Mit Beginn des Jahres 2026 vollzieht der London City Airport eine Zäsur in seiner Gebührenordnung und passt sich damit dem Standard der übrigen großen Londoner Verkehrsflughäfen an. Ab dem 6. Januar 2026 wird für die Nutzung der Vorfahrtbereiche zum Absetzen von Passagieren erstmals eine Gebühr erhoben. Diese Maßnahme markiert das Ende einer Ära, in der der stadtnah gelegene Flughafen als einer der letzten Standorte in der britischen Hauptstadt auf eine solche Abgabe verzichtete.
Während die Flughafenleitung die Einführung mit der Notwendigkeit der Verkehrssteuerung und der Förderung öffentlicher Verkehrsmittel begründet, sorgt die Entscheidung bei Reisenden und Automobilclubs für Diskussionen. Mit einem Basistarif von 8 Pfund für eine Haltedauer von bis zu fünf Minuten positioniert sich der London City Airport preislich im oberen Segment der Londoner Flughafenlandschaft, die durch eine zunehmende Verteuerung der individuellen Anreise geprägt ist.
Details der neuen Gebührenordnung und Ausnahmeregelungen
Die technische Umsetzung der neuen Gebühr sieht vor, dass Fahrzeuge beim Einfahren in die speziell markierten Drop-off-Zonen automatisiert erfasst werden. Für eine Verweildauer von bis zu fünf Minuten wird ein Pauschalbetrag von 8 Pfund (ca. 10 US-Dollar) fällig. Jede weitere Minute wird mit einem zusätzlichen Pfund berechnet, wobei die maximale Aufenthaltsdauer in diesem Bereich auf zehn Minuten begrenzt ist. Um soziale Härten abzufedern und die Barrierefreiheit zu gewährleisten, sind Inhaber eines blauen Parkausweises für Menschen mit Behinderungen von der Zahlung befreit, sofern sie sich vorab im System registrieren.
Ein wesentlicher Aspekt der Einführung ist die laufende Konsultation mit der Verkehrsbehörde Transport for London. Ziel ist es, lizenzierte Taxis und die charakteristischen Black Cabs ebenfalls von der Gebühr zu befreien oder die Kosten formal in den Taxameter zu integrieren. Diese Regelung ist bereits an anderen Londoner Flughäfen gängige Praxis und soll verhindern, dass Berufskraftfahrer die zusätzlichen Kosten aus eigener Tasche tragen müssen. Die Integration in den offiziellen Tarif ermöglicht es, die Gebühr transparent an den Endkunden weiterzugeben, sofern dieser sich für eine direkte Anfahrt zum Terminal entscheidet.
Einordnung in das Londoner Flughafensystem
Der London City Airport folgt mit diesem Schritt einem Trend, der am Flughafen Stansted begann und sich über Luton bis nach Heathrow und Gatwick ausweitete. Lange Zeit galt das kostenlose Absetzen von Passagieren als Standard im britischen Luftverkehr, doch wirtschaftliche Erwägungen und das Ziel einer effizienteren Flächennutzung führten zu einem flächendeckenden Umdenken. In Heathrow wird derzeit eine Gebühr von 6 Pfund pro Einfahrt erhoben, während Stansted und Luton bei etwa 7 Pfund liegen. Bemerkenswert ist die parallele Entwicklung am Flughafen Gatwick: Zeitgleich mit der Einführung in London City wird dort der Mindestsatz auf 10 Pfund angehoben, was eine allgemeine Verteuerung der Flughafeninfrastruktur im Großraum London unterstreicht.
Die Betreiber des London City Airports verweisen darauf, dass bereits zwei Drittel der Passagiere öffentliche Verkehrsmittel für die An- und Abreise nutzen. Durch die unmittelbare Anbindung an das Netz der Docklands Light Railway verfügt der Flughafen über eine hervorragende infrastrukturelle Basis. Die neue Gebühr soll als zusätzlicher Anreiz dienen, den Individualverkehr weiter zu reduzieren und die oft überlasteten Zufahrtsstraßen im Osten Londons zu entlasten. Kritiker hingegen geben zu bedenken, dass insbesondere Geschäftsreisende, die den Zeitvorteil von London City schätzen, durch die zusätzliche Belastung und den administrativen Aufwand bei der Abrechnung verärgert werden könnten.
Wirtschaftliche und operative Hintergründe
Hinter der Einführung stehen nicht nur verkehrspolitische Ziele, sondern auch ökonomische Kalküle. Flughafengebühren für Zusatzleistungen haben sich in den letzten Jahren zu einer stabilen Einnahmequelle für Betreibergesellschaften entwickelt. Die Erlöse aus den Drop-off-Entgelten werden häufig zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten oder zur Instandhaltung der Terminalanlagen verwendet. Da London City aufgrund seiner geografischen Lage zwischen den Docks nur über sehr begrenzte Erweiterungsflächen verfügt, ist eine strikte Steuerung des Verkehrsaufkommens unumgänglich, um einen reibungslosen Betrieb der kurzen Wege zu garantieren, für die der Flughafen bekannt ist.
Die operative Abwicklung soll über Kamerasysteme mit automatischer Nummernschilderkennung erfolgen, was manuelle Zahlvorgänge an Schranken überflüssig macht und den Verkehrsfluss beschleunigt. Passagiere und Abholer müssen die Gebühr innerhalb eines festgelegten Zeitfensters online oder über eine App entrichten, um Bußgelder zu vermeiden. Diese Digitalisierung der Parkraumüberwachung hat sich an den anderen Standorten bewährt, führt jedoch bei Gelegenheitsnutzern oft zu Verwirrung, weshalb der Flughafen im Vorfeld der Einführung eine umfassende Informationskampagne gestartet hat.
Reaktionen und Ausblick auf das Reisejahr 2026
Die Ankündigung hat in Fachkreisen und sozialen Medien ein geteiltes Echo hervorgerufen. Während Verbände für den öffentlichen Nahverkehr die Maßnahme als konsequenten Schritt zur Stärkung der Schiene begrüßen, warnen Verbraucherschützer vor einer versteckten Preiserhöhung der Reisekosten. Besonders für Familien oder Gruppen, für die eine Taxifahrt oder die Anreise im eigenen Pkw oft komfortabler ist, summieren sich die Kosten der Flugreise durch solche Zusatzentgelte weiter auf.
Mit der Einführung der Gebühr im Januar 2026 wird das gesamte Londoner Luftverkehrskreuz einheitlich kostenpflichtig für Direktzufahrten zum Terminal. Es bleibt abzuwarten, ob die angestrebte Verkehrsverlagerung in dem Maße eintritt, wie von den Verantwortlichen prognostiziert, oder ob die Passagiere die Gebühr als notwendiges Übel akzeptieren, um weiterhin den Komfort der schnellen Anbindung des London City Airports zu nutzen. Klar ist, dass die Zeit des kostenlosen Vorfahrens an britischen Metropolflughäfen endgültig der Vergangenheit angehört.