Ein Airbus A330 der Turkish Airlines musste am 4. Februar 2026 auf dem Weg von Kathmandu nach Istanbul außerplanmäßig auf dem internationalen Flughafen Subhas Chandra Bose in Kalkutta landen. Auslöser für das Manöver war ein Feuer im rechten Triebwerk, das kurz nach dem Start in Nepal gemeldet wurde.
An Bord des Flugzeugs befanden sich 236 Personen, darunter 225 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder. Trotz der bedrohlichen Situation konnte die Maschine sicher gelandet werden, und nach aktuellen Berichten der zuständigen Behörden gab es keine Verletzten unter den Insassen. Die Luftfahrtbehörden Indiens und Nepals haben bereits Untersuchungen eingeleitet, um die genaue Ursache des technischen Defekts zu ermitteln.
Verlauf des Vorfalls nach dem Start in Kathmandu
Flug TK727 startete am frühen Nachmittag des 4. Februars um 13.28 Uhr Lokalzeit vom Tribhuvan International Airport in Kathmandu. Die geplante Flugstrecke nach Istanbul umfasst eine Distanz von über 5.300 Kilometern und führt üblicherweise über den indischen Subkontinent und den Nahen Osten. Kurz nach Erreichen der Reiseflughöhe stellten die Piloten jedoch eine Unregelmäßigkeit am rechten Triebwerk fest. Sensoren meldeten einen Brand innerhalb der Antriebseinheit, was umgehend die Aktivierung der Notfallprotokolle zur Folge hatte.
Laut Aussagen von Gyanendra Bhul, dem stellvertretenden Sprecher der nepalesischen Zivilluftfahrtbehörde (CAAN), handelte die Besatzung unverzüglich nach den geltenden Sicherheitsrichtlinien. Der betroffene Motor wurde manuell abgeschaltet und die bordeigenen Feuerlöschsysteme wurden aktiviert, um die Flammen zu ersticken. Die Piloten setzten einen Notruf ab und informierten den Tower in Kathmandu über die Entscheidung, den Flug nicht fortzusetzen, sondern den nächstgelegenen, für ein Flugzeug dieser Größe geeigneten Flughafen anzusteuern.
Technische Details und kontrollierte Diversion
Bei dem betroffenen Flugzeug handelt es sich um einen Airbus A330-303 mit der Kennung TC-LNG. Dieser zweistrahlige Langstreckenjet ist darauf ausgelegt, auch mit nur einem funktionierenden Triebwerk sicher weiterzufliegen und zu landen, ein Verfahren, das als ETOPS-Betrieb (Extended-range Twin-engine Operational Performance Standards) bekannt ist. Die Daten von Flugverfolgungsdiensten wie Flightradar24 belegen, dass die Maschine ihren ursprünglichen Westkurs verließ und nach Süden in Richtung Kalkutta abdrehte.
Obwohl das Flugzeug zum Zeitpunkt des Zwischenfalls voll aufgetankt war und somit ein hohes Landegewicht aufwies, entschieden sich die Piloten gegen ein sofortiges Ablassen von Treibstoff in großer Höhe, da die Situation am abgeschalteten Triebwerk unter Kontrolle schien. Die Maschine verfügte über ausreichend Reserven, um mehrere Stunden in der Luft zu bleiben, was der Besatzung die nötige Zeit gab, die Landung in Kalkutta sorgfältig vorzubereiten. In Indien lösten die Behörden des indischen Ministeriums für Zivilluftfahrt umgehend einen vollen Notfallalarm für den Flughafen Kalkutta aus, um Rettungskräfte und Feuerwehr in Position zu bringen.
Sichere Landung und Versorgung der Passagiere
Um 15.03 Uhr Lokalzeit setzte der Airbus sicher auf der Landebahn in Kalkutta auf. Die Rettungseinheiten begleiteten das Flugzeug bis zu seiner Parkposition, ein aktives Feuer war zu diesem Zeitpunkt von außen nicht mehr sichtbar. Die Evakuierung erfolgte geordnet über die normalen Treppen, da keine unmittelbare Gefahr einer Explosion mehr bestand. Die 225 Passagiere wurden in den Terminalbereich gebracht und dort vom Bodenpersonal der Turkish Airlines sowie den Flughafenbehörden betreut.
Experten für Flugsicherheit betonen, dass die Entscheidung für Kalkutta strategisch sinnvoll war, da der Flughafen über die notwendige Infrastruktur für Wartungsarbeiten an Großraumflugzeugen verfügt. Die Passagiere wurden teilweise in Hotels untergebracht oder auf Ersatzflüge umgebucht, um ihre Reise nach Istanbul mit Verspätung fortzusetzen. Turkish Airlines schickte eine technische Delegation sowie ein Ersatzflugzeug nach Indien, um die gestrandeten Fluggäste abzuholen und die Untersuchungen am beschädigten Triebwerk aufzunehmen.
Untersuchungen zur Brandursache
Die indische Untersuchungskommission für Flugunfälle (AAIB) hat in Zusammenarbeit mit den türkischen Vertretern die Arbeit aufgenommen. Ein zentraler Aspekt der Untersuchung wird die Analyse der Triebwerksdaten aus dem Flugdatenschreiber sein. Es gilt zu klären, ob es sich um einen Materialfehler, einen Vogelschlag während der Startphase oder einen Defekt im Treibstoffsystem handelte. Triebwerke des Typs, wie sie am Airbus A330 verbaut sind, gelten als sehr zuverlässig, weshalb ein plötzlicher Brand unter Experten als seltenes Ereignis eingestuft wird.
Der Vorfall in Kathmandu reiht sich in eine Serie technischer Überprüfungen ein, die weltweit bei älteren Modellen der A330-Serie durchgeführt werden, wobei die TC-LNG zum Zeitpunkt des Vorfalls über alle gültigen Wartungszertifikate verfügte. Die Ergebnisse der Untersuchung werden maßgeblich dafür sein, ob vorsorgliche Inspektionen an weiteren Maschinen der Flotte notwendig werden. Bis zum Abschluss der technischen Analyse bleibt das Triebwerk versiegelt und wird vor Ort in Kalkutta demontiert.