Qantas-Winglet (Foto: Joseph Bobadilla/Unsplash).
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QantasLink investiert in Kabinen-Upgrades und ersetzt Fokker-Jets durch Embraer E190

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Die australische Fluggesellschaft QantasLink hat ein umfassendes Investitionsprogramm für ihre westaustralische Tochtergesellschaft Network Aviation angekündigt, um die operative Leistungsfähigkeit und den Komfort auf Regional- und Charterstrecken signifikant zu steigern. Im Zentrum der Strategie steht der schrittweise

Austausch der alternden Fokker 100-Flotte, die nach über drei Jahrzehnten im Dienst durch modernere Embraer E190-Jets ersetzt wird. Parallel dazu wird die bestehende Airbus-Flotte einer umfangreichen Kabinenauffrischung unterzogen, die unter anderem die Installation von Bord-Wi-Fi und neuen Sitzen mit integrierten Ladevorrichtungen umfasst. Diese Maßnahmen sind Teil einer großangelegten Erneuerungswelle innerhalb der Qantas-Gruppe, die insgesamt über 200 neue Flugzeuge umfasst. Ziel ist es, die Zuverlässigkeit und Effizienz insbesondere für den für Westaustralien kritischen Rohstoffsektor sowie für entlegene Gemeinden zu optimieren. Während die ersten umgerüsteten Maschinen noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen sollen, ist der Abschluss des Kabinenprogramms für Anfang 2027 projektiert. Die Beschaffung der Embraer-Jets wird schrittweise erfolgen, wobei zunächst drei Maschinen bis Ende 2026 erwartet werden.

Strukturelle Bedeutung von Network Aviation für den westaustralischen Markt

Network Aviation fungiert als wesentliches Rückgrat für die logistische Anbindung des Bundesstaates Western Australia. Mit Sitz in Perth führt die hundertprozentige Qantas-Tochter wöchentlich mehr als 600 Flüge zu über 25 Zielen durch. Das Streckennetz erstreckt sich dabei weit über die Grenzen des Bundesstaates hinaus und bedient Destinationen wie Darwin, Newcastle, Hobart sowie die strategisch wichtigen Weihnachtsinseln und die Kokosinseln. Eine zentrale Säule des Geschäftsmodells ist die Bereitstellung von Kapazitäten für die Rohstoffindustrie, insbesondere für den sogenannten Fly-in-Fly-out-Betrieb (FIFO), bei dem Arbeiter in entlegene Minengebiete transportiert werden.

Die aktuelle Flotte von Network Aviation besteht aus mehr als 35 Flugzeugen, darunter Fokker 100, Airbus A319 und Airbus A320. Die Entscheidung, massiv in diesen Standort zu investieren, unterstreicht die wachsende Bedeutung von Perth als westlichem Hub innerhalb des Qantas-Netzwerks. In den vergangenen Jahren wurden hier bereits erhebliche Mittel in Trainingsanlagen und die Flughafeninfrastruktur investiert, ergänzt durch die Aufnahme neuer internationaler und nationaler Direktverbindungen, etwa nach Johannesburg und Auckland.

Umfassende Kabinenmodifikationen und technologische Aufrüstung

Ein wesentlicher Teil der Investitionen fließt in die Modernisierung der Airbus-Bestandsflotte. Alle 28 Flugzeuge der Typen A319 und A320 werden im Rahmen eines Refurbishment-Programms mit Onboard-Wi-Fi ausgestattet. Dies ermöglicht es den Passagieren, über ihre persönlichen Endgeräte auf die Qantas Entertainment App zuzugreifen und Filme sowie Fernsehserien zu streamen. In einem Marktumfeld, das zunehmend durch digitale Konnektivität geprägt ist, stellt dieser Schritt eine notwendige Anpassung an moderne Standards dar, die bisher primär auf Langstreckenflügen üblich waren.

Die Airbus A320-Maschinen erhalten darüber hinaus eine komplett neue Kabinenausstattung. Die neuen Sitze verfügen über moderne Vorrichtungen zur Befestigung von Tablets und Smartphones sowie über USB-Anschlüsse der Typen A und C, um die Stromversorgung der Geräte während des Fluges sicherzustellen. Das Programm soll im laufenden Jahr starten und schrittweise bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Durch die Vereinheitlichung des Kabinenstandards innerhalb der Regionalflotte zielt QantasLink darauf ab, das Markenerlebnis für Kunden, die zwischen Hauptstrecken und regionalen Zubringern wechseln, nahtloser zu gestalten.

Das Ende der Fokker-Ära und der Wechsel zur Embraer E190

Ein technologisch und wirtschaftlich entscheidender Wendepunkt ist das Auslaufen des Betriebs der Fokker 100. Dieser Flugzeugtyp war über 30 Jahre lang das Arbeitstier in der westaustralischen Luftfahrt, gilt jedoch im Vergleich zu modernen Mustern als wartungsintensiv und weniger effizient. Als Nachfolgemodell hat sich QantasLink für die Embraer E190 entschieden. Zunächst wurden drei gebrauchte Maschinen gesichert, die aus der Mitte ihres Lebenszyklus stammen und bis Ende 2026 die Flotte verstärken sollen.

Langfristig plant das Unternehmen, bis zu 14 Einheiten dieses Typs in Dienst zu stellen. Die E190 bietet gegenüber der Fokker 100 eine deutlich verbesserte Zuverlässigkeit und operative Effizienz. Der Übergang wird phasenweise gesteuert: Fokker 100-Maschinen werden in dem Maße ausgemustert, wie Network Aviation zusätzliche Airbus A320 von Jetstar Asia übernimmt und die neuen Embraer-Jets eintreffen. Dieser gestaffelte Prozess soll sicherstellen, dass die hohen Kapazitätsanforderungen der Bergbauindustrie ohne Unterbrechung bedient werden können. Ein exakter Zeitplan für die vollständige Ausmusterung aller Fokker-Modelle wurde bisher noch nicht kommuniziert, hängt jedoch eng mit der Verfügbarkeit der Ersatzmaschinen am Weltmarkt zusammen.

Strategische Einordnung in das Konzernprogramm der Qantas-Gruppe

Die Erneuerung in Westaustralien ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer der größten Flottenmodernisierungen in der Geschichte der Qantas-Gruppe. Der Konzern hat Festbestellungen für mehr als 200 neue Flugzeuge platziert, um ältere Muster wie die Boeing 717 und 737 sowie die Airbus A330-Flotte schrittweise zu ersetzen oder zu modernisieren. QantasLink-Chef Mark Dal Pra betonte, dass die Millioneninvestition in Network Aviation das langfristige Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Westaustralien untermauere. Die Steigerung der operativen Stabilität sei insbesondere für den zeitkritischen Transport im Bergbausektor von unschätzbarem Wert.

Die Wahl der Embraer E190 ist zudem taktisch sinnvoll, da dieser Typ bereits bei der Allianz-Partnergesellschaft Alliance Airlines erfolgreich für Qantas-Flüge eingesetzt wird, was Synergien bei Wartung und Pilotentraining ermöglicht. Durch die Flottenharmonisierung und die technische Aufwertung der Kabinen positioniert sich QantasLink als leistungsstarker Partner für die Industrie und als attraktive Option für Privat- und Geschäftsreisende in einer Region, die aufgrund ihrer gewaltigen Distanzen existenziell auf einen funktionierenden Luftverkehr angewiesen ist. Die Modernisierung sichert somit nicht nur den aktuellen Betrieb, sondern legt das Fundament für zukünftiges Wachstum am westlichen Rand des australischen Kontinents.

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