Der globale Logistiksektor steht in der entscheidenden Phase des Weihnachtsgeschäfts 2025 vor einer massiven logistischen Herausforderung. Nach dem tragischen Absturz einer Boeing MD-11 des Konkurrenten UPS Anfang November in Louisville, Kentucky, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen, hat die US-Luftfahrtbehörde FAA ein vorläufiges Flugverbot für diesen Flugzeugtyp verhängt.
Der Paketdienstleister Fedex, der eine Flotte von 28 Maschinen dieses Typs betrieb, sieht sich dadurch gezwungen, in der zeitkritischen Hochphase des Jahres auf teure Ersatzkapazitäten auszuweichen. Finanzvorstand John Dietrich bezifferte die unerwarteten Mehrkosten für das laufende Quartal auf rund 175 Millionen US-Dollar. Diese Summe resultiert aus der kurzfristigen Anmietung von Fremdflugzeugen und zusätzlichen Lkw-Kapazitäten, um das immense Paketaufkommen der Weihnachtszeit ohne die MD-11-Flotte bewältigen zu können. Trotz dieser Belastung und einer allgemeinen Abkühlung in der US-Industrie meldete Fedex für das zweite Geschäftsquartal Zahlen, die über den Erwartungen der Wall Street lagen, was vor allem auf strikte Sparmaßnahmen und Preisanpassungen zurückzuführen ist.
Der Unfall von Louisville und seine weitreichenden Folgen
Der Absturz der UPS-Maschine am 4. November 2025 markiert einen Wendepunkt für den Betrieb dreistrahliger Frachtflugzeuge. Bei dem Unglück, das sich während des Anflugs auf den Worldport in Louisville ereignete, starben drei Besatzungsmitglieder und elf weitere Personen am Boden. Da die Unglücksursache unmittelbar nach dem Vorfall nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ordnete die FAA eine Sicherheitsüberprüfung der gesamten verbliebenen MD-11-Flotte in den USA an. Für Fedex kam diese Entscheidung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die MD-11 ist aufgrund ihrer hohen Nutzlast und Reichweite ein Arbeitspferd für internationale Langstreckenverbindungen.
Die plötzliche Stilllegung von 28 Jets riss ein Loch in das globale Logistiknetz des Unternehmens. Während die Kosten im November noch bei moderaten 25 Millionen Dollar lagen, explodierten sie im Dezember auf schätzungsweise 150 Millionen Dollar. Dietrich betonte gegenüber Analysten, dass der Markt für ausgelagerte Transportkapazitäten im Dezember ohnehin extrem angespannt sei. Die Kombination aus saisonaler Knappheit und dem plötzlichen Wegfall eigener Kapazitäten trieb die Charterraten für Frachtflugzeuge in Rekordhöhe. Fedex geht davon aus, dass die MD-11-Flotte erst zum Ende des vierten Geschäftsquartals, also Ende Mai 2026, nach Abschluss aller Sicherheitsinspektionen und etwaiger technischer Nachrüstungen wieder in den aktiven Dienst zurückkehren kann.
Wirtschaftliche Performance im Spannungsfeld von Kosten und Effizienz
Trotz der massiven Sonderbelastung präsentierte Fedex-CEO Raj Subramaniam ein zweites Geschäftsquartal (bis zum 30. November), das die Prognosen der Analysten deutlich übertraf. Das Unternehmen erwirtschaftete einen bereinigten Gewinn von 1,14 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Dieser Erfolg ist das Resultat einer tiefgreifenden Sanierungsstrategie, die bereits 2023 eingeleitet wurde. Durch die Integration der früher getrennt operierenden Sparten Express und Ground sowie die Schließung unrentabler Standorte konnten Milliarden aus der Kostenbasis entfernt werden.
Für das Geschäftsjahr 2026 strebt das Unternehmen weitere Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Dollar an. Besonders lukrativ erwiesen sich im abgelaufenen Quartal die Segmente Gesundheitswesen und Automobilbau. Zudem konnte Fedex vom anhaltenden Bauboom bei Rechenzentren profitieren, indem ein spezialisiertes Team für die komplexe Logistik schwerer IT-Infrastruktur aufgestellt wurde. Diese margenstarken B2B-Geschäfte halfen dabei, das schwächere Volumen im allgemeinen US-Inlandsmarkt teilweise zu kompensieren.
Strukturwandel und die Abspaltung von Fedex Freight
Ein zentraler Bestandteil der Konzernstrategie ist die geplante Abspaltung des Frachtsegments Fedex Freight zum 1. Juni 2026. Diese Sparte, die sich auf weniger-als-Lkw-Ladungen (LTL) spezialisiert hat, leidet derzeit unter der allgemeinen Schwäche der US-Fertigungsindustrie. Da die Industrieproduktion im November den neunten Monat in Folge schrumpfte, sanken die Sendungsvolumina bei gleichzeitig steigenden Lohnkosten. Die Trennung soll es Fedex ermöglichen, sich stärker auf das margenstärkere Paketgeschäft zu konzentrieren, während Fedex Freight als eigenständiges Unternehmen am Markt agieren kann.
Die Kosten für diesen Trennungsprozess belasten jedoch kurzfristig das Ergebnis des kommenden Quartals. Finanzvorstand Dietrich warnte bereits davor, dass der Gewinn im Zeitraum bis Ende Februar 2026 niedriger ausfallen werde als im nun gemeldeten Rekordquartal. Neben den Abspaltungskosten drücken auch die fortgesetzten Charterkosten für den Ersatz der MD-11 auf die Marge. Dennoch hob das Management die untere Grenze der Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 17,80 bis 19,00 Dollar je Aktie an, was das Vertrauen in die Effizienzmaßnahmen widerspiegelt.
Ausblick auf das Jahr 2026 und Marktpositionierung
Für das Kalenderjahr 2026 zeigt sich Fedex vorsichtig optimistisch. Das Unternehmen erhöhte seine Umsatzprognose auf ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent. Dieser Optimismus nährt sich aus der Erwartung, dass sich der Welthandel trotz politischer Unsicherheiten stabilisieren wird und die internen Kostenstrukturen weiter optimiert werden können. Die Strategie, Sendungen im internationalen Priority-Segment zu forcieren, hat sich bereits im zweiten Quartal ausgezahlt und soll weiter ausgebaut werden.
Kritisch bleibt jedoch die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt. Höhere Lohnsätze in der Lkw-Branche fressen Teile der Effizienzgewinne auf. Fedex setzt hier verstärkt auf Automatisierung in den Sortierzentren, um die Abhängigkeit von manueller Arbeit zu reduzieren. Der Konkurrenzkampf mit UPS bleibt derweil intensiv. Da beide Unternehmen gleichermaßen von der MD-11-Thematik betroffen sind, findet der Wettbewerb derzeit vor allem über die Servicequalität und die Fähigkeit statt, trotz der Flugverbote Lieferfristen einzuhalten.
Strategische Bedeutung der Luftfrachtflotte
Die Stilllegung der MD-11 hat bei Fedex eine Debatte über die zukünftige Zusammensetzung der Flotte beschleunigt. Während das Unternehmen langfristig ohnehin plant, ältere dreistrahlige Jets durch effizientere zweistrahlige Modelle wie die Boeing 767F und 777F zu ersetzen, hat die aktuelle Krise den Zeitdruck erhöht. Die Modernisierung der Flotte ist ein Kernaspekt des Plans, die operative Basis zu verschlanken.
In der aktuellen Hochsaison liegt der Fokus jedoch rein auf der operativen Exzellenz. Subramaniam betonte, dass die Dynamik im Geschäft stimme und man trotz der unerwarteten 175 Millionen Dollar Mehrkosten in der Lage sei, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Die Investoren an der Wall Street reagierten positiv auf die Zahlen und die angehobene Prognose, was zeigt, dass der Markt dem Sanierungskurs des Managements vertraut. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Fedex die logistischen Hürden ohne weitere Unfälle oder größere Verzögerungen meistern kann, bis die eigenen Kapazitäten im Frühsommer 2026 wieder vollständig zur Verfügung stehen.