Die US-amerikanische Fluggesellschaft Alaska Airlines hat eine umfassende Erweiterung ihrer Flottenstrategie bekannt gegeben und festigt damit ihre langfristige Partnerschaft mit dem Flugzeugbauer Boeing. Durch die Ausübung sämtlicher bestehender Optionen sowie die Platzierung neuer Festbestellungen sichert sich das Unternehmen den Zufluss moderner Flugzeuge bis in das Jahr 2035.
Im Zentrum der Ankündigung steht die Bestellung von fünf zusätzlichen Großraumflugzeugen des Typs Boeing 787-10 sowie ein massiver Ausbau der Kapazitäten im Schmalrumpfsegment durch 105 Maschinen des Typs Boeing 737-10. Diese Investition markiert einen historischen Wendepunkt für die Airline aus Seattle: Erstmals in ihrer Geschichte bereitet sich Alaska Airlines systematisch darauf vor, von ihrem Heimatdrehkreuz aus ein eigenständiges interkontinentales Netzwerk aufzubauen, das bis zum Ende des Jahrzehnts auch zahlreiche europäische Metropolen umfassen soll. Mit einem geplanten Anwachsen der Gesamtflotte auf bis zu 550 Maschinen bis 2035 unterstreicht das Unternehmen seine Ambition, über seine traditionellen Kernmärkte an der US-Westküste hinaus zu einem bedeutenden Akteur im globalen Luftverkehr aufzusteigen.
Expansion im Langstreckensegment: Die Rolle der Boeing 787-10
Lange Zeit galt Alaska Airlines als spezialisierter Anbieter für Kurz- und Mittelstrecken innerhalb Nordamerikas, wobei das Unternehmen zuletzt auf eine reine Flotte des Typs Boeing 737 setzte. Die nun verkündete Bestellung der Boeing 787-10, der größten Variante der Dreamliner-Familie, signalisiert das Ende dieser Ära. Die Integration dieses Typs erlaubt es der Fluggesellschaft, Passagiere in einer hocheffizienten Drei-Klassen-Konfiguration über weite Distanzen zu befördern.
Die Entscheidung für die 787-10 ist strategisch eng mit der im Jahr 2024 vollzogenen Übernahme von Hawaiian Airlines verknüpft. Durch diesen Zusammenschluss erhielt Alaska Airlines nicht nur wertvolle Marktanteile im pazifischen Raum, sondern auch Zugang zu weitreichendem Know-how im Betrieb von Großraumflugzeugen. Während Hawaiian bereits über eine etablierte Langstreckeninfrastruktur verfügt, nutzt Alaska Airlines diese nun als Sprungbrett, um vom Seattle-Tacoma International Airport (SeaTac) aus Ziele zu erreichen, die zuvor außerhalb ihrer operativen Reichweite lagen. Die Reichweite der 787-10 ermöglicht Direktverbindungen von der US-Nordwestküste nach Europa, Asien und tief in den südamerikanischen Kontinent.
Massiver Ausbau der Mittelstreckenkapazität mit der 737-Max-Familie
Parallel zur Langstreckenoffensive investiert Alaska Airlines massiv in die Modernisierung ihrer Kernflotte. Die Festbestellung von 105 Boeing 737-10 stellt eine der bedeutendsten Verpflichtungen für diesen Typ in der jüngeren Konzerngeschichte dar. Die 737-10 ist das größte Mitglied der Max-Familie und bietet eine Kapazität, die herkömmliche Mittelstreckenjets übertrifft, was insbesondere auf nachfragestarken Routen zwischen der West- und Ostküste der USA zu einer deutlichen Senkung der Stückkosten führt.
Zusätzlich zu den Festbestellungen hält sich das Unternehmen Optionen für weitere 35 Maschinen dieses Typs offen. Damit reagiert Alaska Airlines auf den steigenden Bedarf an Sitzplatzkapazitäten in einem Marktumfeld, das durch eine zunehmende Konsolidierung der US-Airlines geprägt ist. Bis zum Jahr 2030 plant die Fluggesellschaft, ihre aktive Flotte auf 475 Flugzeuge auszubauen. Die neuen Maschinen sollen dabei nicht nur das Wachstum generieren, sondern auch ältere Modelle der 737-800 Generation ersetzen, die in den kommenden Jahren das Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer erreichen.
Strategisches Ziel: Seattle als globales Drehkreuz
Unternehmenschef Ben Minicucci hat klare Vorstellungen für die Zukunft des Standortes Seattle. In Gesprächen mit Branchenanalysten und regionalen Medien wie der Seattle Times betonte er, dass die Airline nun über alle notwendigen Werkzeuge verfüge, um Seattle zu einem erstklassigen globalen Gateway zu transformieren. Das erklärte Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 mindestens zwölf interkontinentale Ziele direkt von SeaTac aus zu bedienen.
Bisher war Alaska Airlines stark von Partnern innerhalb der Oneworld-Allianz abhängig, um ihren Kunden weltweite Verbindungen anzubieten. Mit der eigenen Langstreckenflotte reduziert das Unternehmen diese Abhängigkeit und kann Flugpläne sowie Serviceprodukte besser auf die Bedürfnisse der eigenen Stammkunden zuschneiden. Besonders der europäische Markt steht im Fokus der Planer. Direktverbindungen nach London, Frankfurt oder Paris ab Seattle gelten als hochprofitabel und sollen das bisherige Angebot der Allianzpartner ergänzen oder teilweise ersetzen.
Wirtschaftliche Implikationen und Marktdynamik
Das Auftragsbuch von Alaska Airlines umfasst nun insgesamt 245 fest bestellte Flugzeuge bei Boeing, zusätzlich zu den bereits betriebenen 94 Maschinen der Max-Serie. In einer Zeit, in der Lieferkettenprobleme und Produktionsverzögerungen die Luftfahrtbranche weltweit belasten, ist die Sicherung von Produktionsslots bis 2035 ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die langfristige Bindung an Boeing unterstreicht zudem die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Fluggesellschaft und dem Hersteller, der in der Region Seattle verwurzelt ist.
Finanzanalysten bewerten die Expansionspläne als ambitioniert, aber durch die Integration von Hawaiian Airlines als gut fundiert. Die Herausforderung wird darin bestehen, die deutlich komplexeren Betriebsabläufe eines interkontinentalen Flugbetriebs in die bestehende Struktur zu integrieren. Hierbei setzt Alaska Airlines auf Synergieeffekte bei der Wartung und Ausbildung, die durch die Konzentration auf zwei Hauptfamilien – die 737 für die Kurzstrecke und die 787 für die Langstrecke – erzielt werden sollen.
Der Wachstumspfad von derzeit 413 auf 550 Flugzeuge bis zum Jahr 2035 verdeutlicht das Vertrauen des Managements in eine anhaltend starke Nachfrage nach Flugreisen. Die Kapazitätserhöhung zielt darauf ab, sowohl organisch zu wachsen als auch Marktanteile von Konkurrenten an den großen Hubs der US-Westküste zu gewinnen. Mit der 737-10 und der 787-10 positioniert sich Alaska Airlines als vielseitiger Anbieter, der in der Lage ist, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich die Transformation vom regionalen Champion zum globalen Mitspieler verläuft, doch die bestellten Pfeile im Köcher, wie es Minicucci ausdrückte, sind nun bereit für ihren Einsatz.