Boeing 737-800, betrieben von Buzz (Foto: Jan Gruber).
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Untersuchung in Portugal: Triebwerksschaden bei Ryanair-Maschine blieb über vier Flüge unentdeckt

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Die portugiesische Ermittlungsbehörde für Luftfahrtunfälle (GPIAA) hat einen Vorfall am Flughafen Faro untersucht, bei dem eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft Ryanair trotz einer Beschädigung am Triebwerksgehäuse über einen Zeitraum von 24 Stunden im regulären Flugbetrieb blieb. Am 15. November 2025 setzte die Maschine mit der Registrierung EI-ENG bei der Landung aus Mailand-Bergamo unter schwierigen Wetterbedingungen mit Gewittern und Scherwinden hart auf der Landebahn auf. Datenaufzeichnungen belegen eine Belastung von 1,69G beim Aufsetzvorgang, wobei das Flugzeug nach einem kurzen Springen des linken Fahrwerks eine Rechtsneigung von neun Grad einnahm. Infolgedessen kam es zu einem Bodenkontakt der Unterseite des rechten Triebwerksgehäuses mit der Pistenoberfläche.

Trotz dieses sogenannten „Pod Strikes“ bemerkte die Besatzung keine Unregelmäßigkeiten während des Ausrollens oder beim anschließenden Rollen zum Vorfeld. Da keine Warnmeldungen im Cockpit erschienen und das Fahrverhalten normal blieb, stufte die Crew die Landung nicht als übermäßig hart ein. Auch bei der obligatorischen Sichtkontrolle nach dem Flug durch das Personal wurden keine äußeren Schäden festgestellt. Dies führte dazu, dass die Maschine für den weiteren Flugdienst freigegeben wurde. In der Folge absolvierte das Flugzeug vier weitere Passagierflüge, ohne dass die nachfolgenden Besatzungen oder Techniker bei einer Zwischenkontrolle am Abend des Vorfallstages die strukturelle Beschädigung an der Unterseite des Triebwerks bemerkten.

Die Ermittler betonten in ihrem Bericht, dass die Triebwerksverkleidungen der Boeing 737 sehr bodennah konstruiert sind, was eine optische Erfassung von Schäden an der Unterseite im Rahmen einer routinemäßigen Rampeninspektion erheblich erschwert. Erst am darauffolgenden Tag wurde das Ausmaß der Beschädigung bei einer detaillierteren Überprüfung entdeckt. Die Fluggesellschaft erklärte die Maschine daraufhin in Faro für fluguntauglich (Aircraft on Ground). Das Flugzeug blieb für Reparaturen und umfassende Sicherheitschecks bis zum 22. November am Boden. Der Vorfall unterstreicht laut GPIAA die Notwendigkeit, Inspektionsprogramme strikt einzuhalten, auch wenn Ereignisse subjektiv als unkritisch wahrgenommen werden.

Zusätzliche Recherchen in vergleichbaren Fällen zeigen, dass Bodenkontakte von Triebwerken bei der Boeing 737-Serie aufgrund der flachen Triebwerksgehäuse (Nacelles) ein bekanntes Risiko bei instabilen Landungen darstellen. Ryanair hat nach eigenen Angaben eine interne Untersuchung eingeleitet und Maßnahmen zur Risikominimierung umgesetzt, macht zu den genauen Details dieser Schritte jedoch keine öffentlichen Angaben. Die Luftfahrtbehörden nutzen diesen Fall nun als Beispiel, um auf die Herausforderungen visueller Kontrollen in schwer einsehbaren Bereichen hinzuweisen und die Bedeutung präziser digitaler Flugdatenauswertungen zur frühzeitigen Identifizierung von Belastungsspitzen hervorzuheben.

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