Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic plant für das Jahr 2026 eine Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells. Weniger ACMI, mehr auf eigene Rechnung steht nun im Fokus.
Nachdem das Unternehmen im Sommer 2025 zeitweise bis zu 44 Prozent seiner Flugkapazitäten im Rahmen von Wetlease-Verträgen für andere Fluggesellschaften – primär innerhalb der Lufthansa Group – bereitgestellt hatte, soll im kommenden Jahr die eigene Markenpräsenz durch eine umfassende Netzexpansion gestärkt werden. Trotz der engen Partnerschaft mit Lufthansa, die sich zuletzt in kurzfristigen Einsätzen für Austrian Airlines nach deren Vertragsbruch mit Braathens Regional Airways zeigte, liegt der Fokus nun auf der Erschließung neuer Direktverbindungen aus den baltischen Staaten.
Das Expansionsprogramm für 2026 sieht die Aufnahme zahlreicher neuer Strecken vor. Vom Heimatdrehkreuz Riga aus werden Antalya, Göteborg, Kaunas, Oulu und Warschau angeflogen. Auch die Standorte Tallinn und Vilnius verzeichnen ein deutliches Wachstum: In Estland ergänzen Athen, Hamburg und Wien das Angebot, während von der litauischen Hauptstadt aus neue Routen nach Chisinau und Zürich bedient werden. Besonders auffällig ist die strategische Anbindung an die Drehkreuze des Lufthansa-Konzerns, was die bestehende Kooperation trotz der Konzentration auf eigene Linienflüge weiter festigt. Neben den neuen Zielen plant die Fluggesellschaft, die Frequenzen auf über 30 bestehenden Routen massiv zu erhöhen.
Hintergrund dieser Entwicklung ist die erfolgreiche Stabilisierung des Unternehmens durch das ACMI-Geschäft (Aircraft, Crew, Maintenance and Insurance). Im dritten Quartal 2025 absolvierte Air Baltic rund 10.500 Flüge für Drittkunden, was eine solide finanzielle Basis für die nun geplante Eigenexpansion schuf. Branchenanalysen deuten darauf hin, dass Air Baltic durch den Einsatz einer einheitlichen Flotte vom Typ Airbus A220-300 über einen Kostenvorteil verfügt, der sowohl im Wetlease-Markt als auch auf eigenen Strecken Wettbewerbsvorteile generiert. Die Airline nutzt diese Effizienz, um sich als führender Anbieter im Ostseeraum zu positionieren und gleichzeitig die Interkonnektivität zwischen dem Baltikum und Mitteleuropa zu verbessern.
Zusätzliche Recherchen im Luftfahrtsektor bestätigen, dass der Ausbau der Kapazitäten in Vilnius und Tallinn eine direkte Reaktion auf die steigende Nachfrage in den Bereichen Geschäftsreisen und Städtetourismus ist. Während Air Baltic in der Vergangenheit oft als „Lückenfüller“ für personelle oder technische Engpässe bei größeren Carriern einsprang, erlaubt die aktuelle Flottenstärke von über 45 Flugzeugen nun eine parallele Fahrweise von Fremdaufträgen und eigenem Streckenwachstum. Die strategische Einbindung von Zielen wie Zürich und Wien zeigt zudem das Bestreben, hochwertige Anschlussverkehre für Passagiere aus dem Baltikum zu sichern und die Abhängigkeit von reinen Zubringerdiensten für Partnerairlines zu verringern.