Business-Class (Foto: Lufthansa).
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Lufthansa: Airbus A380 erhält neue Business Class

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Die Deutsche Lufthansa AG hat den Startschuss für eine der umfangreichsten Modernisierungsphasen ihrer Unternehmensgeschichte gegeben. Im Zentrum dieser Bestrebungen steht die Aufwertung der bestehenden Langstreckenflotte, wobei dem Airbus A380-800 eine Schlüsselrolle zukommt.

Ab Februar 2026 durchlaufen die acht verbliebenen Maschinen dieses Typs ein umfassendes Umrüstungsprogramm, in der Fachsprache als Retrofit bezeichnet, bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden. Ziel dieser Maßnahme ist es, das Kabinenprodukt an die neuesten Standards der Branche anzupassen und die Wettbewerbsfähigkeit auf den prestigeträchtigen Langstreckenrouten ab dem Drehkreuz München zu sichern. Kernstück der Erneuerung ist die Installation einer völlig neuen Business Class des Herstellers Thompson Aero Seating, die den Passagieren einen direkten Zugang zum Gang von jedem Platz aus sowie ein deutlich höheres Maß an Privatsphäre bietet. Parallel dazu werden auch die Boeing 747-8 und der Airbus A350-900 in das Modernisierungskonzept einbezogen, um eine konsistente Produktqualität über die gesamte Flotte hinweg zu gewährleisten.

Technischer Durchbruch in der Kabinenkonfiguration

Die Entscheidung für den Einbau der neuen Sitze im Airbus A380 folgt einer klaren wirtschaftlichen und operativen Logik. Während die Einführung des neuen Allegris-Kabinenprodukts bei werksneuen Flugzeugen aufgrund von Lieferverzögerungen bei den Herstellern und komplexen Zertifizierungsverfahren Zeit in Anspruch nahm, greift Lufthansa beim A380-Retrofit auf ein bewährtes Modell des Herstellers Thompson zurück. Ein entscheidender Vorteil dieser Wahl liegt in der bereits bestehenden Zulassung für diesen Sitztyp. Dadurch entfallen langwierige und kostenintensive Neuzertifizierungen durch die Luftfahrtbehörden, was eine ungewöhnlich schnelle Implementierung ermöglicht. Bereits im April 2026 soll die erste umgerüstete Maschine den Linienbetrieb ab München wieder aufnehmen.

Die neue Business Class im Oberdeck des Superjumbos wird insgesamt 68 Plätze umfassen. Das Design bricht radikal mit der bisherigen 2-2-2-Bestuhlung, die von vielen Geschäftsreisenden aufgrund des fehlenden direkten Gangzugangs für Fensterplätze kritisiert wurde. Die neue Konfiguration stellt sicher, dass jeder Fluggast ungehindert aufstehen kann, ohne Mitreisende zu stören. Mit einer Sitzbreite von 58 Zentimetern und einer Bettlänge von über zwei Metern im vollständig flachen Zustand setzt das Produkt neue Maßstäbe im Premiumsegment der Airline. Flexible Zwischenwände ermöglichen es zudem, den persönlichen Raum individuell abzuschirmen, was insbesondere auf Nachtflügen den Komfort erheblich steigert.

Wirtschaftliche Bedeutung des Standorts Dresden und München

Die Durchführung der Arbeiten bei den Elbe Flugzeugwerken (EFW) in Dresden unterstreicht die Bedeutung des deutschen Luftfahrtstandorts für komplexe Wartungs- und Umrüstungsaufträge. Die EFW verfügen über eine langjährige Expertise bei der Strukturmodifikation von Airbus-Großraumflugzeugen. Während des Aufenthalts in Sachsen werden nicht nur die Kabinenmonumente ausgetauscht, sondern gleichzeitig fällige Routine-Wartungsarbeiten und Checks durchgeführt. Diese Bündelung von Maßnahmen minimiert die Standzeiten der Flugzeuge und optimiert die Flottenverfügbarkeit. Heiko Reitz, Hub Manager in München, betont in diesem Zusammenhang die Sonderstellung der Lufthansa als einzige Fluggesellschaft innerhalb der Europäischen Union, die eine derart kapazitätsstarke A380-Flotte betreibt.

Für das Drehkreuz München ist die Modernisierung des A380 ein klares Signal für die langfristige Wachstumsstrategie im Langstreckensektor. Mit einer Gesamtkapazität von 499 Sitzen – unterteilt in acht Plätze in der First Class, 68 in der neuen Business Class, 52 in der Premium Economy und 371 in der Economy Class – bleibt der A380 das Flaggschiff der bayerischen Station. Die hohe Nachfrage auf Strecken nach Nordamerika und Asien rechtfertigt die Investitionen in die Bestandsflotte, zumal die Kapazitäten des Typs auf hochfrequentierten Routen mit begrenzten Zeitnischen an den Zielflughäfen konkurrenzlos bleiben.

Vernetzung und technologische Upgrades für den Passagier

Neben der physischen Hardware der Sitze umfasst das Retrofit-Programm auch signifikante Verbesserungen der digitalen Infrastruktur an Bord. Die neuen Sitze sind mit modernster Bluetooth-Technologie ausgestattet, die es den Fluggästen ermöglicht, ihre eigenen kabellosen Kopfhörer mit dem Bordunterhaltungssystem zu verbinden. Dies ist ein direktes Entgegenkommen an die Bedürfnisse moderner Reisender, die zunehmend Wert auf die Integration ihrer persönlichen Endgeräte legen. Zudem wird die Stromversorgung an den Plätzen durch leistungsstarke USB-C-Anschlüsse und internationale Steckdosen modernisiert, um das schnelle Laden von Laptops und Mobilgeräten zu gewährleisten.

Das Programm sieht vor, dass bis Mitte 2027 alle acht Maschinen der A380-Flotte vollständig umgerüstet sind. Dieser straffe Zeitplan ist notwendig, um die Produktkonsistenz zu wahren. Passagiere, die gezielt Premiumklassen buchen, erwarten heute ein einheitliches Erlebnis, unabhängig davon, ob sie in einer neu ausgelieferten Boeing 787 oder einem modernisierten Airbus A380 reisen. Die Investition in den Retrofit gilt in Fachkreisen als geschickter Schachzug, um die Zeitspanne bis zur vollständigen Auslieferung der nächsten Flugzeuggenerationen zu überbrücken und gleichzeitig den hohen Status als 5-Sterne-Airline zu untermauern. Zumindest will Lufthansa wieder ein Five-Star-Carrier werden. Momentan ist man das laut Skytrax nicht.

Business-Class (Foto: Lufthansa).

Ausblick auf die Flottenharmonisierung

Die Modernisierung des A380 ist nur ein Baustein in einem weitaus größeren Bild. Lufthansa investiert Milliarden in neue Flugzeuge wie die Boeing 777-9, deren Auslieferung für die kommenden Jahre erwartet wird. Doch da diese neuen Muster erst schrittweise in die Flotte integriert werden können, kommt der Aufwertung der bestehenden Boeing 747-8 und der Airbus A350-Flotte eine zentrale strategische Bedeutung zu. Durch das Retrofit-Programm wird die Lücke zwischen dem Bestandsprodukt und der neuen Allegris-Generation geschlossen.

Analysten werten das Engagement für den A380 zudem als Eingeständnis, dass die Kapazität des Superjumbos in einem Markt mit stetig wachsenden Passagierzahlen kaum durch kleinere Flugzeugtypen zu ersetzen ist. Während andere Fluggesellschaften ihre A380 während der Pandemie endgültig ausgeflottet hatten, profitiert Lufthansa nun von der Entscheidung, das Modell zurückzuholen. Mit der neuen Kabinenausstattung wird das Flugzeug, das bei Passagieren aufgrund seiner Laufruhe und des großzügigen Raumgefühls ohnehin beliebt ist, auch für Geschäftsreisende wieder zu einer erstklassigen Wahl. Der Standort München festigt damit seine Rolle als Premium-Hub und wichtigstes Tor der Lufthansa für den interkontinentalen Verkehr im Süden Deutschlands.

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