Der weltweit führende Touristikkonzern Tui hat bereits im Dezember 2025 die Buchungssysteme für die Wintersaison 2026/2027 geöffnet. Mit dieser Entscheidung reagiert das Unternehmen auf ein signifikant verändertes Buchungsverhalten der Konsumenten, die ihre Reiseplanungen zunehmend langfristiger gestalten.
Der neu vorgestellte Flugplan der konzerneigenen Fluggesellschaft Tuifly umfasst insgesamt 16 Direktziele in Europa und Nordafrika und stellt ein Gesamtkapazitätsvolumen von rund 1,3 Millionen Sitzplätzen bereit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Kanarischen Inseln, Ägypten und den Kapverden, die als tragende Säulen des Wintergeschäfts fungieren. Neben den reinen Flugverbindungen wurden zeitgleich auch die Kapazitäten der exklusiven Hotelmarken wie Robinson, Magic Life und Tui Blue freigeschaltet. Diese frühe Marktöffnung ermöglicht es Urlaubern, bereits jetzt Reisen bis in das Frühjahr 2027 hinein fest zu terminieren, was dem Konzern eine frühzeitige Planungssicherheit und eine optimale Auslastung der Flugzeugflotte sowie der eigenen Hotelimmobilien sichert.
Langfristige Reiseplanung als neuer Markttrend
Die Entscheidung, den Winterflugplan für die übernächste Saison bereits weit über ein Jahr im Voraus zur Buchung freizugeben, basiert auf detaillierten Marktanalysen. Laut Steffen Boehnke, Produktchef bei Tui, nutzen immer mehr Kunden die Zeit rund um das Weihnachtsfest, um nicht nur den kommenden Sommer, sondern bereits die ferne Wintersaison und sogar die Osterferien des darauffolgenden Jahres zu organisieren. Dieser Trend zur extremen Langfristplanung ist vor allem bei Familien und Stammgästen der Premium-Marken wie Robinson zu beobachten. Diese Kundengruppe legt gesteigerten Wert auf die Verfügbarkeit spezifischer Zimmerkategorien und bevorzugte Flugzeiten, die bei kurzfristigen Buchungen oft bereits vergriffen sind.
Für den Reisekonzern bietet die frühe Freigabe zudem einen wirtschaftlichen Vorteil in der Liquiditätssteuerung. Frühbucher leisten Anzahlungen, die zur Stabilisierung des Cashflows beitragen. Gleichzeitig erlaubt die Datenauswertung der frühen Buchungseingänge eine präzisere Feinjustierung des Flugplanes. Sollten sich bestimmte Destinationen als überdurchschnittlich erfolgreich erweisen, bleibt genügend zeitlicher Vorlauf, um Kapazitäten durch Zukäufe oder Umstationierungen von Maschinen anzupassen.
Hannover als zentrales Drehkreuz der Winteroperationen
Ein wesentlicher Eckpfeiler des neuen Flugplans ist der Flughafen Hannover, der als Heimatbasis von Tuifly fungiert. Mit rund 370.000 Sitzplätzen auf 84 wöchentlichen Flügen festigt der Standort seine Position als stärkster Abflughafen im Netzwerk. Um der massiven Nachfrage nach Zielen in der Sonne gerecht zu werden, hat die Airline entschieden, ein zusätzliches Flugzeug dauerhaft am Standort Hannover zu stationieren. Von hier aus werden die beliebtesten Ziele wie Gran Canaria und Teneriffa täglich bedient, während Fuerteventura, Hurghada und Mallorca mehrfach wöchentlich auf dem Programm stehen.
Diese Konzentration auf regionale Schwerpunkte ermöglicht effiziente Umlaufplanungen der Flugzeuge und reduziert die operativen Kosten pro Sitzplatz. Neben Hannover spielen auch die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart eine tragende Rolle. Düsseldorf sticht dabei besonders hervor, da von dort aus alle 16 im Winterflugplan enthaltenen Sonnenziele ohne Umstieg erreicht werden können.
Dominanz der Kanarischen Inseln und Ausbau in Nordafrika
In der geografischen Verteilung der Kapazitäten nehmen die Kanarischen Inseln eine marktbeherrschende Stellung ein. Fast 50 Prozent des gesamten Sitzplatzkontingents entfallen auf die Inseln des ewigen Frühlings – namentlich Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote. Die klimatische Beständigkeit und die gut ausgebaute Infrastruktur machen diese Region zur sichersten Erlösquelle im europäischen Wintertourismus. Über 300 wöchentliche Verbindungen stellt Tuifly insgesamt bereit, um diesen Bedarf zu decken.
Dicht dahinter folgt Ägypten als zweitwichtigster Markt. Insbesondere die Region um Hurghada hat sich in den letzten Jahren zu einem Ganzjahresziel entwickelt, das durch ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und moderne Hotelanlagen überzeugt. Hier setzt Tui verstärkt auf die eigene Hotelmarke Tui Blue, wie etwa das Tui Blue Makadi, das speziell auf erwachsene Reisende und Paare zugeschnitten ist. Die Kombination aus hoher Flugfrequenz und exklusiven Hotelkapazitäten soll die Marktführerschaft in diesem Segment weiter festigen.
Wachstumsmarkt Kapverden und exklusive Club-Angebote
Ein weiterer Schwerpunkt im Winterflugplan 2026/2027 sind die Kapverdischen Inseln. Die Inselgruppe im Atlantik hat sich von einem Nischenziel zu einer festen Größe im Programm entwickelt. Mehrmals wöchentlich starten Maschinen von allen großen deutschen Abflughäfen in Richtung Sal und Boa Vista. Ein absoluter Bestseller in diesem Segment bleibt der Robinson Cabo Verde, der gezielt auf ein sportlich orientiertes Publikum setzt.
Die frühe Buchbarkeit erstreckt sich auch auf die Fernstrecke, wobei der Robinson Maldives als Aushängeschild für exklusiven Urlaub im Indischen Ozean dient. Auch im östlichen Mittelmeer bleibt Tui aktiv: Trotz der kühleren Temperaturen im Winter werden Anlagen wie das Tui Magic Life Masmavi in der Region Antalya weiterhin angeboten, da diese Hotels über umfangreiche Indoor-Sportmöglichkeiten und Wellness-Bereiche verfügen, die auch außerhalb der klassischen Badesaison Gäste anziehen.
Operative Herausforderungen und Flottenmanagement
Die Umsetzung eines solch umfangreichen Flugplans erfordert ein präzises Management der Tuifly Flotte, die primär aus modernen Boeing 737-800 und Boeing 737 MAX 8 Maschinen besteht. Durch die einheitliche Flottenstruktur kann die Airline flexibel auf technische Ausfälle reagieren und Wartungsintervalle optimal in die flugärmeren Zeiten legen. Die Stationierung zusätzlicher Flugzeuge an Standorten wie Hannover unterstreicht die Strategie, die operative Kontrolle über die gesamte Reisekette – vom Flug über den Transfer bis zum Hotelaufenthalt – zu behalten.
In einem Marktumfeld, das von steigenden Betriebskosten und intensivem Wettbewerb geprägt ist, setzt Tui auf vertikale Integration. Indem der Konzern sowohl die Transportkapazität als auch die Bettenkapazität kontrolliert, können Margen optimiert und Qualitätsstandards über die gesamte Dauer des Urlaubs sichergestellt werden. Die Freigabe des Flugplans 2026/2027 ist somit nicht nur ein Service für Frühbucher, sondern ein strategisches Instrument zur Absicherung der künftigen Marktanteile im europäischen Tourismusmarkt.