Kreuzfahrt-Schiff-Modell (Foto: Jan Gruber).
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Stadtrat in Amsterdam erwägt vollständiges Verbot für Hochseekreuzfahrtschiffe

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In der niederländischen Metropole Amsterdam hat sich die Debatte um die Zukunft des Kreuzfahrttourismus massiv verschärft. Während ursprüngliche Planungen lediglich eine Verlegung des zentralen Kreuzfahrtterminals bis zum Jahr 2035 in Randgebiete vorsahen, prüft der Stadtrat nun ein generelles Verbot für Hochseekreuzfahrtschiffe im gesamten Stadtgebiet.

Hintergrund dieser Entwicklung ist eine aktuelle Machbarkeitsstudie zur Verlagerung des bestehenden Passenger Terminal Amsterdam (PTA). Diese Untersuchung beziffert die Kosten für einen neuen Standort außerhalb des Zentrums auf mindestens 85 Millionen Euro. Angesichts dieser hohen finanziellen Belastung diskutieren die politischen Entscheidungsträger nun die radikale Option eines kompletten Banns, um die städtische Infrastruktur zu entlasten.

Trotz der aktuellen Dynamik bleibt die Umsetzung dieser Pläne ungewiss, da im März 2026 Stadtratswahlen in Amsterdam anstehen. Branchenexperten und niederländische Medien weisen darauf hin, dass veränderte Mehrheitsverhältnisse nach dem Urnengang zu einer Kurskorrektur führen könnten. Bisher handelt es sich bei dem angestrebten Verbot lediglich um eine Absichtserklärung, über die vor den Wahlen keine endgültige Abstimmung mehr erfolgen soll. Dennoch würde Amsterdam mit einem solchen Schritt eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen. Selbst in Venedig, das für seine strengen Regularien bekannt ist, wurde kein Totalverbot verhängt, sondern lediglich die Größe der einlaufenden Schiffe drastisch begrenzt.

Unabhängig von der Verbotsdiskussion greifen bereits jetzt einschneidende Maßnahmen zur Regulierung des Schiffsverkehrs. Die Stadt hat beschlossen, die jährlichen Anläufe am innerstädtischen Terminal nahe dem Hauptbahnhof auf maximal 100 zu halbieren. Zudem darf ab sofort nur noch ein Schiff gleichzeitig anlegen. Ein weiterer technischer Meilenstein ist die Einführung einer generellen Landstrompflicht am PTA-Terminal ab dem Jahr 2027. Da ein Großteil der modernen Kreuzfahrtflotte bereits über die entsprechenden technischen Vorrichtungen verfügt, dient diese Maßnahme primär der Reduktion lokaler Emissionen und der Lärmbelastung während der Liegezeiten im Hafen.

Wirtschaftsverbände warnen derweil vor den finanziellen Einbußen durch einen kompletten Wegfall der Kreuzfahrtpassagiere. Jährlich generiert der Sektor signifikante Einnahmen für den lokalen Einzelhandel, die Gastronomie und die Museen der Stadt. Dem gegenüber stehen Bestrebungen der Stadtverwaltung, den Massentourismus insgesamt stärker zu steuern und die Lebensqualität für die Anwohner im Stadtkern zu sichern. Die Entscheidung über den Bann wird maßgeblich davon abhängen, wie die neue Stadtregierung nach 2026 die Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und der Belastung der urbanen Infrastruktur bewertet.

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