Agusta Bell 212 (Foto: Bundesheer).
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Einsatz der Luftstreitkräfte zur Bekämpfung eines Waldbrandes im Bereich der Innsbrucker Nordkette

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Seit den Morgenstunden des 28. Dezember 2025 befindet sich das Österreichische Bundesheer in einem großräumigen Assistenzeinsatz in Tirol. Auslöser ist ein Waldbrand im steilen und schwer zugänglichen Gelände der Nordkette bei Innsbruck, der die Kapazitäten der zivilen Feuerwehren am Boden vor erhebliche Herausforderungen stellt.

Auf Anforderung der Landeswarnzentrale Tirol stellt das Bundesheer spezialisierte Hubschrauberressourcen zur Verfügung, um die Brandherde gezielt aus der Luft zu bekämpfen und einen weiteren Übergriff der Flammen auf angrenzende Waldgebiete zu verhindern. Der Fokus liegt dabei auf der technischen Unterstützung der lokalen Einsatzkräfte sowie dem Transport von Löschwasser in Hochgebirgslagen, wobei insbesondere die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Fluggeräte im winterlichen alpinen Gelände zum Tragen kommt.

Die Alarmierung und der Beginn der Luftunterstützung

Nachdem der Brand im Raum der Nordkette gemeldet worden war, leiteten die zuständigen Behörden umgehend die notwendigen Schritte zur Sicherung des Gebiets ein. Da die betroffenen Hanglagen aufgrund ihrer Steilheit und der winterlichen Bodenbeschaffenheit für herkömmliche Löschfahrzeuge und Bodenmannschaften nur unter extremen Sicherheitsrisiken erreichbar sind, rückte die Unterstützung aus der Luft in das Zentrum der Einsatzstrategie. Die Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betonte in diesem Zusammenhang die ständige Einsatzbereitschaft der militärischen Strukturen für zivile Notfälle. Die Soldaten und die technische Ausrüstung stehen demnach bereit, um dort einzugreifen, wo konventionelle Methoden an ihre Grenzen stoßen. Der Einsatz begann unmittelbar nach der offiziellen Anforderung durch das Land Tirol und wird koordinativ über die Landeswarnzentrale gesteuert, um eine nahtlose Integration in die bestehende Einsatzleitung der Feuerwehr zu gewährleisten.

Technische Spezifikationen und Einsatzprofile der Luftfahrzeuge

Das Rückgrat der militärischen Brandbekämpfung in diesem Einsatz bilden drei Hubschrauber unterschiedlicher Bauart, die jeweils spezifische Aufgaben übernehmen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der S-70 Black Hawk, ein leistungsstarker Mehrzweckhubschrauber. Ausgestattet mit zwei Triebwerken, die jeweils eine Leistung von 1.940 PS erbringen, ist dieses Modell prädestiniert für Operationen im Hochgebirge. Ein entscheidender technischer Vorteil des Black Hawk ist die integrierte Enteisungsanlage an den Rotor- und Heckrotorblättern, die einen sicheren Flugbetrieb auch unter den gegenwärtigen winterlichen Witterungsbedingungen in den Alpen ermöglicht. Mit einer Transportkapazität von bis zu 4.000 Kilogramm Löschwasser pro Flugrotation stellt dieser Hubschrauber die massivste Komponente der Brandbekämpfung dar. Seine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h erlaubt zudem eine schnelle Verlegung zwischen den Wasseraufnahmestellen und den Brandherden.

Ergänzt wird der Einsatz durch zwei Hubschrauber des Typs Agusta Bell 212. Diese mittleren Transporthubschrauber verfügen ebenfalls über eine zweimotorige Auslegung und sind durch ihr Kufenlandegestell besonders flexibel bei Landungen im unwegsamen Gelände. Während der Black Hawk primär für den massiven Abwurf von Löschwasser zuständig ist, bietet der AB212 vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Mit einer Kapazität für bis zu 14 Personen können diese Maschinen für den Transport von Spezialkräften der Feuerwehr oder Bergrettung genutzt werden. Die installierte Seilwinde sowie der Außenlasthaken ermöglichen zudem den Transport von technischem Gerät direkt an die Einsatzstellen. Mit einer Löschwasserkapazität von rund 1.000 Kilogramm pro Flug unterstützen sie die Löscharbeiten punktgenau an kleineren Glutnestern.

Koordination und strategische Herausforderungen im Hochgebirge

Die Bekämpfung von Bränden im Winter und in alpiner Lage erfordert eine präzise logistische Planung. Die Nordkette zeichnet sich durch extreme Hangneigungen und wechselhafte thermische Bedingungen aus, was die Piloten des Bundesheeres vor navigatorische Herausforderungen stellt. Die Koordination erfolgt in enger Abstimmung mit den Einsatzleitern vor Ort, die den Hubschraubern via Funk die genauen Koordinaten der Abwurfstellen zuweisen. Da die Brandherde oft unter der Schneedecke oder in tiefen Felsschluchten verborgen liegen können, ist eine ständige Beobachtung der Rauchentwicklung notwendig.

Ein weiterer Faktor ist die Bereitstellung der Wasserbezugsquellen. Hierbei arbeiten die zivilen Kräfte und das Militär Hand in Hand, um mobile Wasserbehälter oder nahegelegene Gewässer effizient zu nutzen. Die Reichweite der Hubschrauber, die beim Black Hawk bei 500 Kilometern und beim AB212 bei etwa 420 Kilometern liegt, stellt sicher, dass die Maschinen über längere Zeiträume ohne häufige Tankstopps im Einsatzraum verbleiben können. Dies ist entscheidend, um den Druck auf das Feuer konstant hochzuhalten und ein erneutes Aufflammen durch Windböen zu verhindern.

Sicherheit der Bevölkerung und Sperrmaßnahmen

Parallel zu den Löscharbeiten wurden im betroffenen Gebiet der Nordkette Sicherheitsmaßnahmen für die Zivilbevölkerung und Touristen getroffen. Wanderwege und bestimmte Sektoren im Umkreis des Brandes wurden vorübergehend gesperrt, um Gefährdungen durch Rauchentwicklung oder herabstürzendes Gestein zu vermeiden. Zudem soll durch die großräumige Absperrung sichergestellt werden, dass die Flugkorridore der Hubschrauber frei von privaten Drohnen oder anderen Störfaktoren bleiben. Die örtlichen Behörden rufen dazu auf, den Anweisungen der Einsatzkräfte Folge zu leisten und den betroffenen Bereich weiträumig zu umfahren beziehungsweise zu umgehen.

Die Dauer des Einsatzes hängt maßgeblich von der Wetterentwicklung und dem Erfolg der ersten Löschangriffe ab. Da Waldbrände im Winter aufgrund der Trockenheit in höheren Lagen und der oft geringen Luftfeuchtigkeit hartnäckig sein können, bereitet sich das Bundesheer auf eine mögliche mehrtägige Unterstützung vor. Die logistische Kette zur Versorgung der Hubschrauber mit Treibstoff und zur Ablöse der Besatzungen wurde bereits am Militärflugplatz entsprechend hochgefahren, um eine kontinuierliche Präsenz über der Nordkette zu gewährleisten.

Wirtschaftliche und soziale Relevanz des Assistezeinsatzes

Der Einsatz unterstreicht erneut die Bedeutung der zivil-militärischen Zusammenarbeit in Österreich. Für die Stadt Innsbruck und das Land Tirol ist eine rasche Eindämmung des Brandes von großer Bedeutung, um Schäden an der Schutzwaldinfrastruktur und an touristischen Einrichtungen zu minimieren.

Die Kosten für solche Assistezeinsätze werden im Rahmen des Katastrophenschutzes abgewickelt, wobei die Professionalität der Piloten und Bodenmannschaften des Bundesheeres als wesentlicher Sicherheitsfaktor für die Region gilt. Die technologische Ausstattung der Luftstreitkräfte erweist sich hierbei als notwendiges Werkzeug, um in einer topographisch schwierigen Landschaft wie Tirol die Sicherheit der Infrastruktur und der Bewohner zu gewährleisten.

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