Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat eine offizielle Forderung an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gerichtet, die geltenden Nachtflugbeschränkungen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zu lockern.
Der Vorstoß des irischen Luftfahrtunternehmens erfolgt als Reaktion auf einen operativen Zwischenfall am vergangenen Sonntag, bei dem drei Maschinen aufgrund geringfügiger Zeitüberschreitungen vom Nachtflugverbot betroffen waren. Konkret durften zwei geplante Starts nach London-Stansted und Budapest nach Mitternacht nicht mehr durchgeführt werden, während eine Landung aus Vilnius nach Hannover umgeleitet werden musste. Von den daraus resultierenden Flugausfällen und Umwegen waren insgesamt 540 Passagiere betroffen, die teilweise in Hotels untergebracht oder mit Bussen nach Berlin transportiert werden mussten.
Ryanair begründet die Verspätungen mit externen Faktoren, auf welche die Besatzungen keinen direkten Einfluss hatten. Demnach führten langwierige Enteisungsprozesse am Boden des Flughafens Berlin Brandenburg zu massiven Verzögerungen in der Abfertigungskette. In der Luftfahrtbranche ist die Enteisung im Winter ein kritischer Flaschenhals, da sie aus Sicherheitsgründen unmittelbar vor dem Start erfolgen muss. Wenn die Bodenverkehrsdienste bei winterlichen Wetterlagen überlastet sind, geraten eng getaktete Flugpläne schnell aus den Fugen. Die Fluggesellschaft plädiert daher für eine größere Flexibilität und Ausnahmeregelungen bei der Handhabung der Nachtflugzeiten, sofern die Verspätungen durch die Flughafeninfrastruktur selbst verursacht wurden.
Recherchen im Umfeld des Bundesverkehrsministeriums und der Berliner Landespolitik zeigen, dass das Nachtflugverbot am BER ein hochempfindliches politisches Thema bleibt. Die aktuelle Regelung sieht vor, dass zwischen 0:00 Uhr und 5:00 Uhr keine regulären Starts und Landungen stattfinden dürfen; Randzeiten bis 24:00 Uhr sind nur unter strengen Auflagen nutzbar. Während Wirtschaftsverbände eine Flexibilisierung fordern, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern, pochen Anwohnerinitiativen auf die strikte Einhaltung der Lärmschutzvorgaben. Bisher signalisierte das Ministerium wenig Bereitschaft für eine generelle Aufweichung, da die Planungssicherheit für Anwohner und Fluggesellschaften gleichermaßen gewahrt bleiben müsse.
Der Vorfall verdeutlicht die operativen Risiken für Low-Cost-Carrier an Flughäfen mit strengen Curfew-Regelungen. Da Ryanair auf hohe Umlaufgeschwindigkeiten der Flugzeuge setzt, haben bereits kleine Störungen im Betriebsablauf, wie etwa beim Enteisen, weitreichende Konsequenzen für den gesamten Flugplan. Sollte keine Einigung über eine kulantere Auslegung bei Infrastrukturproblemen erzielt werden, drohen dem Standort Berlin weitere Flugstreichungen oder Umleitungen, was wiederum die wirtschaftliche Bilanz des Flughafens und die Attraktivität für internationale Anbieter belasten könnte. Branchenexperten beobachten nun genau, ob der politische Druck durch den Marktführer Ryanair zu einer Anpassung der Verwaltungspraxis führen wird.