Der Bodensee-Airport Friedrichshafen hat mit Beginn des Jahres 2026 einen Meilenstein für die infrastrukturelle Anbindung Süddeutschlands erreicht. Durch die Aufnahme neuer Linienverbindungen der Fluggesellschaft Avanti Air im Auftrag von Air Uniqon werden die wirtschaftlich bedeutenden Metropolen Berlin, Düsseldorf und Hamburg wieder direkt vom südlichsten Verkehrsflughafen Deutschlands aus angeflogen.
Diese Entwicklung markiert das Ende einer Phase eingeschränkter Erreichbarkeit, die insbesondere die regionale Wirtschaft und das Messewesen vor logistische Herausforderungen gestellt hatte. Die feierliche Eröffnung der Strecken, begleitet von hochrangigen Vertretern aus Politik und Wirtschaft, unterstreicht die strategische Bedeutung des Flughafens als Drehscheibe im Vierländereck. Mit dem Einsatz von Turboprop-Maschinen des Typs Dash 8-400 zielt das Angebot primär auf den Geschäftsreiseverkehr ab, bietet jedoch auch für den Tourismus und den privaten Besuchsverkehr neue Kapazitäten. Die Kooperation zwischen der Airline und regionalen Partnern sichert dabei eine bedarfsgerechte Taktung zu den wichtigsten deutschen Entscheidungszentren.
Strategische Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Bodensee
Die Region rund um den Bodensee gilt als eine der innovationsstärksten Zonen Europas, geprägt durch global agierende Industriekonzerne der Luft- und Raumfahrt, des Maschinenbaus sowie der Automobilzulieferung. Für diese Unternehmen ist eine schnelle und zuverlässige Anbindung an die Landeshauptstadt Berlin sowie an die Finanz- und Handelszentren Düsseldorf und Hamburg ein wesentlicher Standortfaktor. Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen, betonte anlässlich des Erstfluges, dass die neuen Verbindungen die Strahlkraft des Bodensees als Arbeits- und Unternehmensstandort signifikant erhöhen. Nach dem Wegfall früherer Linienverbindungen mussten Reisende oft auf zeitintensive Umwege über größere Drehkreuze oder die Schiene ausweichen, was die Effizienz eintägiger Geschäftstermine erheblich einschränkte.
Die Unterstützung durch regionale Akteure war maßgeblich für das Zustandekommen dieses Projekts. Industrievertreter und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben hatten sich wiederholt für eine Wiederaufnahme der Inlandsflüge starkgemacht. IHK-Präsident Martin Buck und Oberbürgermeister Simon Blümcke werteten die Landung der ersten Maschine aus Düsseldorf als sichtbares Zeichen einer neuen Aufbruchsstimmung. Die finanzielle Beteiligung und das Engagement lokaler Unternehmen sichern der Air Uniqon ein stabiles Fundament, um die Strecken langfristig profitabel zu betreiben.
Das Unternehmen Air Uniqon ist anders als es der Name vermuten lassen würde keine Fluggesellschaft, sondern ein Unternehmen, das Flugzeuge chartert und die Sitzplätze auf eigene Rechnung vermarktet. Umgangssprachlich werden derartige Konstruktionen auch „virtuelle Fluggesellschaft“ genannt. Operating Carrier ist die etablierte Avanti Air.
Operative Details und Flottenkonfiguration
Die Durchführung der Flüge erfolgt mit einem bewährten Flugzeugtyp der Regionalcharter- und Linienluftfahrt. Die eingesetzte Dash 8-400 bietet Platz für 78 Passagiere und ist aufgrund ihrer Bauweise besonders für Kurzstreckenflüge von regionalen Flughäfen geeignet. Mit einer Flugzeit von weniger als 90 Minuten pro Strecke ermöglicht das Flugzeug eine Zeitersparnis, die im direkten Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern den Ausschlag für das Flugzeug gibt. Der Flugplan sieht vor, dass Berlin und Düsseldorf jeweils viermal pro Woche bedient werden, während Hamburg dreimal wöchentlich auf dem Programm steht.
Fabian Rosenberg, Geschäftsführer der Air Uniqon, erklärte, dass der Fokus auf der Verlässlichkeit und der zeitlichen Flexibilität für die Kunden liege. Das Preismodell beginnt bei einem Einstiegspreis von 99 Euro für den One-Way-Flug im Basic-Tarif. Damit positioniert sich die Airline in einem Segment, das preislich konkurrenzfähig bleibt, ohne den Charakter eines spezialisierten Business-Anbieters zu verlieren. Die Buchungsmöglichkeiten über alle gängigen Kanäle und Reisebüros sollen eine breite Marktdurchdringung gewährleisten.
Impulse für Messewesen und Tourismus
Neben der klassischen Wirtschaftsförderung profitiert insbesondere das Messewesen in Friedrichshafen von der Rückkehr der Linienverbindungen. Als Standort bedeutender internationaler Fachmessen wie der Aero oder der Eurobike ist die Stadt auf eine internationale Erreichbarkeit angewiesen. Aussteller und Besucher aus Nord- und Westdeutschland erhalten durch die Direktflüge wieder einen komfortablen Zugang zum Messegelände, das sich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen befindet. Dies stärkt die Wettbewerbsposition Friedrichshafens gegenüber anderen Messeplätzen in Deutschland und Europa.
Auch für den Tourismus ergeben sich neue Perspektiven. Die Bodensee-Region ist ein gefragtes Ziel für Kurztrips und Erholungsurlaub. Umgekehrt ermöglicht die Anbindung den Bewohnern des Vierländerecks einen unkomplizierten Zugang zu den kulturellen Angeboten der deutschen Metropolen. Ob für Städtereisen nach Berlin oder Hafenbesuche in Hamburg – die Reduzierung der Reisezeit auf ein Minimum fördert den grenzüberschreitenden Austausch und den Wochenendtourismus in beide Richtungen.
Die Rolle des Flughafens im Vierländereck
Der Bodensee-Airport Friedrichshafen blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der Luftschifffahrt und der Luftfahrtindustrie verbunden ist. Als südlichster Verkehrsflughafen Deutschlands bedient er ein Einzugsgebiet, das weit über die nationalen Grenzen hinaus nach Österreich, in die Schweiz und nach Liechtenstein reicht. Diese grenzüberschreitende Relevanz macht den Flughafen zu einem zentralen Knotenpunkt für den Besuchsverkehr. In den vergangenen Jahren musste der Standort jedoch strukturelle Veränderungen verkraften, die eine Neuausrichtung des Streckennetzes erforderlich machten.
Die Wiederaufnahme der innerdeutschen Verbindungen im Januar 2026 wird von Experten als Teil einer Konsolidierungsstrategie gesehen, die darauf abzielt, den Flughafen wieder stärker als regionalen Hub für Geschäftsreisen zu etablieren. Während viele Regionalflughäfen mit sinkenden Passagierzahlen im Inlandsverkehr zu kämpfen haben, setzt Friedrichshafen auf die spezifische Stärke seiner regionalen Wirtschaftsstruktur, die eine konstante Nachfrage nach Premium-Verbindungen generiert.