"Die Cher Show" (Foto: Showslot GmbH).
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Cher Show: Die Lebensgeschichte einer Poplegende feiert Premiere in Wien

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Die Wiener Stadthalle ist Schauplatz eines besonderen kulturellen Ereignisses: Mit der Europa-Premiere der „Cher Show“ gastiert eine Broadway-Produktion in Österreich, die das Leben und die Karriere einer der einflussreichsten Entertainerinnen der vergangenen sechs Jahrzehnte beleuchtet.

Die Inszenierung, die noch bis zum 23. Dezember in der Bundeshauptstadt zu sehen ist, verfolgt einen unkonventionellen erzählerischen Ansatz, indem sie die Hauptfigur durch drei verschiedene Darstellerinnen gleichzeitig auf die Bühne bringt. Das von Rick Elice konzipierte Stück verbindet biografische Meilensteine mit den musikalischen Welterfolgen der Künstlerin und setzt dabei auf eine opulente visuelle Gestaltung. Nach den Gastspielen in Wien ist eine ausgedehnte Tournee durch den deutschsprachigen Raum geplant, die im Dezember 2025 erneut Station in der Wiener Stadthalle machen wird. Die Produktion gilt als technisch anspruchsvoll und integriert originale Designkonzepte direkt vom New Yorker Broadway in das europäische Tournee-Format.

Ein dreifacher Blick auf eine beispiellose Karriere

Das dramaturgische Gerüst der Show bricht mit der klassischen chronologischen Erzählweise eines Biopics. Statt einer einzelnen Protagonistin agieren drei Versionen der Künstlerin – bezeichnet als „Babe“, „Lady“ und „Star“ – oft zeitgleich auf der Bühne. Diese Aufteilung ermöglicht es, interne Monologe und die persönliche Entwicklung der Sängerin als dynamischen Dialog darzustellen. „Babe“ repräsentiert die schüchterne Anfängerin der 1960er Jahre, die unter dem Einfluss ihres Mentors und späteren Ehemanns Sonny Bono steht. „Lady“ verkörpert die Phase des Umbruchs, geprägt von der schmerzhaften Trennung und dem schwierigen Versuch, sich als Solokünstlerin in einer männerdominierten Branche zu behaupten. „Star“ schließlich zeigt die Ikone auf dem Zenit ihrer Macht, die als Oscar-Preisträgerin und Dance-Pop-Königin globale Maßstäbe setzte.

Dieses Konzept der Persönlichkeitsspaltung ist nicht nur ein visuelles Spektakel, sondern dient der vertieften Charakterstudie. Die Darstellerinnen kommentieren gegenseitig ihre Entscheidungen und Fehler, wodurch das Publikum einen Einblick in die psychologische Widerstandsfähigkeit erhält, die für eine so langanhaltende Karriere im Rampenlicht erforderlich ist. Die Kritik am Broadway lobte bereits die emotionale Tiefe, die durch dieses Zusammenspiel entsteht, da es die Künstlerin nicht nur als unnahbares Idol, sondern als lernende und zweifelnde Frau zeigt.

„Die Cher Show“ (Foto: Showslot GmbH).

Musikalische Dramaturgie jenseits des Konzerts

Die Produktion integriert insgesamt 35 Welthits, die jedoch nicht als isolierte Shownummern fungieren. Lieder wie „Believe“, „If I Could Turn Back Time“ oder „I Got You Babe“ sind fest in die Handlung eingewoben. Sie dienen als emotionale Ankerpunkte für spezifische Lebensabschnitte. Wenn die junge Cher ihren Durchbruch erlebt, wird die Musik zur treibenden Kraft des Optimismus, während Balladen in den Momenten des privaten Scheiterns die Melancholie der Protagonistin untermalen. Die musikalische Leitung achtet dabei strikt darauf, dass die Arrangements den zeitgenössischen Geist der jeweiligen Epochen einfangen – vom Folk-Pop der Hippie-Ära über den Disco-Sound der 70er bis hin zu den elektronischen Klängen der Jahrtausendwende.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der stimmlichen Präzision der drei Hauptdarstellerinnen. Da der markante Kontra-Alt der realen Vorlage eines ihrer bekanntesten Merkmale ist, müssen alle drei Frauen diese spezifische Klangfarbe beherrschen, ohne dabei ihre individuelle schauspielerische Note zu verlieren. Die Herausforderung besteht darin, über zwei Stunden hinweg eine klangliche Einheit zu bilden, die den Zuschauer vergessen lässt, dass er drei verschiedene Personen sieht.

Die Bedeutung der Kostüme als narratives Element

In der „Cher Show“ fungiert die Mode nicht bloß als Staffage, sondern als eigenständiger Akteur. Die Kostüme basieren auf den Originalentwürfen von Bob Mackie, dem langjährigen Designer und Wegbegleiter der Künstlerin. Mackie, der für seine Entwürfe selbst mehrfach ausgezeichnet wurde, schuf Kleider, die oft mehr über den Status und die Stimmung der Sängerin aussagten als Worte. Die Produktion in der Wiener Stadthalle zeigt eine Vielzahl dieser ikonischen Outfits, von den glitzernden Feder-Kreationen bis hin zu den gewagten Leder-Ensembles der Musikvideo-Ära.

Die Kostümwechsel finden teilweise in rasantem Tempo direkt auf der Bühne statt, was die ständige Neuerfindung der Künstlerin versinnbildlicht. Die visuelle Opulenz ist ein Markenzeichen der Inszenierung und stellt hohe Anforderungen an die Logistik hinter den Kulissen. Jedes Kleidungsstück muss perfekt sitzen und den harten Bedingungen einer Tournee standhalten, ohne an Brillanz zu verlieren. Für das Publikum entsteht so eine Zeitreise durch die Modegeschichte des 20. Jahrhunderts, die eng mit dem öffentlichen Bild der Hauptfigur verknüpft ist.

Vom Broadway in die Wiener Stadthalle

Die Reise des Stücks begann in Chicago und führte über den Broadway direkt nach Europa. Rick Elice, der Schöpfer des Buchs, hat bereits mit Produktionen wie „Jersey Boys“ bewiesen, dass er ein Händchen für die Aufarbeitung von Musikerbiografien hat. Für Wien wurde die Show zwar sprachlich und teilweise kulturell adaptiert, die grundlegende Energie der US-Produktion blieb jedoch erhalten. Der Standort Wien wurde bewusst als Auftakt für die europäische Verwertung gewählt, da die Stadt traditionell eine hohe Affinität zu großen Musical-Produktionen und internationalen Stars aufweist.

Die Wiener Stadthalle bietet mit ihrer technischen Infrastruktur den notwendigen Rahmen für die aufwendigen Lichteffekte und die komplexen Bühnenverwandlungen. Die Premiere markiert den Beginn einer neuen Ära für biografische Musicals in Europa, da das Stück zeigt, dass man eine Lebensgeschichte auch ohne lineare Erzählstruktur erfolgreich vermitteln kann. Die Resonanz der ersten Vorstellungen deutet darauf hin, dass die Mischung aus Nostalgie und moderner Bühnentechnik den Nerv der Zeit trifft.

Ausblick auf die Tournee und Wiederaufnahme

Nach dem Gastspiel in Wien im Dezember 2025 wird die Produktion ihre Reise durch Deutschland fortsetzen. Geplant sind Aufenthalte in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München. Der Veranstalter betont, dass die Qualität der Tournee-Fassung der stationären Broadway-Version in nichts nachsteht. Besonders die Entscheidung, die Show im Jahr 2025 erneut nach Wien zu bringen, unterstreicht die langfristige Strategie der Produzenten. Man setzt darauf, dass die Mundpropaganda der diesjährigen Besucher eine zweite Welle des Interesses auslösen wird.

Die „Cher Show“ ist mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Hits. Sie ist ein Dokument über die Zähigkeit im Showgeschäft und die Fähigkeit, sich über Jahrzehnte hinweg relevant zu halten. In einer Zeit, in der viele biografische Stücke nach einem sehr ähnlichen Muster ablaufen, bietet dieses Musical eine erfrischende Abwechslung durch seine Vielschichtigkeit und seinen Mut zum visuellen Exzess. Wien hat mit dieser Premiere einmal mehr seine Stellung als wichtiger Knotenpunkt für internationale Theaterproduktionen unter Beweis gestellt.

„Die Cher Show“ (Foto: Showslot GmbH).
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