Am 19. Dezember 2025 gab Costin Iordache, der Generaldirektor der staatlichen Fluggesellschaft Tarom, seinen Rücktritt aus persönlichen Gründen bekannt. Diese Entscheidung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen die tiefgreifendste Umstrukturierung seiner jüngeren Geschichte durchläuft.
Iordache, der über umfangreiche Erfahrung in der internationalen Privatwirtschaft verfügt, hinterlässt ein Unternehmen, das nach Jahrzehnten der Defizite erstmals wieder positive Zahlen schreibt. Während der Verwaltungsrat nun die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger einleitet, bleibt Iordache bis Mitte Januar 2026 im Amt, um einen geordneten Übergang sicherzustellen. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob Tarom den eingeschlagenen Weg der wirtschaftlichen Stabilisierung ohne Brüche fortsetzen kann, während gleichzeitig die politische Landschaft Rumäniens durch Kommunalwahlen in der Hauptstadt zusätzlich in Bewegung geraten ist.
Strategische Meilensteine unter der Ägide von Costin Iordache
Die Amtszeit von Costin Iordache war geprägt von der Umsetzung eines harten Restrukturierungskurses, der in enger Abstimmung mit der Europäischen Kommission entwickelt wurde. Ein zentraler Erfolg seiner Führung war die Sicherung staatlicher Beihilfen, die unter strengen Auflagen gewährt wurden, um die langfristige Lebensfähigkeit der Airline zu garantieren. Unter seiner Leitung gelang es dem Managementteam, die Verschuldung signifikant zu reduzieren und operative Ineffizienzen abzubauen. Die offizielle Stellungnahme des Unternehmens hebt hervor, dass Iordache seine 18-jährige Expertise aus renommierten Häusern wie der ABN Amro Bank und der Telekom-Gruppe erfolgreich auf die spezifischen Herausforderungen eines staatlichen Luftfahrtunternehmens übertragen konnte.
Besonders hervorzuheben ist die Rückkehr in die Gewinnzone. Nachdem Tarom über zwei Jahrzehnte hinweg als Sanierungsfall galt, markieren die Ergebnisse der Jahre 2024 und 2025 einen historischen Wendepunkt. Lag der Verlust im Krisenjahr 2020 noch bei rund 430 Millionen Lei, konnte dieser kontinuierlich gedrückt werden. Für das Geschäftsjahr 2025 wird ein Bruttogewinn von etwa 2,38 Millionen Lei prognostiziert, was nach dem deutlichen Plus des Vorjahres die Stabilisierung des Geschäftsmodells untermauert. Diese positive Dynamik ist das Resultat einer konsequenten Flottenoptimierung und einer Straffung des Streckennetzes.
Kontinuität und Übergangsmanagement im Fokus des Verwaltungsrats
Um die operative Stabilität nicht zu gefährden, wird Iordache seine Funktionen bis zum 15. Januar 2026 vollumfänglich ausüben. Der Verwaltungsrat von Tarom, der zuletzt verkleinert wurde, um die Entscheidungswege zu verkürzen, ist bereits damit befasst, einen Interims-CEO zu benennen. Dieser soll die laufenden Projekte des Restrukturierungsplans nahtlos weiterführen. Parallel dazu wurde ein strukturiertes Auswahlverfahren für eine dauerhafte Besetzung der Spitzenposition initiiert. Unterstützt wird dieser Prozess durch den Nominierungs- und Vergütungsausschuss sowie durch externe Personalberater, um eine Besetzung nach professionellen Kriterien der Privatwirtschaft sicherzustellen.
Die enge Verflechtung mit dem rumänischen Verkehrsministerium, das 97,2 Prozent der Anteile hält, macht die Position des CEO zu einer Schnittstelle zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und staatlicher Infrastrukturpolitik. Das Ziel bleibt unverändert: Tarom soll zu einer modernen, wettbewerbsfähigen Organisation transformiert werden, die ihre Rolle innerhalb der SkyTeam-Allianz aktiv wahrnimmt. Die Herausforderung für den Nachfolger wird darin bestehen, das Vertrauen der Anteilseigner und der internationalen Partner in die Beständigkeit der eingeleiteten Reformen zu festigen.
Flottenmodernisierung und operative Anpassungen
Ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Gesundung beruht auf der Anpassung der Flottenstruktur. Tarom operiert derzeit mit einer Flotte von 14 aktiven Flugzeugen, nachdem im Rahmen der Kapazitätsoptimierung vier Airbus A318 an ein britisches Unternehmen veräußert wurden. Dieser Verkauf war ein strategischer Schritt, um sich von weniger effizienten Mustern zu trennen und die Wartungskosten zu senken. Die Airline bedient aktuell rund 50 Destinationen, wobei das Angebot durch Code-Share-Partnerschaften innerhalb der Allianz ergänzt wird.
Die Modernisierung der Flotte ist ein fortlaufender Prozess, der im Restrukturierungsplan fest verankert ist. Die Reduktion auf rentablere Flugzeugtypen und die Erhöhung der Auslastung sind zentrale Hebel, um die Profitabilität weiter zu steigern. Trotz der Reduzierung der Flugzeuganzahl konnte das Unternehmen seine Marktpräsenz durch eine effizientere Flugplanung und eine stärkere Fokussierung auf nachfragestarke Routen stabilisieren. Die finanzielle Entlastung durch den Wegfall unrentabler Kapazitäten bildet das Fundament für zukünftige Investitionen in modernere Technologie.
Politische Begleitumstände und personelle Fluktuation
Der Rücktritt von Iordache reiht sich ein in eine Serie von Führungswechseln bei der nationalen Airline. In den vergangenen Jahren sah sich Tarom mit einer hohen Fluktuation an der Unternehmensspitze konfrontiert. Iordache selbst hatte bereits mehrere Anläufe in leitenden Funktionen absolviert, bevor er im Januar 2024 erneut zum Generaldirektor ernannt wurde. Diese personelle Instabilität galt lange Zeit als Hemmschuh für eine nachhaltige Entwicklung, weshalb die nun erzielten wirtschaftlichen Erfolge unter seiner Leitung umso deutlicher gewertet werden.
Zusätzlich wird die Situation durch die politische Dynamik in Bukarest beeinflusst. Die Wahlen zum Hauptstadt-Rathaus im Jahr 2025 mit insgesamt 17 Kandidaten zeigen ein bewegtes politisches Umfeld, das indirekt auch Auswirkungen auf staatliche Unternehmen haben kann. Da das Verkehrsministerium die Geschicke von Tarom maßgeblich bestimmt, ist eine stabile politische Führung auf nationaler und regionaler Ebene für die langfristige Planungssicherheit der Airline von Bedeutung. Der Verwaltungsrat muss daher sicherstellen, dass die Managemententscheidungen unabhängig von tagespolitischen Schwankungen am Kurs der Revitalisierung festhalten.
Ausblick auf die Ära nach Iordache
Mit dem Ausscheiden von Costin Iordache verliert Tarom einen Architekten des aktuellen Aufschwungs. Die Aufgabe des kommenden Managements wird es sein, die Phase der Restrukturierung abzuschließen und in eine Phase des nachhaltigen Wachstums überzugehen. Die finanzielle Basis ist durch die Reduktion der Verluste und die Erzielung von Gewinnen so solide wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch bleibt der Wettbewerbsdruck durch Low-Cost-Carrier in der Region hoch, was eine ständige Anpassung der Kostenstrukturen und des Serviceangebots erfordert.
Das Jahr 2026 wird für Tarom im Zeichen der Konsolidierung unter neuer Führung stehen. Die erfolgreiche Umsetzung der von der EU-Kommission geforderten Maßnahmen hat dem Unternehmen Zeit erkauft, die nun genutzt werden muss, um die Marktposition dauerhaft zu festigen. Ob die Ernennung eines neuen CEO aus der Privatwirtschaft den gewünschten Impuls für eine weitere Modernisierung liefert, wird maßgeblich vom Rückhalt durch den Verwaltungsrat und das Ministerium abhängen. Die Weichen für eine profitable Zukunft sind gestellt, doch der Weg zu einer vollends revitalisierten nationalen Fluggesellschaft bleibt anspruchsvoll.