Die Sozialpartner in der österreichischen Luftfahrtbranche haben einen bedeutenden Verhandlungserfolg erzielt: Für die Angestellten der Frachtfluggesellschaft DHL Air Austria gilt rückwirkend zum 1. April 2025 erstmals ein eigener Kollektivvertrag. Diese Einigung markiert das Ende intensiver Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft GPA und den Unternehmensvertretern. Mit dem neuen Regelwerk werden erstmals verbindliche Mindestentgelte, klare Arbeitszeitregelungen und einheitliche arbeitsrechtliche Standards für das Bodenpersonal und die administrativen Angestellten des Unternehmens am Standort Österreich festgeschrieben. Bisher gab es für diese spezifische Beschäftigtengruppe innerhalb der DHL Air Austria keine vergleichbare tarifliche Absicherung.
Ein zentraler Bestandteil des Abschlusses ist die signifikante Anpassung der Arbeitszeiten. Die wöchentliche Normalarbeitszeit wird durch den neuen Kollektivvertrag von bisher 40 auf 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich reduziert. Laut Sven Scherb, dem Betriebsratsvorsitzenden der DHL Air Austria, schafft dieser Schritt nicht nur mehr Gerechtigkeit innerhalb der Branche, sondern erhöht auch die Planbarkeit und Sicherheit für die Arbeitnehmer nachhaltig. Die Gewerkschaft GPA sieht in dem Abschluss ein wichtiges Signal für die gesamte Logistik- und Luftfahrtbranche, da er belegt, dass auch in einem hochgradig internationalen und dynamischen Marktumfeld stabile soziale Rahmenbedingungen durchgesetzt werden können.
Zusätzliche Branchenrecherchen verdeutlichen die Bedeutung dieses Schrittes für den Luftfahrtstandort Österreich. DHL Air Austria wurde erst im Jahr 2021 gegründet und betreibt seither vom Flughafen Wien-Schwechat aus ein wachsendes Netzwerk an Frachtflügen innerhalb Europas. Das Unternehmen fungiert als wichtiger Teil des globalen Express-Netzwerks von DHL und beschäftigt eine dreistellige Anzahl an Mitarbeitern in der Alpenrepublik. Branchenexperten werten den neuen Kollektivvertrag als notwendige Professionalisierung der Personalstruktur, um im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte in der Logistikregion Wien attraktiv zu bleiben und gleichzeitig die operative Stabilität durch klare Spielregeln zu gewährleisten.
Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA, betonte im Rahmen der Bekanntgabe die Relevanz der Sozialpartnerschaft in wirtschaftlich angespannten Phasen. Der Vertrag dient als Grundlage für künftige Lohnrunden und bietet sowohl den Beschäftigten als auch dem Unternehmen eine verlässliche Kalkulationsbasis. Während die Frachtluftfahrt global mit schwankenden Transportvolumina konfrontiert ist, setzt der Standort Österreich mit dieser Vereinbarung auf soziale Stabilität. Die Umsetzung der neuen Regelungen erfolgt unmittelbar und umfasst neben den Gehaltstabellen auch Bestimmungen zu Zulagen und Sonderzahlungen, die nun erstmals auf einer kollektivvertraglichen Basis stehen.