Lockheed Martin F-35 (Foto: U.S. Air Force photo by Master Sgt. Donald R. Allen).
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Budgetäre Realitäten zwingen die Schweiz zur Reduktion des F-35-Kaufvolumens

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Die Schweizerische Eidgenossenschaft sieht sich gezwungen, die geplante Beschaffung des US-amerikanischen Tarnkappenjets F-35A Lightning II zu reduzieren. Der Entscheid des Bundesrates vom 12. Dezember 2025 markiert einen Wendepunkt in einem der politisch heikelsten Rüstungsgeschäfte der jüngeren Schweizer Geschichte. Hauptgrund für die Korrektur sind absehbare Mehrkosten, die primär auf Preissteigerungen seitens des Herstellers in den Vereinigten Staaten zurückgeführt werden.

Da der vom Volk in der Abstimmung von 2020 festgelegte Finanzrahmen von sechs Milliarden Schweizer Franken bindend bleibt, muss die Anzahl der zu beschaffenden Kampfflugzeuge gesenkt werden, um eine Budgetüberschreitung und die damit verbundene Notwendigkeit eines Zusatzkredits zu vermeiden. Bern reagiert damit auf die finanziellen Realitäten, wahrt gleichzeitig den Volkswillen und versucht, die anhaltende politische Kontroverse um das Flugzeugmuster zu entschärfen. Die genaue Zahl der nun bestellten Jets ist noch offen, doch wird erwartet, dass die Schweizer Luftwaffe vorerst deutlich weniger als die ursprünglich vorgesehenen 36 Maschinen erhalten wird. Die Reduktion stellt die langfristige Luftverteidigungsstrategie des Landes vor neue Herausforderungen.

Das Air2030-Programm und die vielbeachtete Auswahl

Die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge ist Teil des umfassenden Rüstungsprogramms Air2030, das darauf abzielt, die alternden Flotten der F/A-18C/D Hornet und der F-5 Tiger der Schweizer Luftwaffe zu ersetzen. Nach einem aufwendigen und international beachteten Evaluationsverfahren unter der Leitung der Rüstungsbehörde Armasuisse fiel die Wahl des Bundesrates im Juli 2021 auf den F-35A von Lockheed Martin.

In der technischen Evaluation setzte sich der F-35A gegen seine europäischen Konkurrenten, den Eurofighter von Airbus und die Rafale von Dassault, sowie gegen den F/A-18 Super Hornet von Boeing durch. Ausschlaggebend für den US-Jet war laut den damaligen Behörden die Kombination aus höchster Wirksamkeit, modernstem Produktsupport und einem überzeugenden Kosten-Nutzen-Verhältnis. Insbesondere der technologische Vorsprung des F-35A durch seine Tarnkappen-Eigenschaften und die sogenannte Sensorfusion, die Piloten ein überlegenes Situationsbewusstsein verschafft, wurde als entscheidend erachtet. Der Bundesrat argumentierte, dass der Jet der fünften Generation im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen die Luftraumüberwachung und den Schutz vor Angriffen am besten und auf die längste Zeit gewährleisten könne. Obwohl das Ergebnis des Wettbewerbs von verschiedenen Seiten, insbesondere aus Frankreich und Deutschland, kritisch hinterfragt wurde, hielt Bern am Resultat fest.

Der Streit um den vermeintlichen Festpreis

Kern des aktuellen Dilemmas ist ein tiefgreifendes Missverständnis beziehungsweise ein vertraglicher Dissens über die Preisgestaltung. Die Schweizer Behörden waren bei der Bekanntgabe des Kaufs im Jahr 2021 davon ausgegangen, die 36 Jets zu einem Festpreis von sechs Milliarden Franken erwerben zu können. Diese Summe stellte die Obergrenze des vom Volk genehmigten Kredits dar.

Die US-Regierung als Vertragspartner im sogenannten Foreign Military Sales-Verfahren widersprach dieser Interpretation jedoch später vehement. Washington machte geltend, dass lediglich bestimmte Elemente des Vertrages preislich fixiert seien, nicht aber die Gesamtkosten des Programms, die sich über die Jahre der Lieferung erstrecken. Als Ursachen für die Preissteigerungen wurden unter anderem die hohe Inflationsrate in den USA, stark gestiegene Rohstoffpreise und allgemeine Kostenfaktoren im globalen Rüstungsmarkt genannt. Experten gingen im Laufe des Jahres 2025 von Mehrkosten in einer Spanne zwischen 650 Millionen und 1,3 Milliarden Franken aus.

Der Festpreisstreit eskalierte im Jahr 2025 und führte zu intensiven internen Prüfungen in Bern sowie Gesprächen mit der US-Regierung. Rechtliche Gutachten, die die Schweizer Regierung beauftragte, legten zwar dar, dass die Vereinbarung grundsätzlich verbindlich sei und Preisanpassungen nur unter engen Ausnahmen zulässig wären. Doch die Haltung der US-Behörden, dass die Schweiz alle anfallenden Kosten zu tragen hätte, da Washington den Jet selbst nur zu dem Preis weiterverkaufe, den es bezahle, machte deutlich, dass Bern den politischen Konflikt und das finanzielle Risiko eines Rechtsstreits scheute.

Die Wahl der Reduktion und politische Reaktionen

Angesichts der Verweigerung eines Zusatzkredits durch das Parlament und der politischen Sensibilität, die Frage der Finanzierung erneut dem Volk vorzulegen, entschied sich der Bundesrat für den Weg der Reduktion. Die offizielle Mitteilung vom 12. Dezember 2025 besagt, dass lediglich die «maximal mögliche Anzahl» F-35A innerhalb des sechs Milliarden Franken umfassenden Budgets beschafft werde. Die Entscheidung vermeidet die Gefahr einer neuen Volksabstimmung, die das gesamte Beschaffungsprogramm hätte kippen können, da der Rückhalt in der Bevölkerung bereits im Vorfeld der Entscheidung deutlich bröckelte.

Zahlreiche Medien spekulieren, dass die neue Zahl der Flugzeuge bei etwa 30 statt 36 liegen könnte. Die Reduktion der Stückzahl hat direkte Auswirkungen auf die Schweizer Industrie. So sah der ursprüngliche Plan sogenannte Offset-Geschäfte vor, die eine Teilendmontage und das Testen von vier F-35A bei der RUAG in der Schweiz, als Teil des Projekts Rigi, vorsahen. Diese Gegengeschäfte sollten dazu dienen, wichtiges Know-how im Zusammenhang mit dem Kampfflugzeug der fünften Generation im Inland aufzubauen und die Unabhängigkeit bei der Instandhaltung zu stärken. Eine Reduktion des Auftragsvolumens schmälert jedoch das Volumen der möglichen Gegengeschäfte. Der Bundesrat lehnte eine Teilkompensation der Mehrkosten über den Verzicht auf diese Offset-Geschäfte ab, um die angestrebte Stärkung der Instandhaltung nicht weiter zu gefährden.

Die politische Landschaft reagierte gespalten. Befürworter aus bürgerlichen Kreisen, wie Teile der SVP, zeigten sich enttäuscht und sprachen von einem mutlosen Entscheid, der die Glaubwürdigkeit der Landesverteidigung schwäche. Linke und pazifistische Kreise hingegen, die den F-35-Kauf von Anfang an kritisiert hatten, erneuerten ihre Forderung nach einem sofortigen Abbruch des gesamten Vertrages. Sie argumentieren, die steigenden Kosten und die Abhängigkeit von den USA untergrüben die Glaubwürdigkeit der ursprünglichen Beschaffungsentscheidung und die Neutralität des Landes.

Handelskonflikte als politischer Schatten

Die Kostenproblematik des F-35-Deals spielte sich vor dem Hintergrund breiterer geopolitischer und wirtschaftlicher Spannungen zwischen Bern und Washington ab. Früher im Jahr 2025 hatte die US-Regierung im Zuge eines Handelsstreits zeitweise Strafzölle auf Schweizer Exporte verhängt. Obwohl die beiden Länder die Zollmassnahmen später entschärften, heizte die Episode die politische Kritik in der Schweiz zusätzlich an. Viele Stimmen aus dem politischen Spektrum sahen die Situation als ungünstig an, einen Rüstungskauf von dieser Grössenordnung bei einem Partner zu tätigen, der gleichzeitig wirtschaftlichen Druck auf das Land ausübte.

Die Erfahrung des Handelsstreits verstärkte die Rufe nach einer Neubeurteilung der sicherheitspolitischen Abhängigkeit von US-Verteidigungslieferanten und förderte die Diskussion über eine stärkere militärische Zusammenarbeit mit europäischen Partnern. Trotz dieser Bedenken hält der Bundesrat am F-35 fest, unter anderem mit dem Verweis darauf, dass bereits 13 andere europäische Staaten auf das US-Kampfflugzeug setzen.

Ausblick und langfristige Verteidigungsstrategie

Trotz der Reduktion der Stückzahl bleibt die strategische Einführung des F-35A in die Schweizer Luftwaffe unverändert geplant. Die ersten Lieferungen sollen weiterhin ab dem Jahr 2027 erfolgen. Die Flugzeuge werden zunächst in den USA produziert, bevor spätere Jets in der Finalmontagelinie (FACO) im italienischen Cameri endmontiert werden, was die logistische und technische Anbindung an europäische Partner erleichtert.

Schweizer Verteidigungsstellen betonen, dass der F-35 auch in geringerer Stückzahl zentral für die langfristige Luftverteidigungsstrategie bleibt. Allerdings ist den Behörden bewusst, dass die reduzierte Flottengröße voraussichtlich nicht ausreichen wird, um die in strategischen Berichten definierten operativen Anforderungen langfristig zu erfüllen. Ein Bericht aus dem Jahr 2017 legte bereits einen Bedarf von 55 bis 70 modernen Kampfflugzeugen nahe, um die umfassende Luftverteidigung gegen aktuelle Bedrohungslagen sicherzustellen.

Der Bundesrat hat daher die Tür für zukünftige, separate Beschaffungen offen gelassen. Das Verteidigungsdepartement wurde beauftragt, die Bedürfnisse zu priorisieren und die Option einer späteren Aufstockung der luftgestützten Mittel zu prüfen. Dabei sollen auch technologische Entwicklungen wie Kampfflugzeuge der sechsten Generation und die Abhängigkeit von den Herstellern berücksichtigt werden. Über eine allfällige weitere Beschaffung von F-35-Jets zur Erreichung der ursprünglich geplanten Stückzahl von 36 oder mehr müsste jedoch in den kommenden Jahren erneut das Parlament und gegebenenfalls das Stimmvolk befinden.

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