Wiener Riesenrad (Foto: Jan Gruber).
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Wien festigt Position als globale Tourismusmetropole mit historischem Nächtigungshöchstwert

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Wien hat im vergangenen Jahr einen neuen Meilenstein in seiner Geschichte als Reiseziel gesetzt. Mit insgesamt 20.065.000 Übernachtungen im Jahr 2025 wurde erstmals die prestigeträchtige Marke von 20 Millionen Nächtigungen überschritten. Dies entspricht einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert das erfolgreichste Jahr seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen.

Auch bei den Ankünften verzeichnete die Stadt mit rund 8,57 Millionen Gästen ein deutliches Plus von fünf Prozent. Wirtschaftlich schlägt sich dieser Erfolg in einem voraussichtlichen Rekord beim Beherbergungsumsatz nieder, der die bisherige Höchstmarke von 1,4 Milliarden Euro aus dem Vorjahr mit hoher Wahrscheinlichkeit übertreffen wird. Die Präsidentin des WienTourismus, Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak, bezeichnete den Wiener Tourismus als zentralen Motor einer innovativen Standortpolitik, der wie ein Präzisionsuhrwerk funktioniere und maßgeblich zur Wertschöpfung der gesamten Region beitrage.

Wirtschaftskraft und Arbeitsplatzmotor Visitor Economy

Die Bedeutung der Tourismusbranche für den Wiener Arbeitsmarkt ist beachtlich: Jeder neunte Vollzeitjob in der Bundeshauptstadt ist mittlerweile direkt oder indirekt der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zuzurechnen. Mit einer jährlichen Wertschöpfung von rund 5,3 Milliarden Euro erwirtschaftet Wien etwa 18 Prozent der gesamten touristischen Wertschöpfung Österreichs. Damit positioniert sich die Stadt als zweitstärkstes Tourismusbundesland, wobei die Einnahmen aus touristischen Ausgaben insgesamt 6,82 Milliarden Euro erreichen. Besonders im Dezember zeigten sich starke Synergieeffekte mit dem Handel. Die über zwei Millionen Nächtigungen im letzten Monat des Jahres kurbelten insbesondere das Weihnachtsgeschäft an, wobei Wien im Bereich der Shoppingausgaben von Gästen aus Nicht-EU-Ländern eine Vorreiterrolle einnimmt. Zwei Drittel der bundesweiten Ausgaben in diesem Segment entfallen auf die Wiener Geschäftsstraßen, was vor allem dem Premium- und Luxussektor zugutekommt.

Internationale Märkte und neue Flugverbindungen

Der Erfolg Wiens basiert zu einem großen Teil auf dem internationalen Publikum; rund 83 Prozent der Nächtigungen stammten 2025 aus dem Ausland. Deutschland bleibt mit über 3,5 Millionen Übernachtungen der wichtigste Herkunftsmarkt, gefolgt von Österreich selbst. Auf dem dritten Platz festigen die USA ihre Position mit rund 1,26 Millionen Nächtigungen. Bemerkenswert ist hierbei, dass US-Gäste beim Umsatz in der 5-Sterne-Hotellerie sogar den ersten Platz belegen. Während die Fernmärkte Nordamerika und Kanada durch eine erhöhte Flugfrequenz im Vergleich zu 2019 bereits deutliche Zuwächse verzeichnen, besteht bei asiatischen Märkten wie China und Japan noch Aufholbedarf. Japan liegt beispielsweise noch 40 Prozent unter seinem Vorkrisenniveau, was primär auf die noch nicht vollständig wiederhergestellte Fluganbindung zurückzuführen ist.

Austrian Airlines reagiert auf diese Trends mit einer Modernisierung der Flotte. Ab März 2026 werden die ersten von insgesamt drei neuen Boeing 787-9 Dreamlinern erwartet, die den Reisekomfort auf der Langstrecke deutlich erhöhen sollen. Ein technisches Highlight wird die schrittweise Einführung von Highspeed-Internet durch Starlink sein, das bis 2029 auf der gesamten Flotte zur Verfügung stehen soll. Zudem setzt die Airline auf neue Ziele wie Dubai, um den Incoming-Tourismus weiter zu diversifizieren.

Bahnverkehr als Rückgrat der europäischen Anbindung

Neben dem Luftverkehr spielt die Schiene eine immer wichtigere Rolle für den Städtetourismus. Rund 30 Prozent der Gäste reisen mittlerweile mit der Bahn an, was Wien im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz sichert. Die kürzlich eröffnete Koralmbahn hat die Fahrzeiten aus dem Süden Österreichs sowie aus Italien massiv verkürzt. So ist Triest nun in rund sechseinhalb Stunden direkt erreichbar. Für das Jahr 2026 sind weitere Verbesserungen geplant, darunter neue Direktverbindungen aus Belgrad sowie ein Upgrade der Nightjet-Flotte auf der Strecke Wien–Zürich ab Juni. Diese infrastrukturellen Maßnahmen unterstützen das Ziel, Wien als zentralen Knotenpunkt im europäischen Bahnnetz weiter zu festigen.

Kongresswesen und Großevents als Frequenzbringer

Wien behauptet sich weiterhin als einer der weltweit führenden Standorte für Kongresse und diplomatische Veranstaltungen. Für das Jahr 2026 sind bereits knapp 50 Großtagungen mit jeweils über 1.000 Teilnehmern angekündigt. Vier dieser Kongresse werden sogar die Marke von 10.000 Teilnehmern überschreiten, darunter bedeutende medizinische und geowissenschaftliche Fachtagungen. Der Vienna Meeting Fund unterstützt diese Akquise-Bemühungen mit einem Fördervolumen von rund 8,7 Millionen Euro.

Ein besonderes Highlight im Veranstaltungskalender 2026 ist der Eurovision Song Contest (ESC) im Mai. Die Stadt verfügt mit über 84.000 Betten in rund 450 Hotelbetrieben über ausreichende Kapazitäten für dieses Großereignis. Neben dem ESC sorgen auch Konzert-Highlights von Künstlern wie Helene Fischer oder den Toten Hosen für Buchungsspitzen im Ernst-Happel-Stadion. Die Tourismusstrategie setzt dabei auf ein gesundes Augenmaß bei der Preispolitik, um die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung – neun von zehn Wienern stehen dem Tourismus positiv gegenüber – nicht zu gefährden.

Kulinarik und Digitalisierung: Das Jahresthema 2026

Unter dem Motto „Vienna Bites: Küche, Kultur, Charakter“ rückt der WienTourismus 2026 die kulinarische Vielfalt der Stadt in den Fokus. Ziel ist es, die gesamte gastronomische Breite vom traditionsreichen Würstelstand bis zur internationalen Spitzengastronomie erlebbar zu machen. Da ein Drittel der bundesweiten gastronomischen Wertschöpfung in Wien generiert wird, stellt dieser Sektor eine wesentliche Säule der städtischen Identität dar. Digitale Unterstützung erhalten Gäste dabei durch die App „ivie“, die mittlerweile über 1,8 Millionen Downloads verzeichnet und zu den weltweit führenden Travel-Apps zählt. Die App wird im Rahmen des ESC auch zur offiziellen Host City App ausgebaut und bietet interaktive Features wie City-Guides und Schnitzeljagden an.

Mit einem Marketing-Budget von 15,7 Millionen Euro für das Jahr 2026 fokussiert sich der WienTourismus strategisch auf die Segmente Kultur, Luxus und Kongresse. In den Märkten China und den Golfstaaten wird künftig ausschließlich das Luxussegment beworben, um zahlungskräftige Zielgruppen anzusprechen. Die Kombination aus erstklassiger Infrastruktur, hoher Lebensqualität und einer klaren strategischen Ausrichtung sichert Wien somit auch für die kommenden Jahre eine Spitzenposition im globalen Wettbewerb der Metropolen.

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