Ein massiver Wintereinbruch in den Niederlanden hat den Flugverkehr am internationalen Flughafen Amsterdam Schiphol zum Jahresbeginn 2026 weitgehend zum Erliegen gebracht. Hunderte von Flügen mussten aufgrund heftiger Schneefälle, starker Windböen und der damit verbundenen technischen Notwendigkeiten gestrichen werden, während hunderte weitere Verbindungen mit erheblichen Verspätungen kämpfen.
Besonders betroffen sind neben dem innerniederländischen Verkehr auch die Routen nach Deutschland, wobei zahlreiche Verbindungen zu den großen Drehkreuzen wie Frankfurt und München sowie zu regionalen Standorten annulliert wurden. Die Flughafenverwaltung und die nationale Fluggesellschaft KLM arbeiten unter Hochdruck an der Bewältigung der logistischen Krise, während Passagiere europaweit mit den Auswirkungen der wetterbedingten Instabilität des Flugplans konfrontiert sind.
Die klimatischen Bedingungen in der Region Nordholland verschlechterten sich in den frühen Morgenstunden zusehends, als eine Kombination aus sinkenden Temperaturen und feuchten Luftmassen für dichten Schneefall sorgte. Eine Flughafensprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur ANP, dass nicht allein die Menge des Schnees, sondern vor allem die ungünstige Windrichtung in Verbindung mit der Glättebildung auf den Rollwegen den Betrieb massiv erschwere. Amsterdam Schiphol, eines der am stärksten frequentierten Luftfahrt-Drehkreuze Europas, operiert unter normalen Bedingungen mit einem hochkomplexen Bahnsystem. Bei starkem Wind und schlechter Sicht muss die Anzahl der verfügbaren Start- und Landebahnen jedoch aus Sicherheitsgründen reduziert werden, was die Kapazität des Flughafens unmittelbar um mehr als die Hälfte einschränken kann.
Technische Notwendigkeiten der Enteisung
Ein wesentlicher Faktor für die Verzögerungen im Betriebsablauf ist die notwendige Enteisung der Flugzeuge, das sogenannte De-Icing. Bevor eine Maschine starten darf, müssen Tragflächen und Leitwerke vollständig von Schnee und Eis befreit werden, um die aerodynamischen Eigenschaften und die Manövrierfähigkeit sicherzustellen. Dieser Prozess findet auf speziellen Flächen des Flughafens statt und nimmt pro Flugzeug erhebliche Zeit in Anspruch. Da die Kapazitäten der Enteisungsstationen begrenzt sind, stauen sich die Maschinen bereits auf den Vorfeldern. Die Fluggesellschaft KLM wies darauf hin, dass die Sicherheit der Passagiere oberste Priorität habe und die zeitaufwendigen Prozeduren bei den herrschenden Bedingungen unvermeidbar seien.
Zusätzlich zur Enteisung der Flugzeuge müssen auch die Start- und Landebahnen kontinuierlich von Schnee geräumt und mit Enteisungsmitteln behandelt werden. Der Einsatz von schwerem Räumgerät führt dazu, dass einzelne Pisten zeitweise komplett gesperrt werden müssen. Die Koordination zwischen dem Winterdienst am Boden und der Flugsicherung stellt unter diesen Umständen eine immense Belastung für das Personal dar. Jede Änderung der Windrichtung erfordert zudem eine Neuausrichtung des Bahnbetriebs, was bei schneebedeckten Flächen zusätzliche Räumungsarbeiten an den jeweiligen Zu- und Abfahrten nach sich zieht.
Auswirkungen auf den deutschen Luftraum und internationale Anschlüsse
Die Störungen in Amsterdam haben unmittelbare Auswirkungen auf das deutsche Streckennetz. Da Schiphol als zentraler Knotenpunkt für Transferpassagiere dient, sind die Annullierungen von Flügen nach Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Bremen besonders gravierend. Viele Reisende, die aus Nordamerika oder Asien in Amsterdam landen, um nach Deutschland weiterzufliegen, sitzen nun im Transitbereich fest. Die Fluggesellschaften versuchen, Passagiere auf die Schiene oder auf spätere Verbindungen umzubuchen, stoßen dabei jedoch an ihre Grenzen, da auch der grenzüberschreitende Bahnverkehr in den Niederlanden mit witterungsbedingten Problemen zu kämpfen hat.
In Frankfurt und München, den beiden größten deutschen Flughäfen, führt der Ausfall der Amsterdam-Rotationen zu Lücken im Tagesflugplan. Bodenverkehrsdienste und Gate-Personal müssen hunderte betroffene Passagiere betreuen. Da Schiphol ein wichtiger Partner innerhalb der SkyTeam-Allianz ist, sind auch die Anschlussflüge vieler internationaler Partner betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen der Flugstreichungen sind für die Airlines beträchtlich, da neben den entgangenen Einnahmen auch Kosten für die Unterbringung und Verpflegung gestrandeter Fluggäste anfallen.
Herausforderungen für das Passagiermanagement
Am Flughafen Schiphol selbst bildeten sich lange Warteschlangen vor den Informationsschaltern. Die Flughafengesellschaft empfahl Reisenden, sich bereits vor der Abfahrt zum Terminal online über den Status ihres Fluges zu informieren und bei Streichungen gar nicht erst zum Flughafen zu kommen, um die Terminals zu entlasten. Die Kapazitäten der Hotels im Umfeld des Flughafens sind nahezu vollständig erschöpft. Das Passagiermanagement wird dadurch erschwert, dass bei einem massiven Wintereinbruch dieser Art auch das Flughafenpersonal Schwierigkeiten hat, den Arbeitsplatz zeitgerecht zu erreichen, was zu personellen Engpässen in der Abfertigung führt.
Die niederländische Bahngesellschaft NS reduzierte ebenfalls ihr Angebot, was die Evakuierung des Flughafens per Zug erschwerte. Viele Reisende mussten die Nacht in den Terminals verbringen, wo Hilfsorganisationen und Flughafenmitarbeiter Feldbetten und Decken bereitstellten. Die logistische Kette, die normalerweise einen reibungslosen Wechsel zwischen Flug, Bahn und Bus ermöglicht, ist durch die flächendeckende Vereisung an mehreren Stellen gleichzeitig unterbrochen worden.
Infrastruktur und operative Belastungsgrenzen
Der Wintereinbruch hat erneut die Diskussion über die operative Belastbarkeit großer Flughäfen bei Extremwetterlagen entfacht. Schiphol verfügt zwar über modernste Technik und einen spezialisierten Winterdienst, doch die schiere Menge der Flugbewegungen pro Stunde lässt kaum Puffer für Verzögerungen. Sobald ein Glied der Kette – etwa die Enteisung oder die Bahnreinigung – langsamer läuft als geplant, bricht das gesamte System der Slot-Zuweisung zusammen. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol koordiniert in solchen Fällen den Luftraum über den Benelux-Staaten neu, um Warteschleifen über den betroffenen Gebieten zu minimieren und Treibstoffreserven zu schonen.
Die Meteorologen rechnen erst für die kommenden Tage mit einer leichten Entspannung der Wetterlage. Bis dahin bleibt der Flugplan in Amsterdam instabil. Die Behörden betonen, dass die Wiederaufnahme des vollen Betriebs schrittweise erfolgen muss, um die Sicherheit zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Auch wenn der Schneefall nachlassen sollte, stellen Frost und Wind weiterhin Risiken für den Flugbetrieb dar. Die technische Prüfung der Bahnbefeuerung und der Navigationsanlagen muss nach jedem Räumeinsatz erfolgen, um sicherzustellen, dass keine Schäden durch das schwere Gerät entstanden sind.
Zusammenfassung der aktuellen Lage und Ausblick
Die Situation am Flughafen Schiphol bleibt kritisch. Mit hunderten gestrichenen Flügen und einer Vielzahl an Verspätungen ist der operative Betrieb massiv beeinträchtigt. Die engen Verflechtungen mit dem deutschen Luftverkehr führen dazu, dass die Krise in den Niederlanden direkt auf die Flughäfen in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München durchschlägt.
Für die kommenden 24 bis 48 Stunden wird weiterhin mit erheblichen Unregelmäßigkeiten gerechnet. Die Fluggesellschaften und der Flughafenbetreiber rufen die Passagiere zu Geduld auf und verweisen auf die Unausweichlichkeit der Sicherheitsmaßnahmen bei winterlichen Extrembedingungen. Die Aufarbeitung der logistischen Rückstände wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, selbst wenn sich das Wetter kurzfristig stabilisieren sollte.