenbruch zu klären.

Um die unmittelbaren operativen Engpässe zu entschärfen und die Stabilität des Flugplans wiederherzustellen, gewährte die Aufsichtsbehörde der Fluggesellschaft eine befristete Ausnahme von bestimmten FDTL-Normen für ihre A320-200-Piloten bis zum 10. Februar 2026. Diese temporäre Maßnahme soll sicherstellen, dass genügend Piloten zur Verfügung stehen, um den reduzierten Flugplan sicher abwickeln zu können.

Konkurrenz nutzt die Gunst der Stunde

Der erzwungene Kapazitätseinschnitt bei IndiGo, dem dominierenden Akteur im indischen Inlandsflugverkehr, schafft ein Vakuum, das der Wettbewerb sofort zu füllen sucht. Der 10-prozentige Einschnitt in IndiGos Flugplan entspricht der Freisetzung von ungefähr 110 täglichen Flügen.

Der Konkurrent SpiceJet (SG, Delhi International) hat umgehend eine „große Winteroffensive“ angekündigt, um die entstandene Kapazitätslücke zu nutzen. In einer von lokalen Medien zitierten Erklärung legte der Carrier Pläne zur Hinzufügung von bis zu 100 täglichen Flügen während des laufenden Winterflugplans vor, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung. SpiceJet begründet diesen Schritt mit der „starken und wachsenden Nachfrage auf Schlüsselstrecken“ und zielt darauf ab, die Netzwerksicherheit zu verbessern.

SpiceJet hatte bereits vor der Ankündigung der DGCA damit begonnen, seine Kapazitäten auszubauen, indem im laufenden Quartal über 20 Flugzeuge durch eine Mischung aus damp leases (Anmietung von Flugzeugen mit teilweiser Besatzung) und Reaktivierungen wieder in Betrieb genommen wurden. Die schnelle Reaktion von SpiceJet unterstreicht die hohe Wettbewerbsintensität auf dem indischen Markt, auf dem die operative Schwäche eines Marktführers sofort von den Rivalen ausgenutzt wird. Die DGCA muss nun die Expansion von SpiceJet genehmigen und sicherstellen, dass die Kapazitätsverschiebung nicht zu neuen Sicherheitsrisiken oder operativen Problemen bei anderen Anbietern führt.

Der Vorfall bei IndiGo ist ein deutliches Signal für die Notwendigkeit robuster operativer Prozesse und einer strikten Einhaltung der nationalen und internationalen Vorschriften. Die direkte Einmischung der DGCA in die Geschäftsführung von IndiGo, einem der größten Low-Cost-Carrier der Welt, zeigt die Ernsthaftigkeit, mit der die indische Aufsichtsbehörde auf operative Mängel reagiert, die das gesamte Luftverkehrssystem destabilisieren könnten.

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