Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Extremer Eisregen führt zur vollständigen Betriebseinstellung am Flughafen Wien-Schwechat

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Ein massives Winterwetterereignis hat in den frühen Morgenstunden des heutigen Dienstages zu einer vollständigen Sperrung des größten österreichischen Luftfahrt-Drehkreuzes geführt. Der Flughafen Wien-Schwechat musste aufgrund von gefrierendem Regen und extrem niedrigen Bodentemperaturen sämtliche Start- und Landeoperationen einstellen.

Da sich das gesamte Vorfeld, die Rollwege und die beiden Pisten binnen kürzester Zeit in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelten, sahen sich die Verantwortlichen gezwungen, den Betrieb aus Sicherheitsgründen zu unterbrechen. Ein offizielles Notam (Notice to Airmen) wurde veröffentlicht, das die Schließung des Flughafens zunächst bis mindestens 11 Uhr Lokalzeit festschreibt. Hunderte Passagiere sind von Flugstreichungen, massiven Verspätungen und Umleitungen im internationalen Luftverkehr betroffen. Die Verantwortlichen des Winterdienstes sind mit schwerem Gerät im Dauereinsatz, kämpfen jedoch gegen die unmittelbare Neubildung von Eisschichten an.

Herausforderungen durch gefrierenden Regen und Bodenvorfrost

Die meteorologische Ursache für das aktuelle Verkehrschaos liegt in einer Kombination aus langanhaltenden Minusgraden in den vorangegangenen Tagen und einer heraufziehenden Warmfront, die Feuchtigkeit in Form von Regen mit sich bringt. Da der Boden tiefgefroren ist, gefriert der auftreffende Regen sofort und bildet einen sogenannten Blitzeis-Panzer. Flughafensprecher Peter Kleemann erläuterte, dass herkömmliche Enteisungsmaßnahmen unter diesen Bedingungen nur eine sehr kurzfristige Wirkung zeigen. Unmittelbar nach der mechanischen und chemischen Behandlung der Oberflächen bildet sich durch den anhaltenden Niederschlag eine neue Eisschicht.

Der Winterdienst des Flughafens Wien, der als einer der effizientesten in Europa gilt, operiert seit den Nachtstunden mit maximaler Kapazität. Zum Einsatz kommen dabei großflächige Kehrblasgeräte und Streufahrzeuge, die spezielle Enteisungsmittel auf Acetat- oder Formiatbasis ausbringen. Diese Mittel sind notwendig, da herkömmliches Streusalz bei den herrschenden Bedingungen und aus technischen Gründen im Flugbetrieb nicht die erforderliche Wirkung erzielt oder Korrosionsschäden an den Flugzeugen verursachen könnte. Dennoch bleibt die Lage prekär, da die Sicherheit der Bodenbewegungen sowohl für Flugzeuge als auch für Abfertigungsfahrzeuge oberste Priorität hat.

Massive Beeinträchtigungen im internationalen Flugplan

Die Sperrung hat weitreichende Auswirkungen auf den globalen Flugverkehr, insbesondere auf die Langstreckenverbindungen. Die Austrian Airlines Maschine OS 008, eine Boeing 777-200ER aus Bangkok kommend, konnte den Zielflughafen Wien nicht ansteuern und musste nach München ausweichen. Ebenso betroffen war der Kurs ANA 205 der All Nippon Airways aus Tokio. Die Boeing 787 Dreamliner befand sich bereits im österreichischen Luftraum über Krems, als die Entscheidung zur Umleitung getroffen wurde. Die Maschine drehte ab und steuerte in den deutschen Luftraum, wobei Frankfurt oder München als wahrscheinliche Ausweichziele gelten.

Neben dem Passagierverkehr ist auch der Logistiksektor schwer getroffen. Mehrere Frachtmaschinen großer Anbieter wie UPS und FedEx, die für die Versorgungsketten in Zentraleuropa von Bedeutung sind, mussten zu Standorten wie Köln oder Venedig umgeleitet werden. Da der Flughafen Wien als wichtiges Fracht-Hub fungiert, ist mit Verzögerungen bei der Zustellung von zeitkritischen Gütern in der gesamten Region zu rechnen. Die betroffenen Fluggesellschaften arbeiten derzeit an Krisenplänen, um die gestrandeten Passagiere und Waren nach der Wiedereröffnung des Airports so schnell wie möglich an ihr Ziel zu bringen.

Logistische Herausforderungen an den Ausweichflughäfen

Die Umleitung zahlreicher Großraumflugzeuge stellt auch die Ausweichflughäfen vor logistische Aufgaben. Flughäfen wie München und Frankfurt müssen zusätzliche Parkpositionen und Abfertigungskapazitäten bereitstellen. Für die Passagiere der umgeleiteten Flüge bedeutet dies oft stundenlange Wartezeiten an Bord oder in den Terminals der Ausweichstandorte.

Da unklar ist, ob der Betrieb in Wien tatsächlich um 11 Uhr wieder aufgenommen werden kann, hängen viele Anschlussverbindungen in der Schwebe. Die Austrian Airlines teilte mit, dass es im gesamten Tagesverlauf zu Folgeverspätungen kommen wird, da Maschinen und Besatzungen nicht an den vorgesehenen Einsatzorten positioniert sind.

Informationen für Passagiere und Ausblick auf den Tagesverlauf

Das Flughafenmanagement appelliert an alle Reisenden, sich vor der Abreise zum Airport über den aktuellen Status ihres Fluges bei der jeweiligen Airline oder über die Flughafen-App zu informieren. Passagiere, deren Flüge bereits als annulliert gemeldet wurden, werden ausdrücklich gebeten, nicht zum Flughafen zu kommen, um eine zusätzliche Überlastung der Terminals zu vermeiden. Da die Kapazitäten für Umbuchungen in den Kundenzentren vor Ort begrenzt sind, wird auf die digitalen Kanäle und Hotlines der Fluggesellschaften verwiesen.

Die weitere Entwicklung des Flugbetriebs hängt maßgeblich von der Wetterentwicklung in den kommenden Stunden ab. Sollten die Temperaturen steigen oder der Niederschlag nachlassen, könnte eine schrittweise Öffnung der Pisten erfolgen. Dennoch wird es voraussichtlich bis in die späten Abendstunden oder gar bis zum nächsten Tag dauern, bis sich der Flugplan wieder stabilisiert hat. Der finanzielle Schaden durch die Sperrung lässt sich derzeit noch nicht beziffern, dürfte jedoch durch die Gebührenausfälle, die Kosten für den Winterdienst und die Entschädigungsansprüche der Passagiere erheblich sein.

Sicherheitsaspekte bei Bodenvereisung

Die Entscheidung zur Totalsperre eines Flughafens wird niemals leichtfertig getroffen, da sie immense wirtschaftliche Konsequenzen hat. Im Falle von Blitzeis besteht jedoch die Gefahr, dass Flugzeuge beim Rollen zur Startbahn die Spur verlieren oder bei der Landung trotz Bremsmanövern über das Bahnende hinausschießen. Zudem müssen die Flugzeuge selbst vor dem Start aufwendig enteist werden (De-Icing), was bei anhaltendem Eisregen ebenfalls nur eine begrenzte Wirksamkeit hat.

Wenn das Zeitfenster zwischen der Enteisung des Flugzeugs und dem Erreichen der Startbahn zu lang wird, ist ein sicherer Start nicht mehr gewährleistet. Die aktuelle Entscheidung der Wiener Betriebsleitung wird daher von Experten als alternativlos bewertet, um die physische Integrität von Passagieren und Gerät zu schützen.

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