Airbus A319 (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
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Niceair kündigt Flugbetrieb für Februar 2026 an

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In der isländischen Luftfahrt zeichnet sich eine überraschende Rückkehr ab. Unter dem bekannten Markennamen Niceair plant ein neues Unternehmen, den Flugbetrieb vom nordisländischen Flughafen Akureyri bereits im Februar 2026 wieder aufzunehmen.

Nach dem Scheitern des ursprünglichen Projekts im Jahr 2023, das aufgrund von Problemen mit dem Leasingpartner nach nur einem Jahr Betrieb eingestellt werden musste, setzt der neue Anlauf auf ein grundlegend verändertes Geschäftsmodell. Martin Michael, der neue Geschäftsführer von Niceair 2.0, stellte das Konzept im Luftfahrtmuseum von Akureyri vor und betonte dabei eine Strategie des langsamen, aber stetigen Wachstums. Finanziert durch die deutsche Familiengesellschaft Whitesharkgroup, soll das Unternehmen nicht nur Island mit dem europäischen Festland verbinden, sondern künftig auch Flugdienste innerhalb Kontinentaleuropas, insbesondere von Deutschland aus, anbieten. Der Ticketverkauf für die ersten Verbindungen nach Kopenhagen ist bereits angelaufen, wobei das Unternehmen zunächst auf Flexibilität durch kurzfristige Chartervereinbarungen setzt, um die wirtschaftlichen Risiken zu minimieren und eine solide Basis für einen ganzjährigen Flugplan zu schaffen.

Strategiewechsel und operative Flexibilität

Der Kern des neuen Geschäftskonzepts unterscheidet sich grundlegend von der gescheiterten Vorgängergesellschaft. Während das alte Unternehmen auf langfristige Leasingverträge und ein fest stationiertes Flugzeug setzte, das speziell im Niceair-Design lackiert war, wählt die neue Führung unter Martin Michael einen deutlich vorsichtigeren Weg. Um die hohen Fixkosten zu vermeiden, die bei einer geringen Auslastung schnell zum wirtschaftlichen Kollaps führen können, wird Niceair 2.0 zunächst keine eigenen Flugzeuge langfristig leasen oder unter eigenem Zertifikat betreiben.

Stattdessen plant das Unternehmen, Kapazitäten flexibel von ausländischen Partnern anzumieten. Für die ersten Flüge im Februar 2026 wurde bereits eine Vereinbarung mit der dänischen Chartergesellschaft Air Seven getroffen. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Management, die Flugzeuggröße und die Frequenz der Flüge präzise an die tatsächliche Nachfrage anzupassen. Michael betonte, dass es wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, feste Flugpläne mit zwei wöchentlichen Verbindungen zu garantieren, wenn die Auslastung lediglich bei 30 bis 40 Prozent liege. Die Vermeidung von halbleeren Maschinen stehe an erster Stelle, um eine nachhaltige Profitabilität zu gewährleisten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Qualität des Flugerlebnisses, das dem Namen der Marke entsprechend besonders angenehm gestaltet werden soll.

Finanzierung und Hintergrund der neuen Eigentümer

Hinter dem Neustart steht das deutsche Familienunternehmen Whitesharkgroup. Laut Angaben der Geschäftsführung erfolgt die Finanzierung vollständig durch Eigenkapital dieser Gruppe. Martin Michael verfügt nach eigenen Aussagen über jahrzehntelange Erfahrung in der Tourismus- und Luftfahrtbranche, räumte jedoch ein, dass ein Flugbetrieb in dieser speziellen Konstellation auch für sein Team Neuland darstelle. Die Entscheidung, den Markennamen Niceair trotz der turbulenten Vergangenheit beizubehalten, begründete Michael mit der internationalen Strahlkraft des Namens. Die Marke sei positiv besetzt, weltweit verständlich und transportiere ein sympathisches Image, das perfekt zu Island passe.

Die Ambitionen der neuen Eigentümer beschränken sich jedoch nicht nur auf den isländischen Markt. Langfristig soll Niceair als Marke auch auf dem europäischen Festland etabliert werden. Insbesondere der deutsche Markt spielt in den Überlegungen eine zentrale Rolle. Von dort aus sollen Flüge innerhalb Europas koordiniert werden, was dem Unternehmen ein zweites Standbein abseits der saisonal schwankenden Nachfrage im Island-Tourismus sichern könnte. Die Diversifizierung des Streckennetzes wird als notwendiger Schritt angesehen, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Herausforderungen am Standort Akureyri

Akureyri, die inoffizielle Hauptstadt des isländischen Nordens, gilt als schwieriges Pflaster für internationale Direktverbindungen. Trotz des Interesses der lokalen Bevölkerung und der Tourismuswirtschaft an einer direkten Anbindung nach Europa, kämpften bisherige Anbieter stets mit der Saisonalität. Während die Sommermonate eine hohe Nachfrage durch Touristen generieren, bricht das Aufkommen im Winter oft massiv ein. Niceair 2.0 plant, diesem Muster mit einem ganzjährigen Flugplan nach Kopenhagen entgegenzuwirken, sobald die Anfangsphase erfolgreich abgeschlossen ist.

Der Ticketpreis für die ersten Flüge wurde mit rund 400 Euro für einen Hin- und Rückflug angegeben. Dieser Preis liegt im oberen Segment für europäische Kurzstrecken, wird aber mit der Exklusivität der Direktverbindung ab Nordisland begründet. Das Management geht davon aus, dass die Zeitersparnis gegenüber einer Reise über den internationalen Flughafen Keflavík im Südwesten des Landes für viele Reisende ein entscheidendes Argument darstellt. Dennoch ist sich Michael der Skepsis in der Bevölkerung bewusst. Nach dem plötzlichen Aus der ersten Niceair-Gesellschaft im Jahr 2023 ist das Vertrauen der isländischen Kunden erschüttert. Der neue Geschäftsführer sieht seine Hauptaufgabe darin, dieses Vertrauen durch Transparenz und eine zuverlässige operative Leistung schrittweise zurückzugewinnen.

Zukunftsaussichten und Marktpositionierung

Für den Sommer 2026 kündigte das Unternehmen die Präsentation eines erweiterten Flugplans an. Das Ziel ist eine stabile Verbindung nach Kopenhagen zweimal pro Woche. Neben der dänischen Hauptstadt werden auch andere Ziele in Europa geprüft, wobei die Entscheidung maßgeblich von der Entwicklung der Charterkosten und der Buchungslage abhängen wird. Die isländische Medienlandschaft verfolgt das Projekt mit großem Interesse, da eine stabile Anbindung des Nordens für die regionale Wirtschaftsentwicklung von hoher Bedeutung ist.

Die Strategie, klein anzufangen und die Kapazitäten bei Bedarf zu skalieren, könnte sich in dem volatilen Marktumfeld der Luftfahrt als Vorteil erweisen. Niceair 2.0 positioniert sich nicht als Billigflieger, sondern als Nischenanbieter, der durch Flexibilität und regionalen Fokus punktet. Ob das Modell der virtuellen Fluggesellschaft ohne eigene Flotte langfristig erfolgreich sein wird, hängt vor allem von der Zuverlässigkeit der Partner-Airlines und der Akzeptanz der Preisgestaltung durch die Kunden ab. Der Startschuss im Februar wird als erster wichtiger Testlauf für die Tragfähigkeit des Konzepts gewertet.

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