Die Lufthansa Group hat ein umfangreiches Modernisierungsprogramm für ihre bestehende Kurz- und Mittelstreckenflotte angekündigt. Ab dem Jahr 2026 werden insgesamt 134 Flugzeuge des Typs Airbus A320 mit dem digitalen Kommunikationssystem FANS-C ausgestattet. Diese Maßnahme ergänzt die bereits laufende Ausrüstung von Neuauslieferungen und zielt darauf ab, die Koordination zwischen dem Cockpit und der Flugsicherung durch einen automatisierten Datenaustausch grundlegend zu optimieren. Bis zum Jahr 2028 sollen knapp 200 Maschinen der A320-Familie innerhalb des Konzerns über diese Technologie verfügen, was die Fluggesellschaft zu einem frühen Anwender dieses Systems in Europa macht.
Technischer Kern der Umrüstung ist das Verfahren ADS-C EPP (Automatic Dependent Surveillance – Contract Extended Projected Profile). Hierbei übermittelt das Flight Management System des Flugzeugs kontinuierlich sogenannte 4D-Flugbahndaten an die Bodenstationen der zuständigen Flugsicherungsstellen. Diese Informationen umfassen präzise Angaben zu Position, Höhe und Kurs sowie die zeitliche Komponente des geplanten Flugwegverlaufes. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen ermöglicht diese Echtzeit-Übertragung eine deutlich exaktere Vorausberechnung der Flugbewegungen im Luftraum. Die Flugsicherung erhält dadurch eine verlässliche Grundlage, um die Staffelung der Flugzeuge effizienter zu gestalten und die Kapazitäten des Luftraums besser auszunutzen.
Die Implementierung erfolgt im Kontext des europäischen Forschungsprojekts SESAR (Single European Sky ATM Research), welches die Harmonisierung des europäischen Luftraums vorantreibt. Der Luftraum über Maastricht, kontrolliert durch das Maastricht Upper Area Control Centre (MUAC), ist bereits für die Nutzung dieser Daten zertifiziert und fungiert als Vorreiter. Durch die vorzeitige Umrüstung der Bestandsflotte geht das Unternehmen über die gesetzlichen Anforderungen der Europäischen Union hinaus, die eine entsprechende Ausrüstung erst ab 2028 für alle neu ausgelieferten Flugzeuge sowie die entsprechenden Bodensysteme vorschreibt. Die Europäische Kommission unterstützt das Vorhaben finanziell mit bis zu 50 Prozent der Kosten über das Förderprogramm Connecting Europe Facility.
Operativ verspricht sich die Fluggesellschaft durch die optimierte Flugwegführung eine Steigerung der Pünktlichkeit und eine signifikante Reduzierung von Warteschleifen in hochfrequentierten Gebieten. Die präziseren Daten erlauben es den Fluglotsen, den Maschinen direktere Routen zuzuweisen und potenzielle Konflikte im Flugweg frühzeitig zu erkennen. Die Technologie ist derzeit für die Airbus-Modelle der A320-Serie sowie für den Airbus A330neo verfügbar. Mit diesem Schritt bereitet sich die Lufthansa Group auf die Einführung der sogenannten Trajectory Based Operations vor, bei denen Flugwege während des gesamten Fluges dynamisch an die tatsächlichen Verkehrsbedingungen angepasst werden können.