Foto: Deutsche Flugsicherung.
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Entwicklungen im deutschen Luftraum: Flugsicherung verzeichnet deutliches Verkehrswachstum und steigende Effizienz

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Der deutsche Luftraum nähert sich mit großen Schritten seinem vorpandemischen Aktivitätsniveau an. Wie aus der aktuellen Bilanz der DFS Deutsche Flugsicherung für das abgeschlossene Jahr 2025 hervorgeht, stieg die Zahl der kontrollierten Flugbewegungen signifikant an, während gleichzeitig die durchschnittlichen Verspätungszeiten reduziert werden konnten.

Mit über drei Millionen Starts, Landungen und Überflügen erreichte das Kontrollaufkommen rund 92 Prozent des Niveaus von 2019. Dieser Aufwärtstrend stellt die infrastrukturellen Kapazitäten vor neue Herausforderungen, denen die DFS mit einer massiven Personaloffensive und technologischen Systemoptimierungen begegnet. Trotz der positiven wirtschaftlichen Dynamik im Sektor trüben zunehmende Behinderungen durch unbemannte Flugsysteme die Bilanz. Für das Jahr 2026 plant das bundeseigene Unternehmen eine weitere Aufstockung der Ausbildungsplätze, um die langfristige Betriebssicherheit im Herzen Europas zu gewährleisten.

Dichte Verkehrsströme und neue Rekordwerte im Sommer

Die statistische Auswertung der DFS für das Jahr 2025 belegt eine Zunahme der Flugbewegungen nach Instrumentenflugregeln um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 3,071 Millionen Flüge durch die zuständigen Kontrollzentren sicher geleitet. Besonders in der Ferienzeit erreichte die Belastung des Luftraums Spitzenwerte, die seit sechs Jahren nicht mehr registriert wurden. An mehreren Tagen überschritt das Aufkommen die Marke von 10.000 Flügen innerhalb von 24 Stunden. Als absoluter Spitzentag des Jahres ging der 18. Juli 2025 in die Annalen ein, an dem die Lotsen exakt 10.220 Flugbewegungen koordinierten.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Deutschland seine Funktion als zentrales Transitland im europäischen Luftverkehrsnetz festigt. Während viele deutsche Verkehrsflughäfen noch mit strukturellen Veränderungen im Kurzstreckensegment kämpfen, sorgt vor allem der internationale Überflugverkehr für eine hohe Auslastung der Luftstraßen. Die DFS führt diesen Zuwachs auf eine stabile Erholung im interkontinentalen Verkehr sowie eine Zunahme der Verbindungen in Richtung Südosteuropa und den Nahen Osten zurück.

Effizienzsteigerung trotz höherer Komplexität

Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen des vergangenen Jahres ist die Entkoppelung von Verkehrsmenge und Verspätungsminuten. Obwohl mehr Flugzeuge den Luftraum nutzten, sank die durchschnittliche flugsicherungsbedingte Verspätung von 50 Sekunden pro Flug im Jahr 2024 auf nunmehr rund 30 Sekunden. Geschäftsführer Dirk Mahns betonte in diesem Zusammenhang, dass 2025 ein Jahr erheblicher operativer Verbesserungen gewesen sei. Erreicht wurde dies durch eine Kombination aus softwaregestützter Optimierung des Luftraummanagements und einer flexibleren Sektorisierung der Zuständigkeitsbereiche.

Durch verbesserte Flugsicherungssysteme können Lotsen die Staffelung der Flugzeuge heute präziser planen, was unnötige Warteschleifen reduziert und direktere Anflüge ermöglicht. Die technologische Modernisierung in den Kontrollzentren Langen, München, Bremen und Karlsruhe erlaubt eine höhere Produkivität des vorhandenen Personals, da Informationsflüsse zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen weitgehend automatisiert wurden. Dies ist insbesondere an Tagen mit extremen Wetterlagen oder unvorhersehbaren Streckenverlagerungen ein entscheidender Faktor für die Aufrechterhaltung der Pünktlichkeit.

Offensive bei der Personalgewinnung und Ausbildung

Um den prognostizierten weiteren Anstieg des Verkehrsaufkommens im Jahr 2026 bewältigen zu können, setzt die DFS verstärkt auf die Rekrutierung von Nachwuchskräften. Der Beruf des Fluglotsen gilt aufgrund der hohen Verantwortung und der komplexen Ausbildung als einer der anspruchsvollsten im Transportsektor. Im Jahr 2025 wurden bereits 140 neue Auszubildende eingestellt; für das laufende Jahr ist eine Steigerung auf 150 Neueinstellungen vorgesehen.

Parallel dazu investiert die DFS in die Kapazitäten ihrer eigenen Akademie in Langen. Durch die Aufstockung der Ausbildungsplätze und die Modernisierung der Simulationszentren soll die Zeit bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft der Nachwuchslotsen verkürzt werden, ohne die hohen Sicherheitsstandards zu gefährden. Diese personelle Nachführung ist notwendig, um die altersbedingten Abgänge der kommenden Jahre zu kompensieren und gleichzeitig die Kapazitätsreserven des Systems zu erhöhen. Experten weisen darauf hin, dass eine ausreichende Personaldecke die wichtigste Voraussetzung ist, um bei unerwarteten Verkehrsspitzen flexibel reagieren zu können.

Zunahme der Störungen durch Drohnen im Luftraum

Ein wachsender Risikofaktor für die Sicherheit im kontrollierten Luftraum ist die unbefugte Nutzung von Drohnen in der Nähe von Flughäfen. Im Jahr 2025 registrierte die DFS insgesamt 225 Behinderungen durch unbemannte Luftfahrtsysteme, was einer deutlichen Steigerung gegenüber den 161 Vorfällen des Jahres 2024 entspricht. Solche Ereignisse führen oft zu sofortigen Sperrungen ganzer Sektoren oder Startbahnen, was massive Verspätungen für hunderte Passagiere nach sich zieht.

Allerdings schränkt die DFS ein, dass der Anstieg der Meldungen teilweise auch auf eine verbesserte Überwachung zurückzuführen sein könnte. Seit Beginn des Jahres 2025 verfügt die Bundespolizei über fortschrittlichere Detektionssysteme, die es ermöglichen, Drohnen und deren Piloten im Umfeld kritischer Infrastrukturen schneller und zuverlässiger zu identifizieren. Während die technologische Erkennung also Fortschritte macht, bleibt die rechtliche und operative Handhabung dieser Vorfälle eine Daueraufgabe für die Behörden.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Ausblick auf 2026

Die finanzielle Situation der Flugsicherung ist eng an die Entwicklung der Gebühreneinnahmen gekoppelt, die von den Fluggesellschaften für die Inanspruchnahme der Dienste entrichtet werden. Mit dem Erreichen von 92 Prozent des Vorkrisenniveaus stabilisieren sich die Einnahmen, was notwendige Reinvestitionen in die Hardware-Infrastruktur ermöglicht. Für das Jahr 2026 rechnet die DFS mit einer Fortsetzung des Wachstumskurses, wobei insbesondere die Integration neuer Mobilitätsformen und die weitere Harmonisierung des europäischen Luftraums im Fokus stehen werden.

Die DFS sieht sich gut gerüstet, um Deutschland als leistungsfähigen Luftverkehrsknotenpunkt zu erhalten. Die Kombination aus gesteigerter Effizienz, sinkenden Verspätungswerten und einer proaktiven Personalpolitik bildet das Fundament für einen sicheren und pünktlichen Flugbetrieb. Trotz globaler Unsicherheiten bleibt die Nachfrage nach Mobilität hoch, was die Flugsicherung auch in den kommenden Jahren zu einem zentralen Akteur der deutschen Wirtschaftsinfrastruktur macht.

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