Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) reagiert mit deutlicher Ablehnung auf die Ankündigung von Finanzminister Markus Marterbauer, die Preissteigerungen in der Hotellerie und Gastronomie einer offiziellen Prüfung zu unterziehen. ÖHV-Präsident Walter Veit bezeichnete das Vorhaben als Ablenkungsmanöver und forderte stattdessen eine Untersuchung der staatlich beeinflussten Kostenfaktoren. Laut Branchenvertretern seien es vor allem die öffentliche Hand und landesnahe Energieversorger, die durch hohe Steuern, Abgaben und Energiepreise einen Teufelskreis der Teuerung befeuerten. Während die Erzeugerkosten für erneuerbare Energien stabil blieben, würden die Endkundenpreise künstlich hochgehalten, was die heimischen Betriebe, die ihre Waren fast ausschließlich im Inland beziehen, massiv belaste.
Die wirtschaftliche Situation der Branche ist durch eine Kumulation verschiedener Preistreiber gekennzeichnet. Neben den Energiekosten stehen insbesondere die hohen Lohnnebenkosten und die bürokratischen Anforderungen im Fokus der Kritik. Veit betont, dass die Gastwirtschaft Systembedingt kaum Möglichkeiten habe, durch Importe aus Billiglohnländern die Inflation zu dämpfen, da Lebensmittel und Dienstleistungen lokal eingekauft werden. Zusätzliche Belastungen wie die jüngsten Erhöhungen der Ortstaxen sowie die Neuregelung der Trinkgeld-Pauschale hätten die Kalkulationsspielräume der Hoteliers weiter eingeengt. Die ÖHV warnt zudem vor einer drohenden Erhöhung der Grundsteuer, welche die Betriebskosten für Beherbergungsbetriebe erneut in die Höhe treiben würde.
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandortes Österreich langfristig zu sichern, fordert die Hotelvereinigung radikale Reformen statt punktueller Kontrollen. Ganz oben auf der Agenda steht die Entlastung des Faktors Arbeit sowie eine Reduktion des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von zehn auf fünf Prozent, wie sie auch vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) zur Konsumbelebung vorgeschlagen wurde. Zudem verlangt die Branche einen sofortigen Verzicht auf neue Steuern und eine umfassende Entbürokratisierung, um die Verwaltungskosten in den Betrieben zu senken. Der Vorwurf der Profitgier wird seitens der ÖHV zurückgewiesen; vielmehr sei der Staat durch steigende Steuereinnahmen der eigentliche Gewinner der aktuellen Inflationsentwicklung.
Ergänzende Analysen zeigen, dass die Stimmung im österreichischen Tourismus trotz guter Buchungslage aufgrund der sinkenden Rentabilität angespannt bleibt. Viele Betriebe haben bereits interne Sparmaßnahmen und Prozessoptimierungen umgesetzt, sehen nun jedoch das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Branche fordert vom Finanzministerium ein unternehmerisches Denken in der Haushaltspolitik, das auf Ausgabensenkungen statt auf ständige Einnahmenerhöhungen setzt. Die angekündigte Untersuchung der Preise könnte nach Ansicht der ÖHV durchaus eine Chance bieten, sofern sie die tatsächlichen Kostentreiber wie Zinsen, Baukosten und die Abgabenquote objektiv gewichtet und offenlegt.