Leuchtreklame "Hotel" (Foto: Ph B/Unsplash).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Ökonomische Analyse des Adults-only-Segments: Preisvarianzen im globalen Tourismusmarkt 2026

Werbung

Die Wahl einer Unterkunft ohne minderjährige Gäste hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des globalen Tourismusmarktes entwickelt. Eine umfassende Datenanalyse des Anbieters freiheit+, die auf der Auswertung von über 44.000 Angeboten in mehr als 50 internationalen Urlaubsdestinationen basiert, offenbart nun signifikante Preisunterschiede zwischen herkömmlichen Hotels und spezialisierten Erwachsenenresorts.

Während das Segment Adults-only oft mit Exklusivität assoziiert wird, zeigen die Ergebnisse für den Reisezeitraum im Juni 2026 ein differenziertes Bild. In Destinationen wie Phuket oder Queenstown lassen sich durch die Wahl von Unterkünften für Erwachsene massive Einsparungen von bis zu 72 Prozent erzielen. Im Gegensatz dazu verdoppeln sich die Kosten in Regionen wie der Côte d’Azur oder auf den Malediven nahezu, sobald der Filter für kinderfreie Hotels aktiviert wird. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass das Konzept der Ruhe je nach geografischer Lage und lokaler Marktstruktur entweder als kosteneffiziente Nische oder als hochpreisiges Luxusgut gehandelt wird.

Regionale Sparpotenziale durch spezialisierte Zielgruppenansprache

Die Untersuchung identifiziert Phuket als den weltweit attraktivsten Standort für preisbewusste Reisende, die eine kinderfreie Umgebung suchen. Hier zahlen Urlauber im Durchschnitt 72 Prozent weniger als in vergleichbaren Hotels, die Gästen aller Altersgruppen offenstehen. Auf eine Woche gerechnet entspricht dies einer Ersparnis von rund 1.279 Euro. Ein ähnliches Muster zeigt sich in Queenstown, Neuseeland. Obwohl das dortige Preisniveau grundsätzlich höher angesiedelt ist, sinken die Kosten für Adults-only-Angebote um 65,6 Prozent, was eine reale Ersparnis von durchschnittlich 2.263 Euro pro Woche bedeutet. Auch in der Karibik und in Europa finden sich Standorte mit deutlichen Preisvorteilen.

Barbados verzeichnet einen Rückgang von 56,6 Prozent, während die spanischen Cíes-Inseln mit 52 Prozent und das schottische Edinburgh mit 45,7 Prozent Ersparnis attraktive Konditionen für erwachsene Reisende bieten. Diese Zahlen legen nahe, dass in diesen Märkten ein Überangebot an spezialisierten Unterkünften herrscht oder klassische Familienhotels aufgrund ihrer umfangreichen Infrastruktur wie Wasserparks und Betreuungsangeboten deutlich höhere Betriebskosten aufweisen, die an die Kunden weitergegeben werden.

Stabilität im Mittelfeld: Wo Ruhe kaum Mehrkosten verursacht

Abseits der extremen Rabatte existiert ein breites Feld an Destinationen, in denen die Entscheidung für ein Erwachsenenhotel nahezu kostenneutral ausfällt. Insbesondere in Europa scheint sich der Markt in vielen Regionen bereits so weit professionalisiert zu haben, dass kein signifikanter Aufpreis für die Abgrenzung von jüngeren Gästegruppen erhoben wird. Auf der portugiesischen Insel Madeira beläuft sich der Aufschlag auf lediglich 0,2 Prozent.

Ähnlich verhält es sich an der slowenischen Riviera mit 0,6 Prozent sowie in den Metropolen Venedig und Porto, wo die Mehrkosten bei etwa 2,2 Prozent liegen. Auch das indonesische Bali folgt diesem Trend mit einem moderaten Aufpreis von 3,26 Prozent. Für Reisende bedeutet dies in der Praxis, dass die Entscheidung für oder gegen ein Adults-only-Haus keine maßgebliche finanzielle Belastung darstellt, da der Differenzbetrag in diesen Fällen meist unter 50 Euro pro Woche liegt. Hier scheint das Angebot die Nachfrage präzise zu spiegeln, ohne dass der Faktor Ruhe als exklusives Zusatzmerkmal bepreist wird.

Luxussegment und Preisfallen: Die Monetarisierung der Stille

Am oberen Ende der Preisskala wandelt sich das Bild drastisch. In bestimmten Destinationen wird das Fehlen von Kindern als exklusives Privileg vermarktet und entsprechend hochpreisig positioniert. An der französischen Côte d’Azur müssen Reisende mit einem Aufschlag von 90,2 Prozent rechnen, wenn sie ein Hotel ausschließlich für Erwachsene wählen. Auf den Malediven beträgt die Teuerungsrate 86,8 Prozent. In diesen Fällen rücken die Unterkünfte preislich in die Kategorie von High-End-Resorts vor, wobei der Fokus stark auf Ästhetik, Ruhe und gehobener Gastronomie liegt. Sansibar in Tansania folgt mit einem Plus von 65,56 Prozent. Innerhalb Europas erweist sich die Toskana als teures Pflaster für kinderfreien Urlaub, mit einem Preissprung von 59,3 Prozent. Auch auf der griechischen Insel Santorini wird die Ruhe mit einem Aufschlag von 44,8 Prozent zur wertvollen Ressource. In diesen Märkten fungiert das Adults-only-Label oft als Synonym für Boutique-Hotels oder romantische Rückzugsorte, die sich durch eine kleinere Zimmeranzahl und einen höheren Personalschlüssel definieren, was die Preise nach oben treibt.

Marktmechanismen und strategische Entscheidungsfindung

Die erheblichen Schwankungen in der Preisgestaltung deuten auf unterschiedliche wirtschaftliche Kalkulationen der Hotelbetreiber hin. Kai Töpel von freiheit+ betont, dass der Wert ungestörter Ruhe global sehr unterschiedlich bemessen wird. Während manche Märkte das Segment nutzen, um die Auslastung durch eine spitze Zielgruppe zu optimieren und dadurch günstigere Preise anbieten können, nutzen andere Destinationen die hohe Zahlungskraft ruhesuchender Paare und Alleinreisender gezielt aus. Der finanzielle Spielraum der Urlauber wird so zum entscheidenden Faktor bei der Reiseplanung. Wer gezielt nach Ersparnissen sucht, findet in Asien oder Ozeanien Möglichkeiten, das Urlaubsbudget durch die Wahl spezialisierter Hotels zu entlasten. Wer hingegen klassische Luxusdestinationen bevorzugt, muss einkalkulieren, dass das Bedürfnis nach Stille dort oft mit dem Preisschild eines exklusiven Dienstleistungspakets versehen ist.

Methodik der Datenerhebung

Die vorliegende Analyse stützt sich auf einen Erhebungszeitraum vom 19. bis zum 26. Juni 2026. Dieser Zeitraum wurde gewählt, da in dieser Woche in keinem deutschen Bundesland Schulferien stattfinden, was eine Verzerrung durch saisonale Nachfragespitzen im Familiensegment minimiert. Insgesamt wurden die Tarife für zwei Erwachsene bei 44.218 Angeboten auf dem Portal Booking.com verglichen.

Diese breite Datenbasis ermöglicht eine statistisch relevante Aussage über die aktuelle Preisstruktur im globalen Beherbergungsgewerbe und bietet Reisenden eine fundierte Orientierungshilfe für die Budgetplanung im kommenden Urlaubsjahr. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Attribut kinderfrei kein einheitliches Preissignat trägt, sondern stark von der jeweiligen regionalen Wettbewerbssituation abhängt.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung