Fluggastbrücke in Düsseldorf (Foto: Jan Gruber).
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Strategiewechsel am Flughafen Düsseldorf: Fokus auf operative Flexibilität statt Kapazitätserweiterung

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Der Flughafen Düsseldorf, nach Frankfurt, München und Berlin-Brandenburg die viertgrößte Luftverkehrsdrehscheibe Deutschlands, vollzieht eine grundlegende strategische Neuausrichtung seiner langfristigen Entwicklungsplanung. Nachdem das Unternehmen über Jahre hinweg eine Kapazitätserweiterung und die Aufhebung der bisherigen Obergrenzen für Flugbewegungen angestrebt hatte, wurden diese Pläne nun offiziell revidiert. In einem aktuellen Antrag an das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium verzichtet der Flughafen auf zusätzliche Starts und Landungen über das bestehende Maß hinaus.

Stattdessen setzt das Management unter der Leitung von Flughafenchef Lars Redeligx auf eine höhere Effizienz innerhalb der bereits genehmigten Kontingente. Geplant ist eine Erhöhung der stündlichen Flugbewegungen in Spitzenzeiten von 47 auf 60, während die strikte Deckelung von 131.000 Bewegungen in der verkehrsreichsten Jahreshälfte sowie das Nachtflugverbot bestehen bleiben. Diese Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf die fundamentalen Veränderungen in der globalen Luftverkehrsbranche seit dem Jahr 2020 und zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit durch operative Flexibilität zu sichern.

Abkehr von den Expansionsplänen vergangener Jahre

Die Geschichte der Düsseldorfer Ausbaupläne reicht bis in das Jahr 2015 zurück. Damals hatte der größte Flughafen Nordrhein-Westfalens beantragt, die bis heute gültige Obergrenze von 131.000 Flugbewegungen für die sechs betriebsreichsten Monate des Jahres (Mai bis Oktober) aufzuheben. Das Ziel war ein nahezu unbegrenztes Wachstum, um der damals stetig steigenden Nachfrage im europäischen Luftverkehr gerecht zu werden und die Position als wichtigstes Tor zum bevölkerungsreichsten Bundesland zu festigen. Der Flughafen wollte sich damit Kapazitätsspielräume schaffen, die über die bestehenden Genehmigungen weit hinausgingen.

Die geopolitischen und wirtschaftlichen Umbrüche der letzten Jahre, insbesondere die Auswirkungen der Corona-Pandemie, haben die Rahmenbedingungen für den Luftverkehr jedoch dauerhaft verschoben. Die Erholung des Marktes verläuft differenzierter als ursprünglich prognostiziert, und viele Fluggesellschaften haben ihre Netzwerke konsolidiert. Vor diesem Hintergrund kam der Flughafen Düsseldorf zu der Erkenntnis, dass ein grenzenloses Wachstum der Flugbewegungen derzeit weder realistisch noch operativ zwingend erforderlich ist, um die Marktführerschaft in der Region zu behaupten. Mit dem neuen Antrag beim Landesverkehrsministerium vollzieht das Unternehmen nun die formale Kehrtwende und passt seine Genehmigungslage an die aktuelle Realität an.

Optimierung der stündlichen Abwicklungskapazitäten

Im Kern des neuen Antrags steht der Wunsch nach einer besseren Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur. Düsseldorf verfügt über ein System aus zwei Start- und Landebahnen, das jedoch durch komplexe rechtliche Vorgaben in seiner Nutzung eingeschränkt ist. Bislang dürfen pro Stunde lediglich 47 Flugbewegungen koordiniert werden. Der Flughafen strebt nun eine Anhebung auf 60 Bewegungen pro Stunde an. Diese Maßnahme soll vor allem in den verkehrsstarken Morgen- und Abendstunden dazu beitragen, Verspätungen abzubauen und den Fluggesellschaften verlässlichere Zeitfenster (Slots) anzubieten.

Eine solche Steigerung der stündlichen Kapazität bedeutet jedoch keine Erhöhung der Gesamtzahl der Flüge pro Jahr. Vielmehr geht es darum, die bereits genehmigten Flüge in kürzerer Zeit abzuwickeln, um die Pünktlichkeit zu erhöhen und die Betriebsabläufe zu glätten. Für den Flughafen bedeutet dies eine deutliche Effizienzsteigerung, da die Bodenabfertigung und die logistischen Prozesse präziser getaktet werden können. CEO Lars Redeligx betonte, dass durch die Beibehaltung der Kapazitätsobergrenze ein verlässlicher Rahmen für die Region geschaffen werde, während gleichzeitig die Modernisierung der Flotten durch die Airlines zu einer Optimierung des Flugbetriebs führe.

Verschiebungen innerhalb des Bestandskontingents

Ein weiterer wichtiger Aspekt des neuen Konzepts betrifft die Verteilung der Flugbewegungen zwischen den verschiedenen Verkehrsarten. Bisher ist ein fester Teil des Kontingents für die sogenannte Allgemeine Luftfahrt reserviert. Dazu zählen Ambulanzflüge, Privatjets, Werksverkehr und sonstige nicht-liniengebundene Flüge. Der Flughafen plant nun, dieses reservierte Kontingent zugunsten des Linien- und Charterverkehrs zu verringern.

Durch diese Umschichtung stünden den Passagiermaschinen der großen Fluggesellschaften effektiv mehr Bewegungen innerhalb der maximal erlaubten 131.000 Starts und Landungen im Halbjahr zur Verfügung. Für den Standort ist dies strategisch sinnvoll, da der Passagierverkehr das wirtschaftliche Rückgrat des Flughafens bildet und die Anbindung der Wirtschaft an internationale Drehkreuze sichert. Privat- und Werkflüge könnten dadurch tendenziell auf andere Flughäfen in der Region ausweichen oder müssten sich in die verbleibenden Zeitfenster einfügen.

Aktuelle Verkehrszahlen und wirtschaftlicher Kontext

Trotz der strategischen Neuausrichtung bleibt der Flughafen Düsseldorf ein hochfrequentierter Verkehrsstandort. Im laufenden Jahr verzeichnete der Airport nach elfeinhalb Monaten bereits mehr als 155.000 Flugbewegungen insgesamt. Dies verdeutlicht, dass die viel diskutierte Grenze von 131.000 Bewegungen lediglich für den spezifischen Sechs-Monats-Zeitraum der Sommersaison gilt und nicht das gesamte Kalenderjahr umfasst. Dennoch liegt der Flughafen aktuell ein deutliches Stück unter dem theoretischen Kapazitätsdeckel, was den Spielraum für die beantragten Flexibilisierungen untermauert.

Die Entscheidung, auf eine reine Mengenerweiterung zu verzichten, wird in Branchenkreisen auch als Zeichen der Konsolidierung gewertet. Statt auf schiere Größe setzt Düsseldorf auf die Qualität der Abwicklung. Das Festhalten am Nachtflugverbot von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr unterstreicht zudem den Versuch des Managements, Planungssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten und langwierige juristische Auseinandersetzungen mit Anrainern und Kommunen zu vermeiden, die bei einem massiven Ausbauantrag unvermeidbar gewesen wären.

Für das Landesverkehrsministerium in Nordrhein-Westfalen stellt der neue Antrag eine Entlastung dar, da er weit weniger konfliktträchtig ist als die ursprünglichen Pläne von 2015. Es ist zu erwarten, dass die Genehmigung der beantragten Flexibilisierungen den Flughafen Düsseldorf in die Lage versetzt, seine Rolle als zentraler Infrastrukturknotenpunkt im bevölkerungsreichsten Bundesland auch unter den veränderten Bedingungen des globalen Luftverkehrsmarktes stabil fortzuführen.

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