Foto: Flughafen München GmbH.
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Neuausrichtung an der Spitze des Weltverbandes der Verkehrsflughäfen

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Jost Lammers, der amtierende Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, übernimmt im Jahr 2026 eine führende Rolle in der internationalen Luftverkehrspolitik. Als gewählter Vorsitzender des World Governing Board des Airports Council International (ACI) wird der deutsche Manager für die Amtszeit 2026/2027 die strategischen Geschicke der globalen Flughafenindustrie leiten.

Er tritt damit die Nachfolge von Candace McGraw an, die nach ihrer Tätigkeit als Chefin des Cincinnati/Northern Kentucky International Airport in den Ruhestand getreten ist. In seiner neuen Funktion steht Lammers einem Gremium vor, das die Interessen von rund 2.200 Flughäfen in 170 Ländern vertritt. Die Ernennung erfolgt in einer Zeit, in der die Luftfahrtbranche vor massiven technologischen Umbrüchen und der Notwendigkeit steht, die operative Belastbarkeit der globalen Verkehrsknotenpunkte angesichts steigender Passagierzahlen und komplexer politischer Rahmenbedingungen zu sichern. Lammers bringt dabei seine jahrzehntelange Erfahrung aus verschiedenen europäischen Luftverkehrsdrehkreuzen ein, um die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Regulierungsbehörden und Flughafenbetreibern weltweit zu intensivieren.

Struktur und Einfluss des weltweiten Flughafenverbandes

Der Airports Council International fungiert als die zentrale Stimme der Flughafenbetreiber auf globaler Ebene. Mit Sitz in Montreal arbeitet die Organisation eng mit der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) zusammen, um einheitliche Standards und empfohlene Verfahren für den sicheren und effizienten Luftverkehr zu entwickeln.

Das World Governing Board, dem Lammers nun vorsitzt, besteht aus 28 Vorstandsvorsitzenden führender Flughäfen, die die fünf Weltregionen – Afrika, Asien-Pazifik und Naher Osten, Europa, Lateinamerika und Karibik sowie Nordamerika – repräsentieren. Die Aufgaben des Boards sind weitreichend: Es legt die politischen Leitlinien fest, koordiniert die Beziehungen zu internationalen Regierungsorganisationen und treibt Innovationen in den Bereichen Sicherheit, Passagierabfertigung und betriebliche Effizienz voran. Angesichts der Tatsache, dass Flughäfen als kritische Infrastruktur und Wirtschaftsmotoren fungieren, kommt der strategischen Ausrichtung durch das ACI eine entscheidende Bedeutung für die globale Konnektivität zu.

Werdegang eines Branchenexperten

Jost Lammers verfügt über eine Karriere im Luftverkehrssektor, die mittlerweile fast drei Jahrzehnte umfasst. Bevor er im Jahr 2020 die Leitung des Münchner Flughafens übernahm, prägte er maßgeblich die Entwicklung des Flughafens Budapest Ferenc Liszt (BUD) als dessen CEO.

Unter seiner Führung entwickelte sich der Standort Budapest zu einem der am schnellsten wachsenden Regionaldrehkreuze in Mitteleuropa und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für die Servicequalität. Seine Verbindung zum ACI ist tief verwurzelt: Bereits von 2017 bis 2023 war er Mitglied im Vorstand von ACI Europe, dem europäischen Zweig des Verbandes, dessen Präsidentschaft er im Jahr 2019 übernahm. Seit 2019 gehört er zudem dem weltweiten Gremium an und bekleidete zuletzt in den Jahren 2024 und 2025 die Position des stellvertretenden Vorsitzenden. Diese kontinuierliche Einbindung in die Verbandsarbeit garantiert eine nahtlose Fortführung der laufenden Initiativen und eine stabile Führung in einer dynamischen Branchenphase.

Strategische Zusammenarbeit und operative Resilienz

In seiner neuen Rolle wird Lammers eng mit dem Generaldirektor von ACI World, Justin Erbacci, zusammenarbeiten. Erbacci betonte anlässlich der Ernennung, dass Lammers‘ tiefes Verständnis für betriebliche Abläufe und Luftverkehrspolitik zu einem entscheidenden Zeitpunkt kommt.

Ein Schwerpunkt der kommenden Jahre wird die Stärkung der operativen Resilienz sein. Viele Flughäfen weltweit kämpfen mit den Folgen personeller Engpässe und der Notwendigkeit, die Kapazitäten durch technologische Innovationen wie Biometrie und automatisierte Abfertigungssysteme zu erweitern, ohne die physische Infrastruktur massiv ausbauen zu müssen. Lammers gilt als Befürworter einer stärkeren Digitalisierung der Reisekette, um die Durchlaufzeiten an den Terminals zu optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Flughäfen gegenüber anderen Verkehrsträgern zu sichern.

Politische Herausforderungen und globale Kooperation

Die Flughafenbranche agiert in einem hochregulierten Umfeld, in dem nationale Interessen oft mit globalen Standards harmonisiert werden müssen. Lammers wird als ACI-Vorsitzender die Aufgabe haben, einen Konsens zwischen den unterschiedlichen Regionen herbeizuführen. Während in Nordamerika und Europa Fragen der Slot-Regulierung und der Gebührenstrukturen im Vordergrund stehen, liegt der Fokus in den Wachstumsregionen Asiens und des Nahen Ostens oft auf dem rasanten Ausbau der Infrastruktur und der Bewältigung massiver Verkehrsströme.

Seine Fähigkeit, zwischen den verschiedenen Akteuren zu vermitteln, wird als Schlüsselfaktor für den Erfolg seiner Amtszeit angesehen. Zudem stehen Verhandlungen über internationale Sicherheitsstandards und die Harmonisierung von Grenzkontrollprozessen auf der Agenda, um das Reiseerlebnis für die weltweit Milliarden von Passagieren konsistenter zu gestalten.

Innovation als Motor der Flughafenentwicklung

Ein weiteres zentrales Thema unter dem Vorsitz von Jost Lammers wird die Förderung von Innovationen sein. Hierzu zählt nicht nur die Implementierung neuer IT-Systeme, sondern auch die Erforschung neuer Geschäftsmodelle für Flughäfen.

In einer Zeit, in der die Erlöse aus dem klassischen Flugbetrieb unter Druck stehen, gewinnen Non-Aviation-Umsätze – etwa aus dem Einzelhandel, der Gastronomie und immobilienspezifischen Projekten auf dem Flughafengelände – zunehmend an Bedeutung. München, Lammers‘ Heimatflughafen, gilt hierbei weltweit als Vorbild für das Konzept der „Airport City“. Diese Expertise will Lammers nutzen, um Flughäfen weltweit dabei zu unterstützen, ihre Einnahmequellen zu diversifizieren und sich als eigenständige Wirtschaftszentren zu positionieren. Auch die Integration neuer Luftverkehrstechnologien wie Drohnen und elektrischer Vertikalstarter (eVTOL) in den bestehenden Flughafenbetrieb wird eine Rolle in den strategischen Diskussionen des Boards spielen.

Fazit und Ausblick auf die Amtszeit 2026/27

Die Ernennung von Jost Lammers zum Vorsitzenden des ACI World Governing Board ist eine Anerkennung seiner bisherigen Leistungen und ein Vertrauensbeweis in die deutsche Flughafenexpertise. Mit einem erfahrenen Praktiker an der Spitze will der Weltverband sicherstellen, dass die Interessen der Flughäfen im Dialog mit Fluggesellschaften und Regierungen kraftvoll vertreten werden.

Die Amtszeit 2026/2027 wird maßgeblich davon geprägt sein, die Weichen für ein effizientes und technisch fortschrittliches globales Flughafennetzwerk zu stellen. Für Jost Lammers persönlich bedeutet dies einen Spagat zwischen der Leitung des bayerischen Luftfahrtdrehkreuzes in München und der Repräsentation der weltweiten Flughafenbranche auf internationalem Parkett. Die Branche blickt mit hohen Erwartungen auf seine Führung, um die Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt erfolgreich zu meistern.

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